Verkehr

Ein Strauss an Massnahmen soll den Baldeggtunnel ersetzen

Nach dem Aus des Baldeggtunnels hält der Kanton am Ziel fest, die Agglomerationen Brugg und Baden vom Verkehr zu entlasten sowie das Untere Aaretal besser an die Autobahn A1 anzubinden. Nun hat der Kanton neue Ideen präsentiert.

Ziemlich überraschend verkündete der Regierungsrat letzten Herbst das Aus für den Baldeggtunnel. Die geschätzten 880 Mio. Franken Kosten stünden in keinem Verhältnis zum erhofften Nutzen lautete damals die Begründung.

Gegner des Projekts begrüssten den Entscheid und lobten den Mut des neuen Regierungsrats Stephan Attiger. Die Befürworter – allen voran Vertreter des Zurzibiets – zeigten sich enttäuscht. Und alle fragen sich seither, was nun auf den Baldeggtunnel folgen wird, zumal die Verkehrsprobleme nicht weniger werden.

Ursprüngliche Ziele bleiben bestehen

Am Freitag beantwortete Stephan Attiger diese Frage. Das Wichtigste vorweg: Einen «Ersatz» in Form eines alternativen, einzelnen Bauwerks wird es nicht geben. Vielmehr soll ein ganzer Strauss an Ideen, Projekten und Massnahmen die Verkehrssituation im Ostaargau verbessern.

Zu diesem Zweck schloss sich Ende 2013 das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) mit den betroffenen Regionalplanungsverbänden im Projekt «Ostaargauer Strassenentwicklung» (Oase) zusammen. «Dabei sind die ursprünglichen Zielsetzungen bestehen geblieben», betont Attiger.

Konkret: Die beiden Agglomerationen Brugg und Baden sollen vom Verkehr entlastet, das Untere Aaretal besser an die Autobahn A1 angebunden werden. «Gemeinsam mit den Regionen suchen wir jetzt nach Lösungen, die über den Verkehr hinaus gehen – also auch Themen wie Siedlung oder Wirtschaft berücksichtigen.»

Eher wenig Durchgangsverkehr

Um zu diesen Lösungen zu gelangen, berücksichtigt man Zukunftsprognosen über die Bevölkerungs- und somit auch Verkehrsentwicklung bis ins Jahr 2040.

Nicht minder spannend sind aber die Resultate der aktuellen Verkehrs-Erhebung – Resultate aus der 2012 im Grossraum Baden durchgeführten Nummernschilderhebung und Analysen. «Diese zeigen uns, dass die Verkehrsbelastung in den Agglomerationen zu einem grossen Teil hausgemacht ist», sagt Attiger.

Der Durchgangsverkehr habe in Relation zum regional verursachten Verkehr eine untergeordnete Bedeutung. «Über den ganzen Perimeter betrachtet, macht der Ziel-/Quellverkehr 85 Prozent aus», sagt Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton: Wobei es regionale Unterschiede gebe. So ist der Anteil des Durchgangverkehrs in Brugg einiges höher als etwa in Baden.

Oase - Das sagen die Verantwortlichen

Oase - Das sagen die Verantwortlichen

«Basierend auf diesen Erkenntnissen will der Kanton nun zusammen mit den Regionen bis in der zweiten Hälfte 2015 ein Gesamtkonzept vorstellen, um dann anschliessend ein allfälliges Richtplanverfahren zu starten», erklärt Attiger.

Vor zwei Wochen haben bereits die ersten Gemeindeworkshops stattgefunden, um Ideen und Bedürfnisse aufzunehmen. «Bei der Suche nach Lösungen sollen, anders als beim Baldeggtunnel, alle Verkehrsträger – also nicht nur der motorisierte Individualverkehr – berücksichtig werden», sagt Attiger.

Baldeggtunnel kommt nicht

So berichtete TeleM1 vom Aus des Baldeggtunnels

In diesen Workshops seien auch schon erste, unverbindliche Ideen gewälzt worden: Braucht es in Baden einen Schlossbergtunnel, um das Zentrum weiter zu entlasten? Drängt sich in Brugg/Windisch wegen des vielen Durchgangverkehrs eine Süd-Ost-Umfahrung auf? Oder würde im Unteren Aaretal eine Verkehrsentlastung in Station Siggenthal/Würenlingen mit einer Umfahrung Sinn machen, und braucht es eventuell eine zusätzliche Rheinquerung bei Koblenz Ost?

Stephan Attiger betont, dass in der Region Baden/Brugg/Zurzach bereits jetzt und bis zum Vorliegen der neuen Ideen zahlreiche Projekte zur Verbesserung der Verkehrssituation vorangetrieben werden. «Ich denke dabei etwa an das Verkehrsmanagement Baden und Brugg, die Südwestumfahrung Brugg oder die Sanierung der Rheinbrücke in Koblenz.»

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