Tourismus
Ein Bündner Kurort ist voll und ganz in Aargauer Hand

Arosa blickt auf einen guten Sommer zurück – nicht zuletzt dank den Wanderern aus dem Aargau. Viele von ihnen haben das Hotel Arosa Kulm und Alpin Spa aufgesucht, weil der Wanderleiter Hans Escher dort tätig ist.

Toni Widmer
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Einer von vielen begeisterten Aargauer Arosa-Gästen: Urs Stäger aus Villmergen.

Einer von vielen begeisterten Aargauer Arosa-Gästen: Urs Stäger aus Villmergen.

Toni Widmer

Der starke Franken und die europaweite Angst vor der drohenden Wirtschaftsflaute machen dem Schweizer Tourismus schwer zu schaffen. Die Sommerbilanz ist trübe, die Logiernächte sind zum Teil dramatisch eingebrochen. Von einem «Bilderbuchsommer» spricht hingegen André Saladin, General Manager des Arosa Kulm Hotel und Alpin Spa: «Wir haben diesen Sommer gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um rund 30 Prozent zugelegt. Im September lag das Plus bei den Logiernächten teilweise gar bei 50 Prozent.

Wandern als Erfolgskonzept

Das eindrückliche Ergebnis gründet laut Saladin sicher auch in den drei Millionen Franken, die in den Um- und Ausbau des Alpin Spa investiert worden sind. «Damit sind die Infrastruktur und das Wellnessangebot für unsere Gäste noch attraktiver geworden.» Zum anderen war das Hotel diesen Sommer auch etwas länger offen. Die Zimmer gefüllt hat das Hotel allerdings vor allem mit den Wanderwochen, welche in der Sommersaison erstmals nach einem neuen Konzept durchgeführt worden sind.

Mitgewandert ist vor allem auch eine ansehnliche Zahl von Aargauerinnen und Aargauern. Viele von ihnen haben das Hotel aufgrund von persönlichen Beziehungen zu Wanderleiter Hans Escher entdeckt, der seit diesem Sommer neu im Kulm tätig ist. «Ich war schon über 30 Jahre nicht mehr in Arosa und bin jetzt gekommen, weil ich wusste, dass die Wanderwoche von Leuten geleitet wird, die ich kenne. Und ich komme wieder. Es hat mir hier sehr gut gefallen», sagte Urs Stäger aus Villmergen, der mit Gattin Heidi an einer Wanderwoche teilgenommen hat.

Auch Yvonne Bütikofer und ihr Mann Fred sind aus Oberentfelden nach Arosa gefahren, weil sie die Wanderleiter schon vorher kannten: «Ich habe von Arosa und vor allem vom Hotel einen guten Eindruck gewonnen. Man unternimmt viel dafür, dass wir Gäste nach den Ferien als Freunde gehen und bald wieder kommen. Freunde muss man sich erst erwerben und sie dann weiter pflegen. So ist es auch im Privatleben und deshalb kommen wir sicher wieder.»

Zweitgrösste Gästegruppe

Solche Versprechen freuen Pascale Jenny. Der in Wohlen aufgewachsene Aargauer ist seit fünf Jahren Kurdirektor in Arosa und freut sich über Gäste aus dem Heimatkanton besonders: «Die Aargauer», sagt er, «sind bei uns seit jeher stark vertreten.» Arosa, erzählt Jenny weiter, beherberge zu rund 60 Prozent Schweizer Gäste. Die grösste Gästegruppe stellten die Zürcher, die zweitgrösste Gruppe die Aargauer. Warum, weiss Jenny nicht genau. Sicher habe auch er ein paar zusätzliche Gäste aus seinem Heimatkanton von Arosa überzeugen können, doch: «Wir vermuten, dass aus einer ursprünglich kleinen, von Arosa begeisterten Aargauer Gruppe durch stete Mundpropaganda im Heimatkanton mit den Jahren eine grosse geworden ist.»

«In Arosa hatten im Sommer 40 von 42 Hotels geöffnet. Das ist nur möglich, weil wir einen guten Stock an treuen Schweizer Gästen haben. Als Aargauer bin ich stolz darauf, dass mein Heimatkanton daran einen so hohen Anteil hat», sagt Jenny und glaubt, einen der Gründe zu kennen: «Wir setzen seit Jahren auch auf Familienfreundlichkeit. Das zahlt sich aus. Kinder und Jugendliche lernen Arosa schätzen und kommen als Erwachsene mit ihren Kindern wieder.» Den neusten Coup in Sachen Familienfreundlichkeit lanciert Arosa übrigens im nächsten Winter: Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre können gratis in die Skischule.

Ein weiterer Aargauer, der seinen Lebensmittelpunkt aus dem Aargau in die Bündner Berge verlegt hat, ist Christian Meier. Der Oberrohrdorfer hat ursprünglich Möbelschreiner gelernt, später eine Handelsschule absolviert. Zurzeit macht er nebenberuflich seine dritte Ausbildung zum diplomierten Hauswart. Meier arbeitet seit 1999 im Hotel Kulm und ist dort heute technischer Leiter. Auch ihn freuen die vielen Gäste aus seinem Heimatkanton: «Arosa ist halt einfach schön und aus dem Aargau ist es bis hierher nicht weit», sagt er. Er selber habe sich hier seinen Kindertraum verwirklicht: «Ich wollte schon immer in den Bergen wohnen, hätte aber vor 13 Jahren dennoch nicht gedacht, dass ich hier so lange bleibe.» Verantwortlich dafür sei vor allem auch, dass er im Dorf rasch gut aufgenommen worden sei. «Wenn man will, findet man hier rasch Kontakt zur Bevölkerung.» Der Hauptgrund ist jedoch sein Arbeitsplatz: «Wir sind zwar ein Fünfsternehotel mit internationaler Kundschaft. Dennoch sind wir sehr familienfreundlich und nahe an den Gästen. Ich glaube, diese besondere Atmosphäre hat diesen Sommer auch den Wandergästen aus dem Aargau gefallen und ich bin überzeugt, es kommen viele von ihnen wieder.»