Murgenthal

Durch Mobbing in die Depression getrieben: 17-jähriger Aargauer fordert Aufklärung an Schulen

Der junge Raymond leidet an Depressionen und möchte anderen Schülern, denen es ähnlich geht, nun helfen.

Der junge Raymond leidet an Depressionen und möchte anderen Schülern, denen es ähnlich geht, nun helfen.

Der 17-jährige Raymond Krbavac aus Murgenthal fordert in einer Petition, dass Schüler und Lehrer besser über psychische Krankheiten aufgeklärt werden. Er handelt aus persönlicher Motivation mit einem traurigen Hintergrund.

Raymond Krbavac ist depressiv. Der 17-Jährige wurde während seiner Schulzeit jahrelang gemobbt. Geschlagen, bespuckt, mit Steinen beworfen. Ein Aussenseiter sei er gewesen, ein Opfer von Gleichaltrigen, sagt Krbavac gegenüber der Gratiszeitung «20 Minuten»

Die psychische Belastung wurde so gross, dass Krbavac sich vor knapp zwei Jahren im Wald das Leben nehmen wollte. Eine Freundin konnte ihn rechtzeitig davon abhalten. Der junge Mann holte sich Hilfe, begann im Dezember 2018 eine Therapie. Die Situation an der Schule blieb jedoch bis zu seinem Abschluss im letzten Sommer schwierig: «Statt dass meine Lehrer Verständnis für meine Situation aufgebracht hätten, hielten sie mir vor, wie viel Schulstoff ich durch die intensive Therapie verpassen würde. Das half mir nicht weiter.»

Heute geht es Krabavac besser. Er träumt von einer Lehre als Logistiker. Und davon, dass kein anderes Kind eine ähnliche Situation wie er durchleiden muss. In einer Petition fordert der 17-Jährige, die Aufkärung und Prävention von psychischen Krankheiten schweizweit in den schulischen Lehrplan aufzunehmen. Zudem sollen Lehrkräfte besser für den Umgang mit depressiven Schülern geschult werden.

«An den Schweizern Schulen wird über Alkohol, Drogen, Verhütung und Rauchen aufgeklärt. Hingegen nicht über die Depression. Ganz im Gegenteil es wird einfach totgeschwiegen», schreibt Krbavac auf openpetition.eu.

Unterstützung von SP-Nationalrat

Keinen weiteren Handlungsbedarf sehen die Verantwortlichen des Lehrplans 21. Gemäss «20 Minuten» vertreten sie die Meinung, dass das Thema psychische Gesundheit in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen sowie im Lehrplan 21 bereits ausreichend verankert sei.

Unterstützung erhält Krbavac vom Zürcher SP-Nationalrat Angelo Barrile: «Ich bewundere seinen Mut, dass er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit geht und mit der Petition aktiv nach Lösungen sucht, die Schweizer Bevölkerung besser über psychische Krankheiten aufzuklären. Tatsächlich besteht da Handlungsbedarf.»

Barrile präsidiert die parlamentarische Gruppe «Psychische Gesundheit» und hat mehrere Jahre als Arzt in der Psychiatrie gearbeitet. Er bietet Krbavac nun seine Hilfe an. «Ich will ihn dabei unterstützen, seine Anliegen ins Parlament zu bringen.»

350 Personen haben Krbavacs Petition bisher (Stand: Freitag, 15 Uhr) unterzeichnet. «Ein sehr wichtiges Thema, das bis heute grösstenteils als Tabu abgeschrieben ist», schreibt ein anonymer Unterstützer aus Dietikon in den Kommentarspalten. Und ein anderer: «Psychische Erkrankungen werden heute, besonders bei jungen Menschen oft nicht ernst genommen oder sogar belächelt. Aufklärung bezüglich solcher Erkrankungen ist für uns alle gut.»

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