Aargau
Ein Rüebligraben verläuft im Aargau zwischen Stadt und Land

In den städtischen Regionen sind auch im bürgerlichen Kanton Aargau linke Kandidaten wählbar. Und auch linke Initiativen wie die Abschaffung der Wehrpflicht werden weniger stark verworfen. Kommentar von Thomas Röthlin.

Thomas Röthlin
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Die neue Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP)

Die neue Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech (SP)

Mathias Marx

Mit der überraschend deutlichen Wahl von Jolanda Urech zur Stadtpräsidentin von Aarau setzt sich ein Trend fort: Dort, wo der bürgerliche Aargau am urbansten ist, sind auch linke Kandidaten mehrheitsfähig. In Baden wurde der grüne Nationalrat Geri Müller diesen Frühling zum Stadtammann gewählt, in Lenzburg schaffte es letzten Herbst Daniel Mosimann von der SP.

Urech, Müller und Mosimann stehen nicht nur für einen Richtungswechsel, nachdem die Spitze der Exekutivämter viele Jahrzehnte fest in bürgerlicher Hand war. Sie setzten sich auch erfolgreich gegen Kandidaten durch, welche dieses Erbe bewahren wollten.

Der Aargau ist in seiner Gesamtheit zwar nach wie vor ein bürgerlicher Kanton. Dies zeigt etwa der wuchtige Nein-Stimmen-Anteil bei der Wehrpflicht-Initiative, die mit fast 80 Prozent versenkt wurde. In seiner Verschiedenheit tut sich im «Kanton der Regionen» jedoch ein Rüebligraben auf. Aarau, Baden und Lenzburg haben die Abschaffung der Wehrpflicht weniger klar abgelehnt.

Mit dem Bevölkerungsdruck aus den Zentren wie Zürich und Basel verändert sich die Zusammensetzung der Wählerschaft – und zwar dort, wo sich die Zugezogenen niederlassen: in den Städten. Es sind in der Tendenz progressive, unideologische Wählerinnen und Wähler. Sie schätzen die zentrale Verkehrslage, das attraktive Wohnungsangebot und die gute Infrastruktur.

Vielleicht ist das Aarauer Sparpaket, das die Attraktivität der Kantonshauptstadt gegenwärtig bedroht, der FDP zum Verhängnis geworden. Dass unter diesen finanziell prekären Umständen einer ausgabenfreudigeren Linken das Vertrauen ausgesprochen wird, das ist im Aargau ein junges Phänomen.

Jolanda Urech wird von ihren Anhängern vor dem Café Tuchlaube in Aarau gefeiert.
10 Bilder
Jolanda Urech muss vor der Kamera eine gute Figur abgeben.
Jolanda Urech ist die neue Aarauer Stadtpräsidentin
Jeder will mit der neuen Stadtpräsidentin anstossen.
Jolanda Urech nimmt Gratulationen entgegen.
Jolanda Urech nimmt Gratulationen entgegen.
Jolanda Urech nimmt Gratulationen entgegen.
Jolanda Urech nimmt Gratulationen entgegen.
Die Stadtmusik spielt auf.
Jolanda Urech vor dem Aarauer Rathaus.

Jolanda Urech wird von ihren Anhängern vor dem Café Tuchlaube in Aarau gefeiert.

Mathias Marx

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