Volksmusikfest
Egerszegi tanzt durchs Bundeshaus – fürs Volksmusikfest in Aarau

Vom 10. bis 13. September dominiert in Aarau die Musik. Christine Egerszegi wirbt im Bundeshaus für Fröhlichkeit, Kameradschaft und Geselligkeit. Die OK-Präsidentin lässt sich von SVP-Urgestein Toni Bortoluzzi zur Folklore-Musik zum Tanz verführen.

Hubert Keller
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Christine Egerszegi wirbt im Bundeshaus für das eidgenössische Volksmusikfest
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Christine Egerszegi stösst mit Bundesrat Alain Berset an
Christine Egerszegi mit Ruth Humbel Humbel: «Jazz und Volksmusik mag ich sehr gerne live. Da ist mir sogar ums Tanzen.»

Christine Egerszegi wirbt im Bundeshaus für das eidgenössische Volksmusikfest

Hubert Keller

Sie haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne, das Tanzbein schwingen können sie beide – auch zusammen.

Ständerätin Christine Egerszegi zögerte keinen Moment, als der sonst so raubeinige SVP-Mann Toni Bortoluzzi sie um die Hüfte fasste und elegant über das Parkett führte. Den Dreivierteltakt dazu gab die Berner Volksmusikgruppe Folchlore.

Als Tanzboden diente am Dienstagabend die Galerie des Alpes im Bundeshaus, wo das OK des Eidgenössischen Volksmusikfestes, eine 60-köpfige Schar, zur gemütlichen Stubete eingeladen hatte.

Die Einladung galt nicht zuletzt Bundesrat Alain Berset, der sich nach einem langen Arbeitstag dazu gesellte, etwas distanziert, höflich, interessiert. Berset wird am Eidgenössichen Volksmusikfest im September in Aarau Festredner sein und am Umzug teilnehmen.

«Ich freue mich sehr, in den Aargau zu gehen», sagte er ins Mikrofon von Matthias Bärlocher, Bundeshausjournalist für Radio 24 und Radio Argovia.

«Die Volksmusik ist das, was die Leute zur Gemeinschaft macht. Sie ist mit ihrer ganzen Vielfalt Teil unserer Identität.» Dann noch etwas Smalltalk: «Musik im Bundeshaus, das ist für mich ein ganz spezielles Vergnügen.» Und schon war er nach kurzem Händeschütteln wieder in den Gängen des Bundeshauses entschwunden.

Vorher hatte OK-Präsidentin Christine Egerszegi die Werbetrommel für das Volksfest gerührt, das geprägt sein werde von Fröhlichkeit, Kameradschaft und geselligem Zusammensein. «Aarau wird ein guter Gastgeber sein», sagte sie. Das Versprechen wurde mit einem Jutzer untermauert.

«Musik ist die einzige Sprache, die alle verstehen», sagte Egerszegi. Den Festauftakt machen denn auch Volksmusikgruppen aus aller Welt, ein koreanischer Frauenchor zum Beispiel oder eine südamerikanische Tanzgruppe.

Und am grossen, vom Fernsehen SRF live übertragenen Umzug werden alle Kantone ihr Brauchtum vorstellen. «Weil wir überzeugt sind», so Egerszegi, «dass wir unsere Traditionen pflegen müssen, um auf Bewährtem aufbauend Neues schaffen zu können.»

Schon als die Gruppe im Bus über die Kirchenfeldbrücke das Bundeshaus angesteuert hatte, war gerätselt worden, wie viele Bundespolitiker denn der Einladung folgen würden. «Viele», meinte einer, «es ist ja schliesslich Wahljahr.»

Es war wohl doch eher die immanente Affinität zur Volksmusik, die mehr SVP-Politiker anzog als Politiker anderer politischer Couleur. Zur Aargauer SVP-Phalanx mit Hansjörg Knecht, Hans Killer, Sylvia Flückiger, Luzi Stamm und Maximilian Reimann gesellte sich mit dem ehemaligen Nationalratspräsidenten Max Binder auch ein Zürcher SVP-Urgestein.

Alle mögen sie Volksmusik

Alle lieben sie Volksmusik, auch die Unmusikalischen. Wie etwa Hansjörg Knecht, der diese Musik mag, weil «man sie geniessen kann, einfach so, und dabei nicht gross überlegen muss».

Ruth Humbel (CVP) und Corina Eichenberger (FDP) gehörten zu den wenigen Nicht-SVP-Parlamentariern. «Jazz und Volksmusik mag ich gerne live», sagte Humbel, «da ist mir sogar ums Tanzen.»

Sehr gut vertreten waren Egerszegis Kollegen aus dem Stöckli. Die urchige Party genossen Ständeräte aus den Kantonen Zug, Glarus und Appenzell Innerrhoden.

Ein stattliches Bild gab das Organisationskomitee in der Bundeshauptstadt ab: Die Männer mit Kittel, weissem Hemd und einem roten Jodlerknopf, der am Fest hoffentlich nicht zu fest einengt, auf dem roten Gilet aufgestickt der Stadtadler, der dem Volksmusikfest etwas abgewandelt als Logo dient. Die OK-Frauen mit schwarzem Jupe und Blazer, darunter eine weisse Bluse und ein Foulard mit aufgesticktem Logo-Adler.

«Uniformiert» waren auch andere Gäste, so etwa die Präsidentin des Jodlerverbandes, Karin Niederberger, die in Tracht eine Likörspezialität aus ihrer Bündner Heimat, Röteli, kredenzte.

Selbstverständlich in Uniform auch Philipp Wagner, in Aarau stationierter Chef Kompetenzzentrum Militärmusik, der, so Christine Egerszegi, «mir eine starke Stütze bei der Durchsetzung der Initiative Jugend und Musik war». Und zu Wagner gewandt meinte sie: «Ist es nicht wunderbar, wir sind das einzige Land, das Musikbildung in der Verfassung hat.»

Eigentlich könnte sie sich zurücklehnen. Doch es gibt für die OK-Präsidentin noch viel zu tun, bis vom 10. bis 13. September in Aarau das Eidgenössische Volksmusikfest steigt.