Wochenkommentar

Ein Schulhaus ist noch keine Schulreform

Im Sommer 2014 muss die Aargauer Schulreform umgesetzt sein

Im Sommer 2014 muss die Aargauer Schulreform umgesetzt sein

Die Zeit drängt: Im Sommer 2014 muss die Aargauer Schulreform umgesetzt sein. Die Umsetzung stellt viele Gemeinden eine gewisse Herausforderung dar. Ein Wochenkommentar zur Schulraumplanung, die Gemeinden an ihre Grenzen bringt.

Die Frühlingsferien sind vorbei. In zehn Wochen beginnen die Sommerferien. Dann dauert es noch ein Jahr, bis die Aargauer Schulreform umgesetzt sein muss.

Ab dem Schuljahr 2014/15 dauert die Primarschule sechs und die Oberstufe drei Jahre. Bald ist Halbzeit zwischen der Volksabstimmung und dem Inkrafttreten dieses bildungspolitischen Grossvorhabens.

Ob wir pädagogisch im Fahrplan sind, ist schwierig zu sagen. Im Moment dominiert nämlich eine andere Sorge die Diskussion: dass die Schulhäuser für mehr Primar- und weniger Bez-, Sek- und Realschüler rechtzeitig parat sind.

Der zuständige Regierungsrat Alex Hürzeler spielt den Ball im Interview den Gemeinden zu. Er knüpft damit an einen kurzen Satz an, der im Büchlein zur Abstimmung vom März 2012 stand: «Allfällige Infrastrukturkosten gehen zulasten der Gemeinden.»

Dort, wo dieses «allfällig» wie Hohn klingen muss, weil der Investitionsbedarf gross ist, hapert es mit der Schulraumplanung. Leser Alex Schneider aus Küttigen schrieb der Aargauer Zeitung: «Diese Kosten werden jetzt langsam sichtbar. Die Stimmbürgerschaft reibt sich die Augen.»

Selbst kleine Gemeinden müssen mehrere Millionen investieren. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Kredite umstritten sind und wie in Auenstein oder Münchwilen ein Urnenentscheid erzwungen wird.

Nicht besser geht es manchen grossen. In Wettingen kämpfen Eltern gegen ein separates Schulhaus für Fünft- und Sechstklässler. In Aarau versagte der Einwohnerrat 1,9 Mio. Franken, um die Vergrösserung eines Quartierschulhauses zu planen.

Jetzt müsse «alles reibungslos klappen, sonst ist der Schulraum nicht bereit», sagt Stadtrat Lukas Pfisterer. Während Aarau einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen muss, richtet Baden richtig gross an.

Allein das neue Oberstufenzentrum für bis zu 800 Schüler aus vier Gemeinden kostet 100 Mio. Franken. Hinzu kommt der Umbau von sechs Primarschulstandorten, der sich laut Stadtrat Markus Schneider noch nicht beziffern lässt. «Der Zeitplan für die Volksabstimmungen ist eng», sagt Schneider. Es sei, wie in Aarau, mit Provisorien zu rechnen.

Die Behörden vor Ort sind gefordert. In Aarau hat Pfisterer die Ressorts Jugend und Einbürgerungen abgegeben, um sich voll auf die Schulreform konzentrieren zu können.

In Baden ist die Schulraumplanung Sache des Bauressorts, Schneiders Kollegin Ruth Müri kümmert sich als Bildungsvorsteherin um inhaltliche Belange. Beides Hinweise darauf, dass nicht nur für die angepasste Infrastruktur, sondern auch für den künftigen Schulbetrieb gilt: «Die Umsetzung ist primär Aufgabe der Behörden vor Ort» (Zitat Alex Hürzeler).

Bei allem Verständnis für die besorgten Eltern und Steuerzahler: Ein neues Schulhaus ist noch keine Schulreform. Diese zielt hauptsächlich auf die «Software»: Lehrpläne, Lehrmittel, weitergebildete Lehrer.

Damit sie läuft, braucht es gute «Hardware»: Klassenzimmer, Gruppenräume, Aulen mit Platz für alle. Solang es hier klemmt, steht das Grossprojekt namens «Stärkung der Volksschule» auf wackligen Beinen.

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