Aargauer Finanzdirektor
«Ein solches Amt kann für eine Partnerschaft zur Belastung werden»

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts trat Roland Brogli (CVP) in den Regierungsrat ein. Nun neigt sich seine Amtszeit langsam dem Ende zu. Im «TalkTäglich» spricht er über frühere Sparpakete, seine Krebserkrankung während der Amtszeit und seine Zukunftspläne.

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Während Susanne Hochuli nach 8 Jahren nicht wieder zur Wahl antrat und das Regierungsratsamt nun niederlegt, blieb Roland Brogli doppelt so lange im Amt. Ob er politiksüchtig sei, wollte Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer zum Beginn des im TalkTäglich auf TeleM1 vom Finanzdirektor wissen. «Als Suchthaufen würde ich mich nicht bezeichnen», antwortete Brogli. Begeistert sei er dagegen immer gewesen von der Politik: «Mich lassen Probleme in meiner Nähe nicht einfach kühl.»

Seine Wahl vor 16 Jahren war eine turbulente: Brogli selbst war der offizielle Kandidat der CVP – Rainer Huber der Gegenkandidat. Broglis Kandidatur wurde vom gegnerischen Komitee als «Betriebsunfall der CVP» bezeichnet. Trotz alledem wurden beide Kandidaten in den Regierungsrat gewählt. Für spätere Feindschaft war da jedoch keine Zeit mehr: «Wir haben uns mehrfach ausgesprochen und brauchten etwas Anlaufzeit.»

Beziehungsprobe

Limousine und magistrales Auftreten gehören für einen Regierungsrat dazu. Dies sei jedoch bei weitem nicht alles, sagt Brogli: Man hat unzählige Sitzungen, der Tag ende meist erst um 22 Uhr mit Aktenstudium.

Zu sprechen kam Brogli auch auf die Auswirkungen, die ein solches Amt auf das Beziehungsleben hat. Seine Frau habe natürlich gewusst, was auf sie zukommt. «Ich glaube, das führt je länger je mehr zu einer Belastung in einer Partnerschaft. Man muss sich bewusst sein, was für Auswirkungen dieses Amt hat – das ist kein Beruf wie jeder andere.» Man müsse immer wieder dafür besorgt sein, dass die Partnerschaft funktioniert.

Trotz allem sei seine Frau an viele Veranstaltungen mitgekommen – und das auch gerne, wie er erzählt. Erst gegen Ende sei sie etwas kürzer getreten.

Auf die Frage, wie viel Macht ein Regierungsrat hat, antwortet Brogli, dass man «schon eine Stellung im Kollegium, aber auch privat inne hat». Aber man könne es trotzdem nicht mit der Position eines Firmenchefs vergleichen: «Es hat in der Politik viel mehr Leute, die mitreden, und ist an viel mehr Spielregeln gebunden.»

Wichtig für ihn ist, dass man Erfahrung, Professionalität und Kollegialität in die Regierung einbringen kann.

Krebserkrankung vor Jahren

Auch thematisiert wurde das Krebsleiden von Brogli. Anfang 2004 informierte Brogli über seine Erkrankung. Brogli hielt alles stets sehr transparent. Die Kraft, um weiterzumachen, gab ihm einerseits die Freude am Amt, andererseits «der Wille und die Überzeugung, gesund zu werden».

Als Brogli sein Amt antrat, waren es in Bezug auf die Aargauer Finanzen noch die «fetten» Jahre. Erst später kamen nach und nach die mageren Jahre, wo der Kanton den Budgetgürtel enger schnallen musste. Doch Brogli korrigiert: «Wir haben beispielsweise 2003 bereits Sparpakete gemacht.»

Trotz der Bankenkrise 2008 kamen die schwereren Jahre erst ab 2013. Dass nun Sparpaket an Sparpaket gereiht wird, liegt unter anderem daran, dass kein Paket «zu einhundert Prozent verabschiedet wird». Zudem hat sich die Konjunktur nicht erholt. Das Schwierigste dabei sei aber, das Sparen zu erklären: «Wir lebten in einer Zeit, in der wir einen Haufen Schulden abzahlen konnten. Aber es ist rabiat anders geworden.»

Die Sache mit den Blumensträussen

So hat man etwa alle damit beauftragt, Sparpotenzial zu suchen, jeder noch so kleine Posten. So kam es auch zu dem stark kritisierten Vorschlag, die Blumensträusse für 100-Jährige zu streichen. Eine Idee, welche selbst Stephan Attiger kritisierte. «Es war unsensibel und kam in den falschen Hals, das gebe ich zu.»

Bei einem weiteren heiklen Thema, der Bildung, sagt Brogli, dass die Bevölkerung stark sensibilisiert ist und die Betroffenen es verstehen zu motivieren. Trotzdem würde er seinem Nachfolger (Markus Dieth, CVP) nicht davon abraten, auch weiterhin in der Bildung Sparpotenzial zu suchen – aber: «Die Kinder dürfen nicht darunter leiden.»

Und was passiert nach seinem Amtsabtritt? Brogli verrät: «Ich gehe zuerst auf Costa Rica.» Dort will er abschalten, fernab von allen Medien. (hug)