Niederlenz
Ein öffentliches Fest: So werden die Aargauer Turnhelden gefeiert

Lucas Fischer traut dem Silber-Helden Oliver Hegi einen Exploit an Olympia zu

Nicola Imfeld
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Junge Fans holen sich Autogramme von Oliver Hegi (vorne) und Christian Baumann. Chris Iseli

Junge Fans holen sich Autogramme von Oliver Hegi (vorne) und Christian Baumann. Chris Iseli

Chris Iseli;Chris Iseli/ AZ;

Die letzten Juniorinnen und Junioren haben gerade ihre letzten Trainingsübungen am Reck, Barren und an den Ringen abgeschlossen, als sich um 18.40 Uhr die Garderobentüre im Turnzentrum in Niederlenz öffnet. Es ist der Beginn eines fröhlichen – ja fast überschwänglichen Festakts. Der Aargauer EM-Held Oliver Hegi betritt mit einem breiten Lächeln und mit der Silbermedaille um den Hals vor seinem Kumpel Christian Baumann aus Leutwil die Halle. Die beiden Kunstturner werden von rund 200 Fans, Trainer, Verbandsmitgliedern und Angehörigen mit tosendem Applaus und Glockengeläut empfangen. Beide Athleten winken, während sie sich durch die Menge zu Jörg Sennrich, dem Präsidenten des Aargauer Turnverbandes, kämpfen.

Rückblende: Vor rund einer Woche sorgte die Schweizer Kunstturn-Equipe an der Europameisterschaft im rumänischen Cluj-Napoca mit einem Doppelsieg für Furore. Hegi aus Schafisheim gewann am Königsgerät Reck die Silbermedaille und wurde nur vom Ostschweizer Pablo Brägger bezwungen. Und Baumann zeigte am Barren zum ersten Mal an einem internationalen Wettkampf sein erfundenes Element – den «Baumann».

Schafisheim plant Party für Hegi

Gestern wurden die beiden Aargauer Kunstturnhelden für ihre Errungenschaften geehrt. Sennrich sagte in seiner Rede, dass viele Dinge zusammenpassen müssen, um solch «ausgezeichnete Leistungen» zu erbringen. Er nannte das Umfeld, die Vereine und Trainer und dankte ihnen für die Unterstützung und den Glauben an die «Jungs». Ebenfalls strich er die Förderung des Kantons Aargau heraus. «Die ganze Schweiz schaut auf unsere Kunstturner. Wir Aargauer sind mächtig stolz auf euch.»

Im Gegensatz zu Sennrich – der den beiden Turnern je einen Blumenstrauss überreichte – kam der Gemeindeammann aus Schafisheim, Adolf Egli, mit leeren Händen. Dies habe aber einen triftigen Grund, sagte er und hob den Zeigefinger: «Unsere Gemeinde freut sich sehr für Oliver und wir werden ein separates Fest für ihn organisieren.» Der Anlass sei in Planung und man werde die Öffentlichkeit informieren, sobald über Datum und Ort befunden wurde. Für einen Lacher sorgte Egli, als er Baumann fälschlicherweise der Gemeinde Dürrenäsch zuordnete. Leutwils anwesender Gemeindeammann Walter Scheurer nahm es gelassen und stimmte in seiner Ansprache ebenfalls in die Gratulationen seiner Vorredner mit ein.

Silber ist Motivation für mehr

Hegi und Baumann waren sichtlich gerührt ob all des Lobes. Die beiden sind auch privat befreundet und verbrachten nach der EM einige Tage zusammen in London. Ob sie denn dort gefeiert haben? «Kein Kommentar», meinte Hegi nur und grinst. Baumann sagte, dass das Wetter etwas schlecht war – «wie halt üblich in England». Für die beiden geht es schon heute zurück in den Trainingsalltag nach Magglingen. «Die Silbermedaille ist eine riesige Motivation für mich, um noch mehr zu erreichen», sagte Hegi.

Der zurückgetretene Aargauer Kunstturner Lucas Fischer war gestern ebenfalls anwesend und traut Hegi eine grosse Karriere zu: «Wenn er seine Kräfte gut einteilt, liegt auch an einer Weltmeisterschaft – ja sogar an Olympia etwas drin.» Gut möglich also, dass gestern nicht das letzte Fest im Aargauer Turnzentrum stattfand.