Andreas Bamert-Rizzo denkt und redet schnell. Sein Büro, hinter Glasscheiben über dem Aarauer Bahnhofplatz, ist quasi das Kompetenzzentrum der Einbürgerung im Aargau. Denn: Im Innendepartement von Urs Hofmann ist er als Leiter der Abteilung Personenstand und Register für die grundsätzlichen Fragen rund um Einbürgerungen zuständig.

Gerne trifft er sich mit der az zum Gespräch, gibt Auskunft über das Thema – macht aber sofort klar: Konkret zum Einzelfall Buchs könne er keine Angaben machen. Zwar müsse nicht sein Team, sondern der Rechtsdienst des Generalsekretariats über die hängige Beschwerde von Funda Yilmaz entscheiden. Aber als Teil des gleichen Departements könne er sich nicht dazu äussern.

Herr Bamert-Rizzo, Sie haben das Protokoll des Einbürgerungsgesprächs von Funda Yilmaz auch gelesen. Erschien Ihnen dieses standardmässig oder aussergewöhnlich?

Bamert-Rizzo: Dazu kann ich nichts sagen, weil es sich um einen Einzelfall handelt, in dem aktuell eine Beschwerde hängig ist. Es ist Aufgabe des Rechtsdienstes, das jetzt abzuklären.

In den letzten Wochen ist eine kontroverse Diskussion entstanden um den Fall Yilmaz. Finden Sie diese Diskussion gut oder überflüssig?

Eine Diskussion, ausgelöst durch einen Einzelfall, kann wertvoll sein. Sie kann uns weiterbringen. Es kommt dann aber immer auch darauf an, wie die Diskussion geführt wird, und welche Erkenntnisse man daraus zieht.

Liest man das Protokoll, kann man den Eindruck gewinnen, dass mehr nach Bauchgefühl als nach klaren Kriterien geurteilt wurde.

Bauchgefühl ist eher ein schwieriger Begriff. Zu beachten ist: In einem Einbürgerungsverfahren spielt das Ermessen eine Rolle. Dies ist vom Gesetzgeber bewusst so gewollt. Wichtig ist, dass dieses korrekt ausgeübt wird. Die rechtsstaatlichen Grundsätze sind einzuhalten.

«Ich war extrem nervös»

Ausschnitte aus der Sendung «TalkTäglich» mit Funda Yilmaz und SVP-Asylstratege Andreas Glarner.(26.6.2017)

Wie zeigt sich das in der Praxis?

Wenn jemand trotz eines sehr guten Staatskundetests zur Ablehnung empfohlen wird, ist die Begründungspflicht der Gemeinde höher. Genauso wie wenn jemand sehr schlecht abgeschnitten hat. Dann fragen wir nach, wie man trotzdem zum Schluss komme, dass die Person die Anforderungen erfülle.

Wären eindeutige Noten oder Punktzahlen eine Variante?

Die absolute Objektivität gäbe es nur mit scharfen, messbaren Kriterien. Aber das würde kaum zu besseren oder faireren Ergebnissen führen.

Warum nicht?

Am Schluss geht es darum, einen Gesamteindruck zu gewinnen. Dazu reichen Tests alleine nicht aus, es braucht ein Gespräch. Das ist in der Gesetzgebung auch klar festgehalten.

Einige Gemeinden individualisieren Befragungen, andere nicht. Gibt es Erfahrungen, was zielführender ist?

Das wissen wir zu wenig. Wichtig ist auf jeden Fall nicht nur, welche Fragen gestellt werden, sondern wie sie gestellt werden. Die Atmosphäre während des Gesprächs kann viel ausmachen. Im Handbuch des Kantons zu den ordentlichen Einbürgerungen wird auch speziell auf diesen Punkt hingewiesen.

Gibt es Kurse, in denen man lernen kann, wie man ein Einbürgerungsgespräch gut führt?

Bislang nicht. Aus personellen Gründen haben wir beschränkte Möglichkeiten. Das Team Einbürgerungen besteht aus 150 Stellenprozenten, unterstützt situativ von mir und dem Rechtsdienst. Da bleibt wenig Raum für Schulungen. Aber der Kontakt zu den Gemeinden ist uns ein Anliegen und wird gepflegt.

Gibt es viele Rückweisungen?

Die meisten Fälle, bei denen eine Einbürgerung fraglich ist, kommen gar nicht bis zum zuständigen Rat oder in die Gemeindeversammlung, weil sie vorher zurückgezogen werden. Im Gespräch kommt man zum Schluss, dass die Person gewisse Anforderungen noch nicht erfüllt. Dann kann sie sich Zeit nehmen, sich richtig vorzubereiten.

Wird der Fall Yilmaz, unabhängig seines Ausgangs, Folgen haben?

Das kann man noch nicht beurteilen. Es gilt, den Beschwerdeentscheid abzuwarten. Klar ist: Der grundsätzliche Ablauf, dass es ein Einbürgerungsgespräch gibt, ist gesetzlich vorgeschrieben.