Kommentar
Ein Sieger, ein Unterlegener und eine Verliererin

az-Chefredaktor Christian Dorer analysiert das Ergebnis des zweiten Ständeratswahlganges. Philipp Müller wurde am Ende klar in das Stöckli gewählt, der «stille Schaffer» Knecht wurde zweiter und Ruth Humbel landete auf dem dritten Platz.

Christian Dorer
Christian Dorer
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Landammann Urs Hofmann gratuliert Philipp Müller zur Wahl in den Ständerat.
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Philpp Müller geht aus dem zweiten Wahlgang als Sieger hervor: Er holt den zweiten Aargauer Ständeratssitz.
Hansjörg Knecht mit seiner Gattin Rita auf dem Weg ins Grossratsgebäude, um seinen Konkurrenten Philipp Müller zu gratulieren.
Fairer Verlierer: SVP-Kandidat Hansjörg Knecht gratuliert Philipp Müller zur Wahl in den Ständerat.
Ruth Humbel am Wahlsonntag: Gekämpft, aber verloren.
Ihr Lachen trotz Niederlage nicht verloren: Hansjörg Knecht und Ruth Humbel.
Sieger Philipp Müller mit seinem Wahlhelfer Adrian Meier (links).
Ständeratswahl: 2. Wahlgang im Aargau: Müller gewählt
Zufriedener Sieger: Philipp Müller, Präsident der FDP Schweiz.

Landammann Urs Hofmann gratuliert Philipp Müller zur Wahl in den Ständerat.

Alex Spichale

Mit Philipp Müller haben sich die Aargauerinnen und Aargauer für die stärkste der drei Persönlichkeiten entschieden, die zum zweiten Wahlgang angetreten sind. Er hat, auch kraft seines Amtes als Präsident der FDP Schweiz, den grössten Einfluss in Bundesbern. Mit diesem Wahlausgang hat auch die absurde Losung der SP Schiffbruch erlitten, die lautete: lieber einen schwachen Knecht als einen starken Müller. Aus linker Sicht mag das sogar stimmen. Der Aargau aber braucht starke Vertreter in Bern. Wer sich aus parteipolitischen Überlegungen schwache wünscht, der handelt rein ideologisch und nicht im Interesse der Bevölkerung.

Die SVP hat nach Ulrich Giezendanners Wahlschlappe 2011 ihre Lehren gezogen. Sie trat nicht mehr mit einem Polteri an, sondern mit ihrem hochanständigen Nationalrat Hansjörg Knecht. Diese Taktik war richtig: Knecht ist einem Wahlsieg deutlich näher gekommen als Giezendanner vor vier Jahren. Gereicht hat es trotzdem nicht. Zum einen hatte Knecht Pech, dass er mit Müller einen schwergewichtigeren und schlagfertigeren, aber ebenso bürgerlichen Konkurrenten hatte; da reichten konziliantes Auftreten und das Mantra des «stillen Schaffers» nicht aus. Zum anderen kommt es im zweiten Wahlgang gern zu einer Korrektur des Vormarsches der SVP. Deshalb erstaunt es wenig, dass die Aargauerinnen und Aargauer nicht auch noch eine dominante Rolle der SVP in der Ständeratsvertretung wollen. Auch im Aargau wachsen die Bäume der SVP nicht in den Himmel.

Die grosse Verliererin des Wahlsonntags heisst Ruth Humbel. Die CVP-Nationalrätin hatte gegen ihre beiden Konkurrenten keine Chance, das war nach dem ersten Wahlgang klar. Dass sie überraschend trotzdem nochmals antrat, sorgte selbst in ihrer eigenen Partei für Unmut. Denn bestand die Gefahr, damit Müller Stimmen wegzuschnappen und Knecht zu ermöglichen – die FDP aber ist der CVP deutlich näher als die SVP. Der Ärger über Humbels Hochrisikospiel wird verfliegen. Nachhaltiger schaden wird ihr, dass sie sich bei den Linken anbiederte, um deren Stimmen zu erhalten – weitgehend vergeblich, wie sich jetzt herausstellt. Humbel und die CVP stehen nun im Ruf, für den kurzfristigen Nutzen Prinzipien anzukratzen. 2016 stehen Grossratswahlen an. Manch bürgerlich denkender CVP-Wähler könnte sich fragen, ob er eine Partei wählen soll, die nach links schielt, wenn es im Moment gerade nützt.