Regierungsratswahlen
«Ein historischer Zwischensieg zum zweiten Regierungssitz»

Die Teilnehmer am SVP-Parteitag feiern Alex Hürzeler und Franziska Roth und schicken ihre Kandidatin mit starkem Applaus in den zweiten Wahlgang.

Mathias Küng
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Tritt wie angekündigt nochmals an: Franziska Roth, SVP

Tritt wie angekündigt nochmals an: Franziska Roth, SVP

Mario Heller

«Die SVP will Regierungsverantwortung übernehmen und damit auch Ruhe ins
politische System bringen.» So warb Parteipräsident Thomas Burgherr gestern Abend am Parteitag der SVP in Lupfig für den zweiten Wahlgang in die Regierung. Für zukünftige Herausforderungen sei es enorm wichtig, dass die politischen Kräfteverhältnisse im Parlament sich auch in der Regierung widerspiegeln, so Burgherr vor den 135 Parteitagsteilnehmenden mit Blick auf die Brugger Gerichtspräsidentin Franziska Roth. Sie soll den noch zu vergebenden fünften Sitz für die SVP erobern. Folgerichtig begrüsste er sie als «liebe Bald-Regierungsrätin».

Ihn freue besonders, dass Roth «trotz schlechten medialen Prognosen und Berichten den fünften Platz geschafft hat». Burgherr: «Das ist ein historischer Zwischensieg zum zweiten SVP-Regierungsrat in unserer Exekutive.» Der FDP dankte Burgherr für ihre am Tag zuvor beschlossene Unterstützung für Roth im zweiten Wahlgang. Er hoffe, dass die CVP dies auch tun werde. Dies wird sich aber erst am Montag entscheiden, die CVP-Parteileitung will die Ausgangslage dann nochmals besprechen.

Mit zwei SVP-Vertretern im Regierungsrat wolle die Partei auch in der Exekutive «Verantwortung entsprechend unserer Wählerstärke wahrnehmen». Die Lösungsvorschläge der SVP müssten im Regierungsrat wieder gebührend einfliessen.

2 Mal Ja...

sagt der SVP-Parteitag: zur Abschaffung des Berufswahljahrs und zur Anpassung des Wassernutzungs-gesetzes. Nein sagt sie zur Begrenzung des Pendlerabzugs und zur Anhebung des Vermögensverzehrs bei Ergänzungsleistungen zur IV.

Alle vier kantonalen Vorlagen gelangen am 27. November zur Abstimmung.

«BDP überschätzt sich deutlich»

Burgherr äusserte sich auch zu den Kandidatinnen der anderen Parteien. Nicht Yvonne Feri dürfe gewählt werden, die wählerstärkste Partei brauche die entsprechende Vertretung in der Regierung. Dies schaffe Stabilität. Yvonne Feri sei laut ihrem Profil gar linker als SP-Co-Präsident Cédric Wermuth, so Burgherr, und unter zustimmendem Gelächter der Anwesenden: «Das wollen wir uns nicht antun.»

Er verstehe ausserdem nicht, «dass eine Kleinstpartei wie die BDP einen Regierungsratssitz anstrebt, so Burgherr weiter. Ihr Entscheid vom Dienstag zeige, dass sie sich deutlich überschätze: «Am Sonntag wurden 33 Prozent der BDP-Grossräte abgewählt. Die Fraktionsstärke wurde mit 2,3 Prozent Wähleranteil nicht mehr erreicht.» Maya Bally gehöre einer Partei an, die sich langsam auflöse. Burgherr: «Ohne Fraktion im Rücken ist die Arbeit als Regierungsrat sehr schwierig.»

Schliesslich wurde Franziska Roth selbst auf die Bühne gebeten. Eine nochmalige Nomination sei nicht nötig, so Burgherr. Sie sei als Kandidatin bereits bestätigt. Roth bedankte sich unter Applaus der Parteitagsteilnehmer für die Unterstützung. Sie bat diese darum, wiederum zahlreich an die Urne zu gehen, und nicht Yvonne Feri das Feld zu überlassen. Dank und Unterstützung für Roth gab es auch vom am Sonntag klar wiedergewählten Bildungsdirektor Alex Hürzeler.

«Wahlkampf wird gut und frisch»

Burgherr versprach, der Wahlkampf werde gut und frisch daherkommen. Roth werde im Wahlkampf weiter klar Stellung beziehen, was man von anderen Kandidatinnen bisher vermisst habe. Er sei vom Erfolg überzeugt.

Wahlkampfleiter Werner Laube zeigte sich mit dem Abstimmungssonntag mit nur 32,8 Prozent Wahlbeteiligung nicht zufrieden. Das zeige, dass auch die SVP nicht alle Leute an die Urne gebracht habt. Das müsse man künftig ändern. Schliesslich rief der frühere SVP-Nationalrat Hans Killer erst recht zur Mobilisierung auf, werde doch rot-grün am 27. November ganz massiv an die Urne gehen, weil dann auch über deren Atomausstiegsinitiative entschieden wird.

Wahltag: Eindrücke aus dem Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude
24 Bilder
SP-Politiker unter sich: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener.
Freuen sich über das Resultat: Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Elisabeth Burgener von der SP.
Die Aargauer CVP-Präsidentin Marianne Binder muss einen Rückschlag hinnehmen: Ihre Partei verliert zwei Sitze und kommt noch auf 17.
Liliane Studer von der EVP (Bezirk Baden) kann sich freuen: Sie wird wiedergewählt.
FDP-Nationalrat Thierry Burkart: Seine Partei legt leicht zu, hat aber nach wie vor 22 Sitze im Grossen Rat.
SVP-Präsident Thomas Burgherr im Gespräch mit seinem Regierungsrat Alex Hürzeler, der die Wiederwahl schon nach dem ersten Wahlgang feiern kann.
Markus Dieth ist neuer Regierungrsrat im Kanton Aargau. Der CVP-Mann wurde auf den vierten Platz gewählt, der Kampf um den fünften Platz geht weiter – es ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Ohne Chance: Regierungsratskandidat Pius Lischer hat die Wahl nicht geschafft.
Markus Dieth ist neuer Regierungrsrat im Kanton Aargau. Der CVP-Mann wurde auf den vierten Platz gewählt, der Kampf um den fünften Platz geht weiter - es ist ein zweiter Wahlgang nötig.
Urs Hofmann, Stephan Attiger, Alex Hürzeler (alle bisher) und Markus Dieth (neu) mit Blumen: Sie sind im ersten Wahlgang als Regierungsräte gewählt worden.
Glückliche Gesichter: Die vier gewählten Regierungsräte.
Der Regierungsratskandidat der Grünen, Robert Obrist, schaut sich die Wahlergebnisse an.
Die SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri am Handy. Sie wird es im zweiten Wahlgang wohl nochmals versuchen.
Die SP-Aargauer-Co-Präsidenten Cédric Wermuth (Hand am Ohr) und Elisabeth Burgener (lila Jacke) im Gespräch mit SP-Regierungsrats-Kandidatin Yvonne Feri.
Die Fraktionspräsidentin der Grünen, Irène Kälin, im Gespräch mit SP-Aargau-Co-Präsident Cédric Wermuth. In der Mitte hinten SP-Fraktions-Co-Präsident Dieter Egli.
Roland Basler, Parteipräsident BDP AG, verfolgt besorgt die neusten Zahlen auf seinem Smartphone.
Der Aargauer BDP-Parteipräsident Roland Basler nimmt die Ergebnisse mit Verdruss zur Kenntnis. Die BDP verliert in fast allen bisher ausgezählten Bezirken. Auch er selbst schafft die Wiederwahl nicht.
FDP-Aargau-Parteipräsident Matthias Jauslin kontrolliert die aktuellen Ergebnisse auf seinem Smartphone.
Der Aargauer FDP-Parteipräsident Matthias Jauslin (Mitte) hat gut Lachen: Seine Partei legt nach den ersten Ergebnissen zu.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
BDP-Regierungsratskandidatin Maya Bally Frehner, der Aargauer SVP-Parteipräsident Thomas Burgherr und Politologe Urs Vögeli sehen sich die neusten Ergebnisse der Regierungsratswahlen an.
SVPler studieren und diskutieren die aktuellen Resultate.
Radio Argovia im Grossratsgebäude: Hanspeter Widmer (links) und Jürgen Sahli (rechts) berichten live.

Wahltag: Eindrücke aus dem Ratskeller im Aarauer Grossratsgebäude

Sandra Ardizzone