Wasserstrom

Ein Drittel weniger Wasser in der Aare führt zu tieferer Stromproduktion

Wasserkraftwerke produzieren weniger Strom, da weniger Wasser fliesst.  (Symbolbild)

Wasserkraftwerke produzieren weniger Strom, da weniger Wasser fliesst. (Symbolbild)

Jetzt liefern die konkreten Zahlen den eindrücklichen Beweis dafür, dass 2011 viel zu warm und vor allem viel zu trocken war. Dadurch wurde massiv weniger Strom von den 28 Kraftwerken an Aare, Limmat, Reuss und Rhein produziert.

Durch den Kanton flossen in der Aare nur knapp 69 Prozent des langjährigen Mittels. «Dieses wird aus allen Jahren seit 1935 ermittelt», erklärt Patrick Rötheli, neuer Leiter der Sektion Gewässernutzung im BVU.

Der Rhein war letztes Jahr mit 77 Prozent ebenfalls mager unterwegs, Limmat und Reuss kamen auf 79 Prozent. Zieht man die Stromproduktion als Vergleich heran, wird rasch klar: Nur im extremen Hitzejahr 2003 mit monatelanger Trockenheit gab es ähnlich tiefe Werte.

Der Januar 2011 hat noch ganz gut begonnen, danach gingen die Pegelstände in die Tiefe. «Der ganze Frühling war grundsätzlich schlecht, es gab nie Hochwasser, kurze Regenzeiten gab es nur im Sommer, Mitte Oktober und ab Mitte Dezember», sagt Rötheli zur Trockenheit.

Strom für eine Million Haushalte

Im Bereich des Wasserkantons gibt es an den vier grössten Flüssen Aare, Limmat, Reuss und Rhein insgesamt 28 Wasserkraftwerke. Nur die Reuss fliesst noch weitgehend frei, im Reusstal gibt es lediglich Bremgarten-Zufikon, das Kleinkraftwerk Bruggmühle in Bremgarten und Windisch.

In den anderen Flüssen geht ein Staubereich meist in den nächsten über. Die Einbussen in der Stromproduktion bewegen sich zwischen 5 und 27 Prozent. Der Verlust ist geringer, weil die Fallhöhe zwischen Oberwasser und Unterwasser in mageren Zeiten grösser wird.

Insgesamt konnten aus den Flusskraftwerken immerhin eine Million Familien-Haushalte mit Strom versorgt werden – bei einem mittleren Verbrauch von 4500 Kilowattstunden (kWh).

Unter dem Strich kamen 4562 Gigawattstunden (GWh) zusammen, im guten Vorjahr waren es 5445 GWh. Die Differenz von 900 Millionen kWh würde ausreichen, um 200000 Haushalte zu versorgen, im Vergleich zum Normaljahr fehlt Strom für zirka 100000 Haushalte.

Ausbauten verbessern Resultat

Unter dem wegen vereinzelter Ausbauten in die Höhe gedrückten Durchschnitt von 91,7 Prozent bewegen sich Bremgarten-Zufikon, Wettingen und die kleineren Kraftwerke an der Limmat: Aue und Öderlin.

An der Aare sind es Ruppoldingen, das Stadtwerk Aarau (IBA) und Rüchlig Aarau (Axpo), weiter flussabwärts Rupperswil-Auenstein, Wildegg-Brugg, Beznau sowie Klingnau am Ende des Stausees. Im Rhein haben Reckingen, Laufenburg, Säckingen, Ryburg-Schwörstadt und Augst-Wyhlen relativ wenig produziert.

Massive Zunahme in Rheinfelden

Es gibt auch Kraftwerke, die dank Erneuerungen gegen den Trend zugelegt haben, Stroppel und Kappelerhof an der Limmat, mit einem Plus von 122 Prozent allen voran das total erneuerte Rheinfelden.

Dank gestaffelter Inbetriebnahme hat es schon im Vorjahr einen Sprung auf 300 und jetzt auf 499 Millionen kWh gemacht. Erst im September ist es ja durch Bundesrätin Doris Leuthard, Energiedirektor Peter C. Beyeler und ihre deutschen Kollegen festlich eingeweiht worden.

Die grosse Mehrproduktion ist hier durch den Ausbau der nutzbaren Wassermenge von 600 auf 1500 Kubikmeter und des von 6 auf 9 Meter erhöhten Gefälles möglich geworden.

In Albbruck-Dogern hat die neue Dotierturbine am Schweizer Rheinufer bei Leibstadt noch Kinderkrankheiten, sie war lange Zeit ausser Betrieb, was der Vergleich zum Vorjahr zeigt. Im Grenzfluss Rhein gehört nur die Hälfte des Stroms dem Aargau. Unter dem Strich bekam der Aargau 2614 Gigawattstunden oder 57,3 Prozent.

Wichtiger Beitrag zur Versorgung

«Unsere Flusskraftwerke liefern einen substanziellen Beitrag zur Versorgung», betont Patrick Rötheli. Zusammen mit den Speicherkraftwerken und den fünf Atomkraftwerken stellen sie die Versorgung der Schweiz sicher.

Bei starker Kälte importiert unser Land Strom, im Sommer wird der Überschuss exportiert. Am meisten Strom produzierten am Rhein Ryburg-Schwoerstadt (588 Millionen kWh), Laufenburg (543), Albbruck-Dogern (539), an der Aare Wildegg-Brugg (234), an der Limmat Wettingen (117) und an der Reuss Bremgarten-Zufikon (87 Mio. kWh).

Meistgesehen

Artboard 1