Aarburg

Ein Puppentheater statt einen fetttriefenden Big Mac

Hansruedi Schmid mit «Hansdampf im Schnäggeloch» und Hund.

Hansruedi Schmid mit «Hansdampf im Schnäggeloch» und Hund.

Hansruedi Schmid will Kindern Kultur vermitteln – mit Gratis-Puppentheatern in Aarburg. Lange Jahre hat er in China gelebt und dort die Kinder gesehen, die in Armut leben. Danach hat er den «Verein für Soziales und Kultur» ins Leben gerufen.

Viele Kinder und Jugendliche lungern in Shoppingcentern rum, essen fetttriefende Burger und shoppen sich die neusten Sneakers», malt Hansruedi Schmid (47), Unternehmer aus Aarburg, ein düsteres Bild der Schweizer Jugend. «Für Kinder zwischen vier und zehn Jahren gibt es zudem kaum Veranstaltungen.» Doch weshalb kommt der gelernte Bäcker-Konditor, der heute unter dem Namen «Window of China» Tintenpatronen vertreibt und nachts temporär bei Wernli-Guetzli in Trimbach Chocoly und Jura-Waffeln herstellt, auf die Idee, die Schweizer Kinder mit Puppentheatern zu beglücken?

«Ich habe lange Jahre in China gelebt und dort hungernde Strassenkinder unterstützt», erzählt Schmid. In der 6,4-Millionen-Stadt Nanning in Südchina führte er bis vor einem Jahr ein Restaurant mit Schweizer Spezialitäten. «Die Chinesen gehen zum Schweizer wie wir zum Chinesen. Am beliebtesten sind Bratwurst mit Rösti und Crêpes.» Schmid sieht neben dem aufstrebenden China auch Strassenkinder, denen er immer wieder mit Essensresten aus seinem Betrieb hilft. «Diese Kinder haben niemanden. Eines Tages waren sie plötzlich durch die Behörden abtransportiert worden. In China sieht man es nicht gern, wenn ein Europäer arme Kinder unterstützt. Das darf nicht sein.»

Nach Unstimmigkeiten mit einer Geschäftspartnerin ist der Aarburger in seine Heimat zurückgekehrt und importiert weiterhin Noname-Tintenpatronen und Druckertoner aus China. «Das sind ‹Generika› für den Computer-Drucker», lacht der zweifache Familienvater.

Engagement für Kinder

Hansruedi Schmid möchte sich auch für die Kinder in der Schweiz engagieren: «Hier bei uns leben die Kinder zwar nicht auf der Strasse, sind aber oft sozial und kulturell vernachlässigt. Viele Kinder haben kaum noch Fantasie, sitzen nur vor der Playstation. Kommt aber der Kasperli oder der böse Teufel, sind sie mucksmäuschenstill und fiebern voll mit.»

Zu diesem Zweck hat Hansruedi Schmid den «Verein für Soziales und Kultur» (VfSK) ins Leben gerufen. Der Verein unterstützt sozial schwächere, behinderte und kranke Kinder, auch Kindergärten und Schulen, Kinder in Kinderheimen, Spitälern und Kliniken. Auch ältere Personen werden berücksichtigt. Kostenlose Eintritte zu kulturellen Anlässen und Projekten ermöglichen Kindern aus sozial schwachen Gesellschaftsschichten, die pädagogisch wertvollen Veranstaltungen kennen zu ernen. So setzt sich der Verein dafür ein, dass möglichst viele Kinder von Figuren- und Puppentheatern sowie Konzerten profitieren.

Unter dem Namen «Puppentheater-Festival Beluga» will Schmid mit seiner Idee im Winterhalbjahr in der ganzen Deutschschweiz Kinder-Vorstellungen auf die Beine stellen – inszeniert immer durch namhafte Profis aus der Kindertheater-Szene. «Die Stücke werden gespielt unter anderem von Looslis Puppentheater, Monikas Kasperlitheater, vom Gondiswiler Marionettentheaterverein und vielen mehr.»

Kultur-Offensive startet

Am 12. September startet Schmid seine Kultur-Offensive für Kinder im Burghof-Theater in Aarburg. Einzigartig dabei ist die «Ticketing»-Idee: «Für die Kinder ist die Vorstellung immer gratis.» Der VfSK sucht zuerst die Kinder, dann die Sponsoren. Ein Billett kostet 25 Franken und wird von Firmen, Geschäften und auch Privatpersonen gesponsert. «Viele Firmen verschenken Tickets an ihre Kunden oder Mitarbeiter. Das ist eine ganz neue Plattform, sich zu präsentieren.» Auch eine Extra-Vorstellung zum Beispiel in einem Möbelhaus wäre denkbar. Für die Beluga-Premiee haben sich bereits 120 Kinder angemeldet: «Die Leute sind ganz baff und können gar nicht verstehen, dass unser Theater für die Kinder gratis ist.»

Tatkräftig unterstützt wird Schmid durch seinen Partner Tom Bacher, der als Geschäftsleiter und Eventmanager fungiert und das Theater Burghof in Aarburg betreibt: «Ein glücklicher Zufall. So verfügen wir über eine eigene Bühne.» Die beiden Familienväter hoffen, mit ihrem neuartigen Konzept möglichst vielen Kindern den Besuch im Puppentheater zu ermöglichen. «In diesem Projekt steckt 100 Prozent Herzblut und Idealismus. Geld verdienen können wir damit nie», bekräftigt Bacher. Kennen gelernt haben sich die beiden Puppentheater-Enthusiasten übrigens über ihren Nachwuchs: «Unsere Kinder gehen in die gleiche Klasse. Und beim Raufen und Spielen gab es mal eine Schramme – so lernten wir uns kennen.»

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