Gesundheit
Auf der Post Aarau kann man ab heute ein elektronisches Patientendossier eröffnen

Die Hauptpost an der Bahnhofstrasse in Aarau ist schweizweit der erste Ort, wo man ein elektronisches Patientendossier (EPD) eröffnen kann. Wie das funktioniert, was es bringt und warum einige grosse Gesundheitsinstitutionen noch nicht ganz so weit sind.

Noemi Lea Landolt
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Das elektronische Patientendossier kann ab sofort bei der Hauptpost an der Bahnhofstrasse in Aarau eröffnet werden.

Das elektronische Patientendossier kann ab sofort bei der Hauptpost an der Bahnhofstrasse in Aarau eröffnet werden.

Beni Basler/Zvg

Nicolai Lütschg ist Geschäftsführer der Stammgemeinschaft eHealth Aargau. Seit Jahren arbeitet er am elektronischen Patientendossier, kurz EPD. Das EPD ist eine elektronische Krankenakte. Darin können zum Beispiel Austrittsberichte von Spitälern, die Medikamentenliste, Röntgenbilder oder der Impfausweis abgelegt werden. Die Dokumente sind online verfügbar und können jederzeit abgerufen werden. Welche Ärztinnen und Ärzte Zugriff auf die Informationen im Dossier haben, kann jede Person selber entscheiden.

Ursprünglich rechnete Lütschg damit, dass das EPD im April 2020 zur Verfügung steht. Doch die Zertifizierung zog sich hin. Mehr als ein Jahr später ist es endlich so weit: Interessierte können ab heute in der Hauptpost an der Bahnhofstrasse in Aarau ein elektronisches Patientendossier eröffnen – bisher ist das in keinem anderen Kanton möglich.

Im Aargau heisst das Dossier «emedo», die Kurzform für «elektronisches medizinisches Dossier». Nicolai Lütschg spricht von einem Meilenstein für das Schweizer Gesundheitswesen:

«Die Bürgerinnen und Bürger erhalten mit dem ‹emedo› die Kontrolle über die Informationen zu ihrer Gesundheit.»

eHealth Aargau rechnet damit, dass vor allem Personen mit chronischen oder mehreren Erkrankungen ein EPD eröffnen werden.

Wer ein Dossier eröffnen will, kann nicht einfach in die Post vis à vis vom Bahnhof Aarau spazieren. Er muss zuerst die Einwilligungserklärung ausfüllen und eine trustID erstellen. Mit der ausgefüllten Einwilligungserklärung, der trustID und einem amtlichen Ausweis kann danach in der Postfiliale das elektronische Patientendossier eröffnet werden.

Mehr Infos zu «emedo»

Mehr Informationen zu emedo und zur Eröffnung eines elektronischen Patientendossiers finden Sie hier

Emedo bietet auch telefonische Auskünfte an (Mo-Fr 7.30-17h)

Support: 0800 00 16 44

Beratung: 062 836 40 10

Erst zwölf Gesundheitseinrichtungen sind ans «emedo» angeschlossen

Sobald jemand ein EPD hat, kann er alle behandlungsrelevanten Dokumente in sein Dossier erhalten. Vorausgesetzt, das Spital, die Psychiatrische Klinik oder die Hausarztpraxis arbeitet mit dem elektronischen Patientendossier.

Die Liste mit den Aargauer Gesundheitsinstitutionen, die ans EPD angeschlossen sind, ist vorerst noch kurz. Aktuell verwenden beispielsweise von den Akutspitälern nur das Kantonsspital Baden (KSB), die Hirslanden Klinik Aarau, das Gesundheitszentrum Fricktal und das Spital Muri das elektronische Patientendossier. Ausserdem sechs Reha-Kliniken und drei Psychiatrische Kliniken.

KSA und PDAG stossen in einigen Wochen dazu

Auffällig ist, dass mit dem Kantonsspital Aarau (KSA) und den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) zwei grosse kantonale Institutionen noch nicht ans elektronische Patientendossier angebunden sind. Das KSA teilt mit, man sei grundsätzlich bereit. Das «emedo» sei an die internen IT-Systeme angebunden und getestet worden. Es könne davon ausgegangen werden, dass das KSA «in den nächsten Wochen» auf der Liste der angeschlossenen Institutionen erscheint.

Die PDAG teilen mit, damit die Verwendung des EPD im Alltag möglichst reibungslos laufe, habe man sich für eine Integration in die eigenen IT-Systeme entschieden, was technisch sehr aufwendig sei. Trotzdem rechnet auch die PDAG derzeit «mit dem Anschluss an das ‹emedo› in den kommenden Wochen».

Hausarztpraxen werden auf der Website keine aufgeführt. Laut eHealth Aargau gibt es viele ambulante Leistungserbringer, die mit dem EPD arbeiten möchten. Es seien aktuell Pilotprojekte geplant, um den Zugang für Ärztinnen und Ärzte zu vereinfachen. Der Fokus liege aber auf den Spitälern, Psychiatrien und Reha-Kliniken, die verpflichtet sind, ein EPD anzubieten.