Die Erleichterung ist Nancy Holten, 43, anzuhören: «Ich habe es geschafft», sagt sie am Donnerstagabend am Telefon zur az, ihre Stimme überschlägt es fast. «Ich bekomme den Schweizer Pass. Ich bin mega-happy.» Die für sie «gigantisch-frohe Botschaft» hat ihr wenige Minuten zuvor ein Mitarbeiter des zuständigen Departements am Telefon mitgeteilt. Den schriftlichen Entscheid wird die gebürtige Holländerin heute Freitag in der Post haben. Gleichzeitig werden auch die Medien über den Entscheid des Regierungsrates informiert.

Nancy Holten, die mit ihrer aufmüpfigen Art und ihren zum Teil militanten Aktionen für den Tierschutz und gegen Glocken aller Art manch einem Zeitgenossen ein Sturmläuten der Entrüstung entlockt, strahlt.

Erneute Schlappe für Nancy Holten

November 2016: Erneute Schlappe für Nancy Holten

Nancy Holten provoziert immer wieder. Ihre Gemeinde Gipf-Oberfrick teilt aus und lehnt bereits zum zweiten Mal das Einbürgerungsgesuch ab.

Der Kampf habe sich gelohnt, sagt die Veganerin und dreifache Mutter. «Mein Beispiel zeigt, dass es sich lohnt, sich für seine Ziele einzusetzen und nie aufzugeben.» Sie überlegt kurz, fügt dann an: «Ich kann jedem nur raten: Gib nie auf, dich für deine Träume einzusetzen.»

In Gipf-Oberfrick und anderenorts mag mancher die Einbürgerung als Albtraum werten – aber sie ist folgerichtig, denn gegen das Einbürgerungsgesuch von Holten gab es weder formale noch inhaltliche Hinderungsgründe.

Das hat auch der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick stets betont, und das hat nun auch der Regierungsrat an seiner letzten Sitzung bestätigt, indem er die Beschwerde von Holten gegen ihre Nicht-Einbürgerung guthiess.

Holten wehrte sich mit der Beschwerde gegen den Entscheid der letzten Gemeindeversammlung, ihr den Schweizer Pass zu verweigern. Im letzten November hatten die Stimmberechtigten das Einbürgerungsgesuch von Holten bereits zum zweiten Mal abgelehnt – und sie taten das mit 59:203 Stimmen sogar noch deutlicher als im ersten Anlauf.

Juni 2016: «Ich bin keine Böse», sagt Nancy Holten

Juni 2016: «Ich bin keine Böse», sagt Nancy Holten

Sie hofft, dass sich die Gemüter der Gipf-Oberfricker in der Zwischenzeit etwas beruhigt haben. «Und sehen, dass ich mich nur für Tiere einsetzen will – Tierschutz und Schweizer Pass, das beisst sich doch nicht.»

Es gab keine sachlichen Gründe

Die Gipf-Oberfricker wollten mit ihrem Nein ein Signal setzen, dass sie einer Person, die sich ihrer Ansicht nach nicht konform verhält, nicht den Schweizer Pass geben wollen. Viele Gipf-Oberfricker stört, mit welchen Mitteln und mit welcher Penetranz Holten für ihre Überzeugungen kämpft. Sie halten sie für mediengeil und völlig überdreht.

An der letzten Gemeindeversammlung konnte denn auch niemand einen sachlichen Grund vorbringen. Der Gemeinderat mahnte damals schon, dass es rechtlich keinen Grund gebe, ihre Einbürgerung abzulehnen, und dass eine allfällige Beschwerde beim Regierungsrat wohl durchkommen würde.

Die Gipf-Oberfricker nahmen es zur Kenntnis – und schoben den Ball bewusst Aarau zu. Nicht wenige Gipf-Oberfricker sind nun wohl nicht unglücklich, dass Aarau jetzt entschieden und die heisse Kartoffel nicht wie beim ersten Mal an die Gemeinde zurückgegeben hat. Die Gegner von Holten unter den Gipf-Oberfrickern können nun sagen: Wir haben sie nicht eingebürgert.

Der Gemeinderat machte denn auch Druck auf Aarau: «Der Gemeinderat erwartet, dass der Regierungsrat entscheidet und das Geschäft nicht mehr zur erneuten Beurteilung zurückweist, wie auch immer der Entscheid ausfällt», sagte Gemeindeschreiber Urs Treier im Dezember zur az und doppelte nach: «Der Gemeinderat wird die Einbürgerung kein drittes Mal mehr der Gemeindeversammlung zur Beschlussfassung vorlegen. Dies wäre widersinnig, weil die Sachlage klar ist.»

Das muss er nun nicht – und es hätte ihn wohl auch vor rechtliche Probleme gestellt. Denn ein Einbürgerungsgesuch, das alle Kriterien erfüllt, nicht zu bringen, lässt sich kaum halten.

Noch hat Holten den Schweizer Pass nicht zu 100 Prozent auf sicher: Zum einen kann gegen den Entscheid des Regierungsrates Beschwerde geführt werden. Zum anderen muss der Grossrat ihrer Einbürgerung noch zustimmen. Dass dieser Nein sagt, ist wenig wahrscheinlich.