Die Holzskulptur Edy ist 19 Meter hoch, wiegt gut 18 Tonnen und enthält zwei Balkon-Plattformen für zum Beispiel Konzerte. Und: Edy war das Maskottchen der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz von Anfang Jahr. 

Nun ist die Zukunft der Aargauer Holzskulptur plötzlich höchst ungewiss. St. Moritz wollte den Publikumsliebling behalten, ihn aber auf das Bahnhofareal zügeln. 320'000 Franken hätte das die Gemeinde gekostet, hinzugekommen wäre der Unterhalt. Für den Gemeinderat - das Gemeindeparlament - ist dies zu teuer.

Making of! Wie der Holzskifahrer Edy entsteht

Making of! Wie der Holzskifahrer Edy entsteht (Februar 2017)

So ist der grösste und schwerste Holzskifahrer der Ski WM 2017 in St. Moritz entstanden: Mit Handarbeit, Schweiss und Herzblut.

Der Entscheid sei aus emotionaler Sicht schade, so Gemeindepräsident Sigi Asprion gegenüber Radio e Televisiun Svizra Rumantscha. Aber rational betrachtet sei der Entscheid des Gemeindeparlament nachvollziehbar, sagte er. 

Die Frage lautet nun aber: Wohin mit Edy? Das ist zurzeit völlig unklar. Er liegt derzeit unter Plastikblachen auf einem Parkplatz in der Nähe von St. Moritz, wie die Südostschweiz schreibt. Vom WM-Areal musste Edy im April entfernt werden, das Fundament sei zu unsicher geworden.

Wenn sich keine private Interessenten melden würden, werde Edy wohl entsorgt. Das Holz dürfte verbrannt werden. Es wäre ein unrühmliches Ende des beliebten Maskottchens.

Die Geschichte von Skifahrer Edy

Die Geschichte von Skifahrer Edy (Februar 2017)

Edy, der grösste Skifahrer der FIS Alpine Ski Weltmeisterschaften St. Moritz 2017, zieht alle in seinen Bann.

Das viele nicht wissen: Edy ist ein Aargauer. Er wurde in der Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG, die dem Leibstädter Familienunternehmen Kuratle Group angehört, gefertigt.  

«Wir sind natürlich sehr stolz, an diesem spektakulären Projekt mitgearbeitet zu haben», erklärte Geschäftsführer Martin Wyss im Vorfeld der Ski-WM in St. Moritz gegenüber der az.

Dass das Aargauer Unternehmen zum speziellen Auftrag kam, fing damit an, dass für die Ski-WM ein Event-Wettbewerb ausgeschrieben wurde, den die Kreativagentur Aroma für sich entscheiden konnte. Diese hatte die Idee, eine grosse Nachbildung des verstorbenen St. Moritzer Skifahrers Edy Reinalter auf dem WM-Gelände zu errichten und mit drei Plattformen zu versehen, auf denen Musikbands auftreten könnten. 

Für den komplizierten Bau wurde schliesslich der renommierte Holzbaupionier Hermann Blumer engagiert. Weil dieser ein guter Freund von George Kuratle ist, traf die Anfrage für die Herstellung der Einzelteile in Leibstadt ein. So wurde aus der St. Moritzer Holzskulptur plötzlich ein Aargauer.

Auf der Intensivstation

"Edy liegt auf der Intensivstation", sagte Gemeindepräsident Sigi Asprion, hörbar betrübt zum "Regionaljournal Graubünden" von Radio SRF. Als Mitglied des WM-Teams täte es ihm weh, wenn das Sinnbild der Ski-WM verloren ginge.

Gestorben sei der riesige Skifahrer aber noch nicht, erklärte Asprion. "Edy" hoffe, dass sich jemand findet, der ihn rette.

Abgeflaute Emotionen und hohe Kosten

Während der Ski-WM seien in St. Moritz die Emotionen gegenüber "Edy" sehr stark gewesen. Mittlerweile seien diese aber abgeflacht. "Man musste mit diesem Ausgang rechnen", erklärte der Gemeindepräsident.

Der Grund für die klare Absage im Gemeinderat seien die verhältnismässig hohen Kosten für eine Standzeit von nur wenigen Jahren. Zu den Transport- und Aufbaukosten wären noch die jährlichen Unterhaltskosten dazugekommen. "Über alles gesehen, ist das sehr teuer", sagte Asprion.

Nun würden andere Interessenten gesucht. Es gehe darum, eine guten Ort für "Edy" zu finden. Bei der Tourismusorganisation in Engadin St. Moritz äusserte man die Hoffnung, das 18 Tonnen schwere WM-Symbol im Tal platzieren zu können, sei es bei Privaten oder auf dem Gelände eines Unternehmens oder Hotels. (jk/sda)