Vor sechs Jahren wurde das «KSA am Bahnhof» feierlich eröffnet. 30 Millionen hatte die 3500 Quadratmeter grosse Dependance des Kantonsspitals Aarau gekostet, davon 12 Millionen nur schon für den Kauf des Stockwerkeigentums.

Angesiedelt wurden hier eine Kinder- und Frauenarztpraxis, Abteilungen für Dermatologie (Haut), Angiologie (Gefässe), Physiotherapie sowie Reisemedizin. Plus: eine Notfallpraxis, in der man bei einfachen, aber akuten Krankheiten und Verletzungen ohne Voranmeldung behandelt wird.

Doch seit dem fulminanten Startschuss wurden die anfänglich langen Öffnungszeiten dieser Notfallpraxis schrittweise reduziert. Die Auslastung sei sehr unterschiedlich, lautete die Erklärung. Zu Randstunden und an Sonntagen wolle man die Notfallpraxistätigkeit auf den Hauptstandort am Spital konzentrieren.

Und nun will das KSA das Konzept des KSA am Bahnhof offenbar wieder ändern. Am Gründonnerstag verschickte das Spital eine entsprechende Medienmitteilung. Die «Notfallpraxis am Bahnhof» werde per 1. April «von der komplexen Spitalumgebung getrennt und in eine separate Aktiengesellschaft überführt», teilt das Kantonsspital mit. Das Konstrukt erhält auch einen neuen Namen: «KSA Praxiszentrum».

Notfallpraxis will man zwar immer noch bleiben und damit das Zentrum für Notfallmedizin beim KSA-Hauptgebäude (Notfallstation sowie Notfallpraxis für leichtere Fälle) entlasten.

Denn während die Notfallabteilungen auf dem KSA-Gelände einen Riesenansturm bewältigen müssen (2014: 30 309 Konsultationen; 2017: 36 111), gehen die Notfall-Besuche beim KSA am Bahnhof eher leicht zurück (2017: 10 792). «Viele Notfallkonsultationen benötigen keine Spital-Infrastruktur und können im Praxiszentrum gut und kostengünstig behandelt werden», lässt sich KSA-CEO Robert Rhiner in der Mitteilung zitieren.

Neu sollen bei der Bahnhof-Filiale denn auch normale Hausarzt-Dienstleistungen angeboten werden. Das heisst, es gibt jetzt auch Termine auf Voranmeldung. «So können Patientinnen und Patienten ohne Hausarzt künftig das Angebot des Praxiszentrums am Bahnhof nutzen», teilt das KSA mit. CEO Rhiner: «Wir engagieren uns damit aktiv gegen den Hausärztemangel im Kanton.»

Das Ärzteteam des «Praxiszentrum am Bahnhof» besteht aus sieben Teilzeit arbeitenden Fachärzten der Allgemeinen Inneren Medizin unter der Leitung von Stephan Koch. Er war bis Ende 2017 als Leiter Hausarztmedizin am KSA tätig.

Nun hat Daniela Uebersax diese Stelle inne; Koch übernimmt die Geschäftsführung der KSA Praxiszentrum AG am Bahnhof. Die Leitung der medizinischen Praxisassistentinnen übernimmt dort Cecile Lopez; die auch die Geschäftsführung unterstützt.

Die Umwandlung geht mit einer weiteren Änderung der Öffnungszeiten einher: Künftig ist das Praxiszentrum schon um 7.30 geöffnet (heute 8 Uhr), es schliesst abends aber eine halbe Stunde früher (um 19.30 Uhr). Samstags öffnet es wie bisher um 9, schliesst aber schon um 17 Uhr (bisher: 17.30 Uhr). Sonntags bleibt die Praxis geschlossen.

Im «Praxiszentrum am Bahnhof» werden auch angehende Hausärzte im kantonalen Ausbildungsprogramm «Curriculum Hausarztmedizin» tätig sein. Dieses Weiterbildungsmodell für Assistenzärzte ist spezifisch auf die ambulante hausärztliche Medizin ausgerichtet und wird vom Kanton finanziell unterstützt.

«Die Hausarzt-Ausbildung wurde bereits am ‹KSA am Bahnhof› betrieben, zum Beispiel in der Dermatologie», sagt KSA-Mediensprecherin Andrea Rüegg. «Neu wird diese Ausbildung aufgewertet, da die angehenden Hausärzte und Hausärztinnen sowohl die Prozesse und Systemen des Spitalbetriebs als auch diejenigen des schlankeren Praxisbetriebs kennen lernen können.»