Der Vorfall hatte sich am 27. Januar 2014 zugetragen. Ein damals 23-jähriger Kosovo-Albaner, der kurz zuvor geheiratet hatte und in die Schweiz gezogen war, stach mit einem Rüstmesser mit einer Klingenlänge von 15 cm auf seine Frau ein und verletzte diese schwer.

Den ersten Stich versetzte der Täter seiner Gattin in Richtung Gesicht/Hals; danach begann er völlig unkontrolliert auf sie einzustechen, wobei er ihren Kopf, ihren Hals sowie Arme und Beine traf. Nach kurzem Kampf liess er plötzlich von ihr ab und verliess den Tatort fluchtartig. Er konnte später in Ungarn verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert werden.

Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilt den Messerstecher wegen versuchten Totschlags zu 6 Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht ging davon aus, dass der Täter in entschuldbarer Gemütsbewegung gehandelt hatte.

Das Obergericht des Kantons Aargau sah dies anders. Es sprach den Messerstecher der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig und brummte ihm 8 Jahre Freiheitsstrafe. Dabei bleibt es. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde des Kosovo-Albaners abgewiesen.

Entschuldbare Affekthandlung

Der Mann hatte in Lausanne argumentiert, er habe im Rahmen einer entschuldbaren Affekthandlung auf seine Gattin eingestochen.

Unmittelbar vor der Tat sei es zu einer zehnminütigen Auseinandersetzung mit seiner Gattin gekommen. Die Frau habe ihm die Schlüssel zu seinem Koffer verwehrt und gesagt, dass er nicht in den Kosovo zu gehen brauche.

Sie habe sein Leben in der Hand; sie könne ihn anlügen, betrügen und alles mit ihm machen, was sie wolle, denn er geniesse in der Schweiz keine Rechte. Er habe sich durch diese Aussagen gedemütigt gefühlt und zutiefst verletzt gefühlt.

Nicht nachvollziehbar

Das Bundesgericht hat diese Argumentation nun verworfen. Die Heftigkeit der Tat sei nicht nachvollziehbar und auch nicht entschuldbar. Ein vernünftiger Mensch wäre nach Meinung der Richter in Lausanne unter denselben äusseren Umständen trotz allem in der Lage gewesen, auf die Situation anders zu reagieren.

Prozess: Messerstecher aus Wohlen steht am Donnerstag in Bremgarten vor Gericht

Prozess: Messerstecher aus Wohlen steht am Donnerstag in Bremgarten vor Gericht (2014)

Es sei unbegreiflich, wie sich der Kosovo-Albaner infolge einer kurzen Auseinandersetzung zu einer solchen Tat hinreissen lassen konnte.

Dass ein besonnener Durchschnittsmensch mit einer vergleichbaren Herkunft, Erziehung und täglicher Lebensführung aufgrund eines Beziehungsproblems in den gleichen Affekt geraten wäre wie der Kosovo-Albaner, ist laut Bundesgericht nicht vorstellbar. Die Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung war deshalb korrekt.