Selbstunfall
Ein Jahr Ausweisentzug nach Sekundenschlaf: Bundesgericht stützt Aargauer Urteil

Ein Aargauer Autofahrer muss seinen Führerausweis für ein Jahr abgeben, weil im Sekundenschlaf einen Selbstunfall verursachte. Wer trotz erkennbaren Ermüdungserscheinungen Auto fährt, handelt laut Bundesgericht grobfahrlässig.

Urs-Peter Inderbitzin
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Ein Sekundenschlaf kann Schlimmes anrichten (Symbolbild)

Ein Sekundenschlaf kann Schlimmes anrichten (Symbolbild)

Imago

Der Selbstunfall hatte sich im April 2014 in Reinach zugetragen. Ein Autolenker fuhr dort mit seinem Passat auf der Hauptstrasse in Richtung Menziken. Unmittelbar vor einer leichten Linkskurve wurde der Mann von einem Sekundenschlaf überrascht.

Er fuhr in der Kurve unkontrolliert geradeaus und prallte rechts neben der Fahrbahn gegen eine Hausfassade.

Rückfälliger Lenker

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm bestrafte den Lenker wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 430 Franken – total 8600 Franken – sowie zu einer Busse von 800 Franken.

Diese Strafe dürfte den Lenker allerdings weniger schmerzen als der nachfolgende Ausweisentzug.

Weil dem Lenker bereits im Herbst 2010 der Führerausweis für vier Monate entzogen worden war, galt er als rückfällig.

Dies hatte zur Folge, dass ihm das Strassenverkehrsamt den Ausweis wegen des Selbstunfalles für 12 Monate entzog.

Vor Bundesgericht forderte der Lenker, es sei von einem Ausweisentzug abzusehen. Zur Begründung führte er an, es sei nicht nachgewiesen, dass der Unfall durch einen im Voraus erkennbaren Sekundenschlaf und nicht zum Beispiel durch einen unvorhersehbaren kurzen Herzstillstand ausgelöst worden sei.

Insbesondere hätten die Aargauer Behörden keine Feststellungen dazu gemacht, dass vor dem Unfall Ermüdungssymptome aufgetreten seien. Ihm könne deshalb keine Grobfahrlässigkeit und schon gar nicht Vorsatz vorgeworfen werden.

Ganzer Tag nichts gegessen

Vor Bundesgericht wurde dem Lenker zum Verhängnis, dass er den Strafbefehl nicht angefochten hatte.

Dort war ihm nämlich vorgeworfen worden, den Unfall wegen eines Sekundenschlafs verursacht zu haben.

Ist das im strafrechtlichen Verfahren einmal entschieden, kann im Verfahren um den Führerausweisentzug vor Bundesgericht nicht mehr darauf zurückgekommen werden.

Sodann kann nach höchstrichterlicher Rechtsprechung bei einem gesunden und nicht aus andern Gründen fahrunfähigen Lenker ein Einschlafen am Steuer – sog. Sekundenschlaf – ohne vorherige subjektiv erkennbare Ermüdungserscheinungen ausgeschlossen werden.

«Wer solche Symptome missachtet, handelt grobfahrlässig», meint das Gericht.

Sodann ist es laut dem Urteil aus Lausanne nicht willkürlich, wenn die Aargauer Behörden im konkreten Fall von einer vorhersehbaren Ermüdung ausgingen.

Denn gemäss eigenen Aussagen hatte der Lenker in der Zeit von 7 Uhr bis 16 Uhr durchgehend bei einer Operation in einer Klinik assistiert, den ganzen Tag nichts gegessen und bloss einen Kaffee getrunken.

Der Ausweisentzug ist daher gerechtfertigt. Der Lenker muss die Gerichtskosten von 2000 Franken bezahlen.