Uerkheim
Ein ganzes Quartier räumt auf: Der Tag nach dem Hochwasser

Dreckige Kleider, kaputte Kühlschränke, Schachteln voller Schlamm und braune Hauswände: An der Kanalstrasse in Uerkheim räumt nach dem Hochwasser vom Mittwoch ein ganzes Wohnquartier auf.

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Die Bewohner versuchen, die Feuchtigkeit mit Belüftungsanlagen aus den überfluteten Kellern zu bringen, sie schruppen die Vorplätze und spritzen den Schlamm weg.

Kurz nach 10 Uhr richtete hier am Mittwoch die Uerke grossen Schaden an. Nach ersten Erkenntnissen floss das Regenwasser von den umliegenden Hügeln in den Dorfbach, der das Wasser nicht mehr schlucken konnte.

Die Familie Stadler war das erste Opfer des Hochwassers, sie wohnt direkt neben dem Bach. «Das ging rasant schnell. Innert weniger Minuten lief das Wasser in das untere Geschoss - über einen Meter hoch», sagt Hans Stadler, der in Uerkheim als Gemeindeschreiber arbeitet.

Viele im unteren Geschoss aufbewahrten Sachen wandern in die angelieferten Abfallcontainer. Sein Motorrad, eine Yamaha Virago, erlitt Totalschaden: «Damit dürfte eine Ära zu Ende gehen», sagt Stadler.

Erst vor einem Jahr wurde die Bachböschung bei der Kanalstrasse angehoben, weil der Bach oft leicht anstieg. «Wir wohnen seit bald 25 Jahren hier. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt», so Stadler.

Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde auch Pascal Leuenbergers Wohnung: «Meine Partnerin war zu Hause und im oberen Stock am Telefonieren. Da hörte sie es krachen und schon war der Keller und die Garage voller Wasser.»

Leuenberger hatte in der Garage sein Auto parkiert: «Das war bis oben mit Wasser und Schlamm gefüllt. Es dürfte einen Totalschaden haben.» Auch zwei weitere Autos von Quartierbewohnern gingen beim Hochwasser kaputt.

Immerhin: In allen Liegenschaften befinden sich die Schlafzimmer sowie das Wohnzimmer im ersten Stock, weshalb zumindest diese verschont blieben. Der täglichen Arbeit kann im Quartier derzeit trotzdem niemand mit Überzeugung nachgehen.

Zu viel ist im geliebten eigenen Reich zu tun. «Ich bin ein bisschen hier und dann mal wieder dort im Geschäft. Man versucht, beides irgendwie unter einen Hut zu bringen. Die Arbeit geht uns bestimmt nicht aus», sagt Franco Avvisati.

Zum Mittagessen hat eine Quartierbewohnerin für die Chrampfer Gemüsesuppe mit Wienerli gekocht. Das stärkt für weitere Räumungsarbeiten. «Trotz all dem Schaden: Es ist fast ein kleines Quartierfest. Man rückt zusammen und hilft einander, wo es geht», sagt Ursula Avvisati.

Bis zu 750 000 Franken Sachschaden nach Hochwasser

Nicht nur Uerkheim war vom Hochwasser am Mittwoch betroffen: Auch Muri und Menziken traf das viele Wasser hart, vereinzelt auch Schlossrued, Reinach, Oberkulm, Oftringen und Niederlenz, wie die Aargauische Gebäudeversicherung auf Anfrage der Aargauer Zeitung bestätigt.

Sobald die Räumungsarbeiten erledigt sind, wartet auf die Bewohner die Arbeit am Schreibtisch mit den Versicherungen. Laut der Gebäudeversicherung beläuft sich der kantonale Sachschaden nach ersten Schätzungen auf bis zu 750 000 Franken. Rund 80 Fälle gingen insgesamt ein.