Interview
«Ein Gemeindeschreiber kann die Sozialarbeit nicht allein erledigen»

Sozialhilfe Birr senkte die Sozialkosten. Können das andere Gemeinden auch? Der Präsident des Verbands Aargauer Gemeindesozialdienste und Leiter des Sozialamtes Wettingen gibt Auskunft.

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Nettoaufwand der Sozialkosten in Birr.

Nettoaufwand der Sozialkosten in Birr.

SADFASF

Herr Liembd, können nicht alle Gemeinden nachmachen, was Birr vormacht?

Stefan Liembd: Grundsätzlich glaube ich schon, dass das alle nachmachen könnten.

Grundsätzlich?

Es kommt darauf an, wie viele Sozialhilfefälle eine Gemeinde hat. Sind es nur drei Fälle, lohnt es sich kaum den Sozialdienst zu professionalisieren.

Es gibt Gemeinden, die keinen professionellen Sozialdienst, aber mehr als drei Sozialfälle haben. Kann ein Gemeindeschreiber die Sozialhilfe selber erledigen?

Ich würde eher Nein sagen. Es braucht grosses Fachwissen, denn der ganze Themenbereich ist sehr komplex. Ich kenne aber auch Gemeindeschreiber, die das sehr gut machen.

Was spricht für einen professionellen Dienst?

Professionalität ist eine gute Grundlage, um langfristig auf die Sozialhilfekosten einer Gemeinde Einfluss nehmen zu können. Denn es kommt darauf an, ob eine Gemeinde Sozialhilfebezüger einfach verwaltet, indem sie das Geld auszahlt oder aber aktiv schaut, dass die Menschen wieder zurück ins Erwerbsleben kommen. Verwalten ist gerade im Moment günstig, mittel- und langfristig lohnt es sich aber nicht.

Das heisst also: Statt über explodierende Sozialhilfekosten zu jammern, müssten die Gemeinden bei sich selber ansetzen.

Natürlich ist es einfacher zu jammern, dass alles so viel kostet, als zu überlegen: Was können wir in unserer Gemeinde optimieren? Die Gemeinden müssen sich darum fragen: Lohnt sich ein Zusammenschluss des Sozialdienstes mit anderen Gemeinden, lohnt es sich eine Fachperson anzustellen? Aber auch: Wollen wir Sozialfälle verwalten oder sie aktiv begleiten.