Das überraschte doch viele im halbvoll besetzten Grossratssaal in Aarau: Ein Hauptmann der Armee als Befürworter der GSoA-Initiative «Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht».

Seine Motivation und Überzeugung erklärte Silvan D. Amberg aus Zürich in der Vorstellungsrunde und im spannenden Streitgespräch. Der Präsident der «Bürgerlichen gegen Wehrpflicht» ist absolut kein Gegner der Armee, aber es brauche Freiwilligkeit statt Zwang zum Mitmachen.

Ursprünglich sei das eine liberale Idee gewesen, doch als die Jungfreisinnigen die in der Mutterpartei hochgehaltene Wehrpflicht nicht anfassen wollten, habe die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) dankbar zugepackt.

Weniger Leute, längere Dienstzeit

Aus der Sicht von Offizier Amberg findet heute ein enormer Verschleiss an Ressourcen und Geldern statt. Jedes Jahr bilde die Armee 20 000 Leute aus, um sie bereits nach fünf Jahren wieder zu verabschieden.

Besser wäre es doch, wenn viel weniger Leute für 15 bis 20 Jahre Dienst leisten würden. «Wir könnten zwei bis drei Millionen WK-Tage jährlich einsparen oder umgerechnet eine Milliarde Franken», sagte der bürgerliche Befürworter zur linken Initiative. Grundsätzlicher ist das Ja der St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi aus Wil.

«Das heutige Massenheer ist zu gross und zu teuer», 40 000 bis 50 000 Soldaten einer freiwilligen Miliz würden genügen. Dazu bräuchte es pro Jahr nur 2000 bis 5000 Freiwillige, Frauen inbegriffen.

«Diese Initiative ist nicht ehrlich»

Als souveräner Moderator liess FDP-Fraktionspräsident Daniel Heller den Befürwortern grosszügig das erste Wort - bevor die Argumente der Gegner wie ein Gefechtsfeuer auf sie niedergingen. «Diese Initiative ist nicht ehrlich, ja verlogen», sagte FDP-Grossrat Herbert H. Scholl.

Für die Zukunft ohne Wehrpflicht heisse es nur, der Bund erlasse Vorschriften, aber «wir wollen nicht die Katze im Sack kaufen». Wenn es die im Gespräch kritisierten Leerläufe gebe, müsse man die Organisation verbessern. FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger nannte es ein Riesenglück, dass in Europa seit 70 Jahren Frieden herrsche.

Aber die Schweiz sei klein, frei und allein, der hohe Wohlstand stütze sich auf die Sicherheit des Landes. Darum «braucht es eine glaubwürdige Sicherheitspolitik», betonte Eichenberger. Auf die Freiwilligkeit mag sie sich nicht verlassen. «Solche Experimente mit der Armee lehne ich grundsätzlich ab», erklärte die Sicherheitspolitikerin.

Zweifel an Freiwilligen-Armee

Trotz des schönen Sommerabends konnte die landesweite Stundentenverbindung Zofingia über 80 Personen mobilisieren. Aber im Publikum waren ausser zwei Juso-Vertretern keine Befürworter erkennbar. Einer wetterte denn auch, das Militär sei ein sexistischer Zwang, bei dem Frauen an den Herd und Männer an die Waffe müssten.

Junge Dienstleistende sind überzeugt, freiwillig kämen 20-Jährige nicht in die Armee, «auch nicht bei einer guten Bezahlung». Ganz im Gegensatz dazu glaubt Befürworter Amberg, bei 500 Franken Sold pro Tag könnte man aus vielen Bewerbern auswählen.

Dieter Wicki (Aarau) zeigte mit seiner Analyse, dass das VBS ständig alle denkbaren Bedrohungen im Auge hat und flexibel reagieren kann. Für Einführung und Ausklang sorgte Zentralpräsident Marc Sollberger (Aarau) von der Zofingia.