Bremgarten

Ehemaliger Bankdirektor behauptet, er sei von der Polizei gefoltert worden – jetzt muss er ins Gefängnis

Der Angeklagte möchte das Urteil bis ans Bundesgericht weiterziehen. (Symbolbild)

Der Angeklagte möchte das Urteil bis ans Bundesgericht weiterziehen. (Symbolbild)

Nach einem ungewöhnlichen Prozess hat das Bezirksgericht Bremgarten einen 62-Jährigen unter anderem wegen Drohung gegen Behörden und versuchter Nötigung schuldig gesprochen.

Daniel (Name geändert), einst Bankdirektor und heute Verwaltungsratspräsident einer Firma mit einem Aktienkapital von 10 Millionen Franken, sieht sich als Opfer eines Komplotts. Er werde von der Finanzverwaltung einer Freiämter Gemeinde schikaniert, von der Justiz willkürlich und grundlos verfolgt und sei von der Polizei gefoltert worden – dies sind nur einige der Vorwürfe, welche der 62-Jährige vor dem Bezirksgericht Bremgarten erhob.

Daniel stand am Mittwoch allerdings nicht als Kläger, sondern als Angeklagter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft forderte für Daniel – der im Anzug, mit Krawatte und äusserst selbstbewusst auftrat – 210 Tage Haft und eine Geldstrafe von 2700 Franken. Dies, weil der Familienvater die Gemeindeschreiberin seines Wohnorts bedroht und genötigt, sowie den Gemeindeammann massiv beschimpft und in seiner Ehre herabgesetzt habe. Begonnen hat alles im Jahr 2015. Daniels Ehefrau hatte die Steuerrechnung nicht bezahlt und wurde deshalb betrieben. Darauf verlangte Daniel von der Gemeindeschreiberin ultimativ, die Betreibung zu löschen, weil die Forderung bereits bezahlt sei. Offensichtlich trifft dies nicht zu, wie der vor Gericht anwesende Gemeindeammann auf Nachfrage der az sagte.

Drohungen über Monate

Dasselbe hatte die Gemeindeschreiberin Daniel vor einem Jahr gesagt und ihm mitgeteilt, dass sie nicht berechtigt sei, ihm einen blanken Betreibungsauszug für seine Frau auszustellen. Daniel reagierte mit einer Drohung: Er baute sich vor der Gemeindeschreiberin auf und liess sie wissen, er habe nun zum letzten Mal im Frieden mit ihr gesprochen. Er könne äusserst unangenehm werden, wenn seine Forderungen nicht erfüllt würden, fügte Daniel an.

In den folgenden Monaten spionierte er die Gemeindeschreiberin aus, schikanierte sie telefonisch und per Mail, bezeichnete sie als unfähig und dilettantisch und betrieb sie auf 10 000 Franken. Später verlangte Daniel vom Gemeindeammann Auskunft über dessen Steuerrechnung. Als er diese nicht erhielt, reagierte er mit beleidigenden Mails. In diesen Nachrichten, die oft auch an die Gemeindeverwaltung und die Regionalpolizei gingen, warf Daniel dem Ammann vor, Ehebruch begangen zu haben und heimlich eine homosexuelle Beziehung zu führen. Ausserdem wohne er eigentlich im Nachbarort und dürfe deshalb sein Amt als Gemeindeammann gar nicht mehr ausüben.

«Unflätig und ohne Anstand»

Daniel sei bekannt dafür, dass er bei Behörden den Anstand vermissen lasse und sich oft unflätig benehme, sagte Gerichtspräsident Peter Thurnherr. Das zeigte sich auch bei der Verhandlung: Fragen beantwortete Daniel grundsätzlich nicht, mehrfach musste Thurnherr ihn auffordern, Platz zu nehmen, bei der Urteilsverkündung fehlte er. So wird er das Strafmass – sieben Monate Haft und 12 000 Franken Geldstrafe – vom Gericht schriftlich erfahren. Thurnherr begründete den Schuldspruch damit, dass Daniel die Gemeindeschreiberin mehrfach bedroht und versucht habe, sie zu einer illegalen Amtshandlung zu nötigen.

Ausserdem habe er vermeintlich kompromittierende Informationen über den Gemeindeammann verbreitet. «Er ist wegen ähnlichen Vergehen mehrfach vorbestraft, es gibt zig Opfer, die ausgesprochenen Geldstrafen nützen aber offenbar nichts, darum bleibt nur eine Haftstrafe.» Thurnherr sagte weiter, es gebe Hinweise, dass das Verhalten von Daniel Ausdruck einer psychischen Erkrankung sein könnte.

Der Fall dürfte damit nicht beendet sein: Schon vor der Verhandlung kündigte Daniel an, er werde ein allfälliges Urteil gegen ihn bis vor Bundesgericht weiterziehen. Zudem will er bei den nächsten Wahlen im Herbst selber für den Gemeinderat kandidieren.

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