Seit 2014 läuft eine intensive Diskussion über Vorschläge des Kantons zur Verkehrszukunft im Ostaargau (Oase). In Diskussion sind je zwei verbliebene Bestvarianten für Lösungen im Raum Baden, im Raum Brugg und für eine bessere Anbindung des Unteren Aaretals.

Eines der übergeordneten Ziele von Oase ist, im Raum Brugg mit den Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr insbesondere eine Entlastung der Zentren vom hohen Durchgangsverkehrsanteil zu erreichen. Der Grosse Rat hat die beiden «Bestvarianten» für Brugg vor einem Jahr als Zwischenergebnis im Richtplan eingetragen, und gleichzeitig den Kanton beauftragt, diese weiterzuentwickeln. Ziel ist, sich auf eine Variante zu einigen.

Einigung in Brugg

Seither haben viele Gespräche stattgefunden. Natürlich auch in Brugg. An diesem intensiven partizipativen Prozess waren in einer Arbeitsgruppe bisher der federführende Kanton sowie Spitzenvertreter von Brugg, Windisch, Hausen und Gebenstorf, sowie der Präsident des Regionalplanungsverbandes Brugg Regio beteiligt.

«In diesen Gesprächen wurde in alle Richtungen gedacht», sagt Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher zur AZ. Wobei klar sei, dass es angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums und der hohen Verkehrsbelastung des Zentrums eine Lösung braucht. Und man kam zu einem Schluss. Barbara Horlacher: «Der Stadtrat Brugg empfiehlt dem Kanton die Weiterbearbeitung der nun vorliegenden Zentrumsentlastung Brugg/Windisch.» Vorgeschlagen wird eine Weiterentwicklung der Tunnelvariante, ergänzt mit einer längeren Aareunterquerung (in der Grafik blau eingezeichnet).

Rücksicht auf das Wasserschloss

Darauf sei man gekommen, sagt Horlacher, «weil wir hier sehr nahe am Wasserschloss sind, einem sehr sensiblen Lebensraum. Brugg will keine neue oberirdische Aarequerung. Die nun vorliegende Variante tangiert diese Naturräume und die daran angrenzenden Wohnquartiere wesentlich weniger als die beiden bisherigen Varianten» (vgl. Grafik).

Die grün eingezeichneten Linienführungen stellen die beiden Varianten dar, die bisher in Diskussion waren. Blau eingezeichnet die neue Variante, die von Brugg und den Nachbargemeinden favorisiert wird. Diese neue Achse mit Untertunnelung der Aare verläuft vom Kreisel Lauffohr im Osten bis zur Südwestumfahrung im Westen, für die die Bauarbeiten 2019 starten sollen. Sie ist primär auf den Durchgangsverkehr ausgerichtet. Darum sind nur zwei Zwischenanschlüsse geplant. Einer für die Erschliessung des Entwicklungsgebietes im Brugger Schachen, der andere als Zu- und Wegfahrt im Bereich der Kabelwerke in Windisch für die dortigen Industriebetriebe. (AZ)

Keine neue Brücke, dafür Untertunnelung der Aare

Die grün eingezeichneten Linienführungen stellen die beiden Varianten dar, die bisher in Diskussion waren. Blau eingezeichnet die neue Variante, die von Brugg und den Nachbargemeinden favorisiert wird. Diese neue Achse mit Untertunnelung der Aare verläuft vom Kreisel Lauffohr im Osten bis zur Südwestumfahrung im Westen, für die die Bauarbeiten 2019 starten sollen. Sie ist primär auf den Durchgangsverkehr ausgerichtet. Darum sind nur zwei Zwischenanschlüsse geplant. Einer für die Erschliessung des Entwicklungsgebietes im Brugger Schachen, der andere als Zu- und Wegfahrt im Bereich der Kabelwerke in Windisch für die dortigen Industriebetriebe. (AZ)

Dieser Tunnel würde überwiegend im Fels unterhalb des Grundwasserträgers liegen. Man habe damit auch auf den Grundwasserstrom entlang der Aare Rücksicht genommen. Für die Variante hätten sich auch die Mitglieder der bereits genannten Arbeitsgruppe sowie die Bau- und Planungskommission von Brugg ausgesprochen, sagt Horlacher.

Dann wären damit die Wünsche von Brugg erfüllt? Horlacher: «Es gibt natürlich nach wie vor Punkte, die der Stadtrat kritisch beobachtet. Zum Beispiel, wo genau die Tunnelportale hinkommen sollen, wie diese gestaltet werden, wie genau die Linienführung im Aufeld auf der anderen Flussseite Richtung Unteres Aaretal aussehen soll, oder wie die Erreichbarkeit der Naherholungsgebiete des Wasserschlosses aus den Wohnquartieren sichergestellt wird.» Es lasse sich aber sagen, so Horlacher, «dass wir mit dieser Variante eine spürbare Entlastung des Zentrums vom Durchgangsverkehr bekämen.

Weniger Verkehr gäbe es auf der Zurzacherstrasse, der Casinobrücke, beim Knoten Neumarkt und auf der Aarauerstrasse. In Windisch gilt dies zudem für die Zürcher- und Hauserstrasse. Indem der Durchgangsverkehr aus der Stadt rauskommt, verbessern wir unsere Erreichbarkeit, schaffen Kapazität für den Ziel-Quellverkehr, den öffentlichen Verkehr, den Velo- und Fussverkehr.»

Zudem eröffneten sich neue Möglichkeiten zur Stadtentwicklung und innerstädtischen Aufwertung. Horlacher: «Die Spielräume für die städtebauliche Entwicklung von Brugg sowie der Einbezug des Langsamverkehrs waren wichtige Aspekte für unsere Variantenbewertung. Erfreulicherweise sind jetzt seitens des Kantons die Massnahmen für Förderung und Ausbau des Velo- und Fussverkehrs viel konkreter als im Anfangsstadium der Diskussion. So wird nicht einseitig nur auf die Strasseninfrastruktur gesetzt.»

Öffentliche Anhörung wohl 2019

«Wir spüren ein grosses Informationsbedürfnis in der Bevölkerung,» sagt Horlacher weiter. Sie ist denn auch froh, dass sie jetzt mit dem aktuellen Planungsstand raus gehen und die Bevölkerung informieren kann.

Aber wie geht es weiter? Der Zeithorizont für das Projekt Oase des Kantons, zu dem die Umfahrung Brugg gehört, ist ja auf das Jahr 2040 ausgerichtet. Dieser Prozess und die zugehörigen Verfahren brauchen Zeit, bestätigt Horlacher. Bevor die Variante im Richtplan festgesetzt wird, erfolge – voraussichtlich im Herbst 2019 – eine öffentliche Anhörung, zusammen mit der Behördenvernehmlassung. Im Sommer 2020 könnte der Regierungsrat einen entsprechenden Beschluss fassen, der Grosse Rat Ende 2020 entscheiden.

Und die Kosten?

Zu den genauen Kosten der gewählten Variante und zum Bezahlschlüssel zwischen Kanton und Stadt könne man noch nichts sagen, so Horlacher weiter: «Die Kostengenauigkeit schwankt in der jetzigen Phase um plus/minus 50 Prozent. Im nächsten Schritt wird diese auf plus/minus 30 Prozent verbessert. Der Kanton muss die Variante zudem erst genau durchrechnen. Dann ist auch über den Verteilschlüssel zu verhandeln, also darüber, welche Teile in den kantonalen und welche in den kommunalen Aufgabenbereich fallen.»

Sagen lasse sich, dass die Kosten für die vom Brugger Stadtrat empfohlene Variante in einem ähnlichen Rahmen liegen wie diejenigen für die derzeit im Richtplan als Zwischenergebnis eingetragene Südostumfahrung Windisch, so Horlacher.

Zur Veranschaulichung: Die Grobkostenrechnung des Kantons für die Südostumfahrung Windisch (in der Grafik die längere grüne Linie) beträgt 351 Millionen Franken (plus/minus 50 Prozent). Die aktuellen Konzept- und Planungskosten bis zur Festsetzung im Richtplan werden zu 100 Prozent vom Kanton getragen.