Am Anfang waren die Gelben Seiten. Dann kamen Google, die Yellow Pages, search.ch. Wer einen Caterer, Treuhänder oder Webdesigner sucht, sollte mit diesen Instrumenten bedient sein, könnte man meinen. Marius Maissen widerspricht. «Kleinunternehmen haben keine Zeit, Offerten nachzurennen», sagt der 35-jährige Aarauer.

Mit zwei Kollegen hat er deshalb Anfang 2014 die Offertube AG gegründet. Fünf Monate später ging das Portal online. Seither arbeitet Maissen in seinem Büro im oberen Stock des Däniker Gemeindehauses mit Blick auf den Kühlturm des AKW Gösgen an der Vernetzung von «Usern» und «Firmen».

Letztere sind die eigentlichen Kunden von offertube.ch: Einmal auf dem Portal registriert, erhalten sie die in ihr Profil passenden Offerten-Anfragen per E-Mail in anonymisierter Form. Sind sie am Auftrag interessiert, können sie den Kontakt für 39 Franken kaufen und den Auftraggeber — also den «User» — kontaktieren.

«Das richtige Konzept gefunden»

Natürlich ist das unterdessen sechsköpfige Offertube-Team auf diesem Feld nicht alleine. Renovero.ch etwa wirbt mit dem Slogan «Gute Handwerker zu guten Preisen». Und Offerten24.ch hat seit dem Start im Jahr 2009 laut eigener Aussage «Tausende Käufer und Anbieter erfolgreich zusammengebracht». Maissen ist aber überzeugt, das richtige Konzept gefunden zu haben. Während sich bei Renovero auf eine Anfrage eine unlimitierte Zahl von Anbietern melden kann, hat Offertube diese der Einfachheit halber auf drei beschränkt.

Die gleiche Einschränkung macht Offerten24. Das Zürcher Start-up vermittelt im Unterschied zu Offertube aber fertige Offerten. «Unserer Meinung nach ist dies nicht realistisch», sagt Maissen. «Daher vermitteln wir nur die Kontakte.» Dies erhöhe gleichzeitig die Transparenz: «Den Kontakt erhalten die drei schnellsten Firmen, wir haben auf die Auswahl also keinen Einfluss.» So zumindest in der Theorie. In der Realität muss Maissen manchmal noch etwas nachhelfen. Kommt beispielsweise ein Reinigungsauftrag aus einer Region rein, in der es keine auf Offertube registrierte Reinigungsfirma gibt, setzt er sich in den Zug und spricht vor Ort bei passenden Firmen vor.

Noch konzentriert sich das Start-up auf das Mittelland und die Region Zürich. Aber Maissens Reisen könnten bald schon länger werden. Mittelfristig wolle man in der ganzen Schweiz präsent sein, erklärt er. Auch die Domain offertube.de ist bereits reserviert. Vor dem Schritt nach Deutschland müsste Offertube allerdings zuerst das dortige Offerten-Verhalten analysieren.

Denn das Portal funktioniert natürlich nur, wenn der vom User ausgefüllte Fragebogen den Firmen die entscheidenden Angaben liefert. Erarbeitet hat Offertube die Fragebögen deshalb mit Spezialisten aus den jeweiligen Branchen – offenbar mit Erfolg. In Internet-affinen Branchen wie etwa der PR-Branche seien Aufträge häufig innerhalb von fünf Minuten weg, so der Jungunternehmer.