Familiennachzug
Ehepaar darf 16-jährigen Neffen nicht als Adoptivsohn in die Schweiz holen

Ein im Aargau wohnhaftes kosovarisches Ehepaar adoptierte 2012 im Kosovo einen 16-jährigen Neffen – und stellte ein Gesuch um Familiennachzug. Die Behörden lehnten das ab, das Bundesgericht stützt diesen Entscheid.

Philipp Zimmermann
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Jugendliche im Kosovo (Symbolbild/Archiv)

Jugendliche im Kosovo (Symbolbild/Archiv)

Keystone

Zwar bezweifelt das Bundesgericht nicht, dass das Ehepaar eine ausländische Volladoption vorgelegt hat, die grundsätzlich zum Familiennachzug berechtigt.

Aufgrund der Umstände allerdings lehnt es die Beschwerde des kosovarischen Ehepaars ab. Es stützt damit die vorangegangenen Entscheide des aargauischen kantonalen Amts für Migration und Integration vom März und 2012 und 2013 sowie des Aargauer Verwaltungsgerichts vom Oktober 2013.

Schon das Verwaltungsgericht hatte, wie dem Urteil des Bundesgerichts zu entnehmen ist, einen missbräuchlichen Versuch des Familiennachzugs festgestellt. Die Begründung: Die Beschwerdeführer sind seit 30 Jahren verheiratet und haben keine eigenen leiblichen Kinder.

Zum Zeitpunkt der Adoption waren sie 48 und 52 Jahre alt. Der damals 16-jährige Adoptivsohn ist ihr Neffe und stamme aus einer intakten Familie und mittleren wirtschaftlichen Verhältnissen. Er lebe nach wie vor bei seinen Eltern im Kosovo.

Dort hat er sein ganzes Leben verbracht, die Adoptiveltern in der Schweiz zuvor aber noch nie besucht. Das Bundesgericht folgert deshalb, dass eine enge Beziehung nicht vorliege.

Angesichts dieser Umstände sei es nicht glaubhaft, dass der Kinderwunsch, den die Beschwerdeführer vorgebracht haben, für die Adoption ausschlaggebend war.

Das Bundesgericht hält fest: «Die gewünschte Elternrolle spricht gegen die Adoption eines beinahe volljährigen Neffen», der selbstständig leben und nicht mehr längere Zeit bei seinen Adoptiveltern leben würde.

Das Bundesgericht folgert, dass hier kein echter Familiennachzug vorliege. Vielmehr gehe es den Beschwerdeführern darum, dem Adoptivsohn eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz und damit bessere Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen.

Mit der «Umgehungsadoption», wie das Bundesgericht die Schein-Adoption nennt, sollten also die entsprechenden Vorschriften umgangen werden. Sie würden aber dem Sinn und Zweck eines Familiennachzugs widersprechen. Die Beschwerde sei also offensichtlich unbegründet, so das Bundesgericht, und lehnt es ab.