Reportage

Ein Wechselbad der Gefühle: So erlebte SP-Ständerätin Pascale Bruderer den Wahlsonntag

Klar und deutlich bestätigten die Aargauer Wählerinnen und Wähler die SP-Frau Pascale Bruderer zur Ständerätin. Doch zuvor gab es ein Wechselbad der Gefühle. Wie SP-Ständeratskandidatin Pascale Bruderer den Wahlsonntag erlebte.

Als Pascale Bruderer vor vier Jahren gleich im ersten Wahlgang zur Ständerätin gewählt wurde, war ihre Tochter Juliana erst wenige Tage alt.

Jetzt sitzt die Vierjährige in einem Büro der HGK-Consulting in Aarau am Boden und spielt mit ihrer Grossmutter und der jüngeren Schwester Amélie ein Kartenlegespiel. Es geht darum, einen möglichst grossen Clown zu erwürfeln und auf dem Teppich auszulegen. Völlig ins Spiel versunken, nimmt sie kaum wahr, dass es ringsum ziemlich hektisch zugeht.

Telefone läuten, das Radio läuft, Laptops melden ständig die neusten Hochrechnungen und nach und nach auch Zahlen, die sofort in eine Excel-Tabelle eingetragen werden.

Draussen regnet es in Strömen. Es ist Wahlsonntag, kurz vor 13 Uhr. Und bereits zeichnet sich ab, dass es Pascale Bruderer schon im ersten Wahlgang reichen könnte.

Aufreger Schmidrued-Walde

Um die letzten Stunden vor der Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses ungestört und doch nahe beim Regierungsgebäude verbringen zu können, hat Pascale Bruderer mit ihrer Familie im Gebäude der HKG-Consulting Quartier bezogen. Bruderer sitzt im Verwaltungsrat der Firma und CEO René Herzog ist ein guter Freund der Familie.

Pascale Bruderer wird in den aufregenden Stunden bestens und liebevoll betreut: Ihr Mann Urs Wyss ist dabei, genau sowie Mutter Annemarie; René und Rosi Herzog wirken als umsichtige Gastgeber, und sogar Julianas Gotte Monika Wyss kommt extra vorbei – zur grossen Freude von Juliana.

Grund zur Freude sind für die Ständerätin und ihr Team auch die rasch eintreffenden Wahlresultate. Allerdings erst nach einem kurzen Schreckmoment. In der allerersten ausgezählten Gemeinde, Schmidrued-Walde, liegt sie deutlich hinter Hansjörg Knecht und Philipp Müller.

Wenn das so weitergeht! Doch es geht nicht so weiter. Schnell wird klar, dass Schmid-rued-Walde zu den Ausnahmen gehört; die Aargauerinnen und Aargauer setzen Bruderer deutlich an die Spitze.

Um 14.05 meldet sich Staatsschreiber Peter Grünenfelder ein erstes Mal. Er teilt mit, dass es für Pascale Bruderer wohl keinen zweiten Wahlgang geben wird.

Sie nimmt es äusserlich gelassen zur Kenntnis, will sich erst gratulieren lassen, wenn das Resultat definitiv ist. Also stellt René Herzog den Wein halt wieder kalt.

Auf die Stimmung drückt die Nachricht, dass die SP im Aargau wohl einen Sitz verlieren wird – und dass es Max Chopard treffen wird. «Das hat er nicht verdient», sagt Pascale Bruder und schüttelt den Kopf.

Zu reden gibt auch der sich abzeichnende Rechtsrutsch, das unerwartet schwache Abschneiden von Ruth Humbel – und dass der FC Aarau in Winterthur mit eins zu null im Rückstand liegt.

Man sitzt jetzt in der Cafeteria zum kleinen, aber feinen Imbiss, der Wein steht bereit, aber Pascale Bruderer mag noch nicht anstossen und auch nicht richtig essen; sie will nur Tee trinken, lässt diesen dann aber stehen, auch der Kaffee wird kalt; die Anspannung steigt und damit auch die Aufregung. Ablenkung bringen da einzig Juliana und Amélie, die mit Grossmutter und Gotte fröhlich spielen dürfen und sich vielleicht insgeheim fragen, was denn da die Erwachsenen wohl dermassen umtreiben mag.

Lachsbrötchen vor dem Aufbruch

Es ist 14.37 Uhr, als der Staatsschreiber ein zweites Mal anruft. Jetzt ist es definitiv. Es wird keinen zweiten Wahlgang geben. Pascale Bruderer ist als Ständerätin gewählt. Mit überaus deutlichem Abstand auf Hansjörg Knecht und Philipp Müller. Die Zeit zum Aufbruch drängt. Denn die Siegerin wird schon bald im Regierungsgebäude erwartet.

Doch vorher stossen Familie und Freunde miteinander an. Die Gewählte bedankt sich bei ihren Lieben. René Herzog öffnet die Flasche Sauvignon blanc aus Küttigen. Aargauer Wein für die Aargauer Ständerätin. Das passt.

Und auch essen mag sie jetzt ein kleines Häppchen: Sie teilt sich mit Ehemann Urs ein Lachsbrötchen. Dazu memoriert sie stichwortartig ihre ersten Statements.

Dann verabschiedet sich Pascale Bruderer und macht sich zusammen mit Gatte Urs auf ins Bad in der Menge. Der Regen hat aufgehört und Aarau hat in Winterthur ausgeglichen. Gemeinsam mit Grossmutter und Gotte widmen sich Juliana und Amélie auf dem Büroboden wieder ihren Clowns.

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