Nach Ansicht des Wisliker Gemeindeammanns Heiri Rohner sind kleine Gemeinden schnell einmal überfordert, wenn es darum geht, Einbürgerungen vorzunehmen. Denn in kleinen Gemeinden sind Einbürgerungen eher selten. Entsprechend ungewohnt und schwierig sei der Umgang mit Einbürgerungsgesuchen. «Wie sollen wir etwa die Sprachkenntnisse und die Integration fair beurteilen, wenn wir kaum Vergleichsmöglichkeiten haben?», sagte Rohner in der AZ. Sein Vorschlag: Eine externe Kommission, die regelmässig die Gesuche prüft. Es gebe zwar den Leitfaden des Kantons, aber der sei zu wenig klar.

Tun sich kleine Gemeinden mit Einbürgerungen tatsächlich schwer? Sind sie gar überfordert? Eine nicht repräsentative Umfrage dieser Zeitung bei Aargauer Klein- und Kleinstgemeinden liefert die klare Antwort.

«Man kennt einander»

Patric Jakob ist Gemeindeammann in Wiliberg, der kleinsten Gemeinde im Aargau mit 164 Einwohnern, 5 davon sind Ausländer. «Einbürgerungen gehören tatsächlich nicht zum Tagesgeschäft in einer Kleingemeinde», sagt Jakob. Die letzte Einbürgerung in Wiliberg liege mindestens fünf Jahre zurück. Trotzdem sieht der Gemeindeammann keine Probleme: «Der Kanton gibt die Kriterien und Rahmenbedingungen vor.» Er sieht gar einen Vorteil, den das kleine Dorf gegenüber grossen Kommunen hat: «In einer überschaubaren Gemeinde kennt man einander, auch die Menschen, die sich einbürgern lassen wollen.»

In Uezwil (473 Einwohner, davon 42 Ausländer) fand die letzte Einbürgerung am 24. November 2017 statt. «Es gab keinerlei Probleme», sagt Gemeindeschreiberin Nicole Jenni. Sie hat die Einbürgerung für den Gemeinderat vorbereitet. «Natürlich muss ich mich immer wieder auf den aktuellsten Stand bringen», sagt Nicole Jenni, «denn Einbürgerungen sind auch in Uezwil nicht besonders häufig.» Aber das sei bei vielen Geschäften so.

Auch in Mandach (334 Einwohner, davon 20 Ausländer) liegt die letzte Einbürgerung einige Jahre zurück. Für Gemeindeschreiber Martin Hitz ist dies kein Grund zur Besorgnis. «Auch wenn kleine Gemeinden weniger Einbürgerungsverfahren durchführen, ist die Qualität ebenso gut wie in grossen Gemeinden.» Dafür sorgten, so Hitz, einerseits die klaren Richtlinien des Kantons, andererseits die Professionalität der Gemeindekanzleien.

So gut wie die Grossen

«Ein Einbürgerungsverfahren ordentlich durchzuführen, ist definitiv keine Überforderung», sagt Gemeindeschreiberin Margrit Stüssi. In Densbüren (726 Einwohner, 81 Ausländer), wo sie tätig ist, sind zwar Einbürgerungen auch nicht an der Tagesordnung. Aber das sei kein Argument, um die Einbürgerungen von den kleinen Gemeinden «wegzudelegieren». Auch sie weist darauf hin, dass der Gemeinderat sich auf den Gemeindeschreiber oder die Gemeindeschreiberin verlassen könne, die jeweils das Geschäft gründlich vorbereiten und allenfalls auch erklären würden. Auch Stüssi erwähnt den geltenden Leitfaden des Kantons, der hilfreich sei.

Andrea Barth, Gemeindeschreiberin in Hallwil (875 Einwohner, 153 Ausländer) sieht dem nächsten Einbürgerungsverfahren gelassen entgegen, auch wenn die letzte Einbürgerung in der Gemeinde doch schon drei Jahre zurückliegt. «Es gibt verbindliche Vorgaben. Wenn man sich gut vorbereitet, sehe ich da überhaupt kein Problem für kleine Gemeinden. Und auch keinen Grund, diese Aufgabe jemand anderem zu übertragen.»

Fazit: Der Wisliker Gemeindeammann Heiri Rohner steht mit seiner Ansicht ziemlich alleine da. Die kleinen Gemeinden im Aargau fühlen sich sehr wohl in der Lage, Einbürgerungsverfahren mindestens so souverän wie grosse Gemeinden abzuwickeln.

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