Oftringen

Drohungen ans Gemeinde-Personal häufen sich – woran liegt das?

Immer wieder schwere Drohungen gegen Oftringer Beamte

Immer wieder schwere Drohungen gegen Oftringer Beamte

Wieso rasten die Menschen gerade auf Ämtern so häufig aus?

In diesem Winterhalbjahr haben mehrere Personen Mitarbeitende des Dienstleistungsbetriebs der Gemeinde Oftringen mündlich und schriftlich bedroht. Die Zahl der Bedrohungen nahm zu, sagt Oftringens Gemeindeammann Julius Fischer.

«Wir dulden weder Drohungen noch Gewalt gegen das Gemeindepersonal», betont Gemeindeammann Julius Fischer. «Immer öfter müssen wir leider feststellen, dass unsere Mitarbeiterinnen auf der Gemeinde verbal bedroht werden.» Deshalb entschied sich der Gemeinderat Oftringen, die drei kürzlich erfolgten Verfehlungen aus der Bevölkerung öffentlich zu machen.

«Es gilt Nulltoleranz», betont Fischer weiter. «Wird die Schwelle des Anstandes mit Drohungen überschritten, wird die fehlbare Kundschaft ausnahmslos der Polizei gemeldet.» Das kam im vergangenen Winterhalbjahr nun dreimal vor und zeigte laut Fischer Wirkung. «Es gab Personen, die sich nach der Einvernahme durch die Polizei, bei unseren Mitarbeiterinnen für ihr Verhalten entschuldigt haben», weiss Fischer.

Die fehlbaren Personen, meist Männer, hätten alle persönliche, gesundheitliche oder wirtschaftliche Probleme gehabt, erklärt der Oftringer Gemeindeammann weiter. «Die schwierigen Lebensumstände rechtfertigen aber das unflätige Verhalten in keiner Weise.»

Wenn eine Person am Schalter laut oder ausfällig werde, werde versucht, einen weiteren Mitarbeiter beizuziehen, was sich in der Vergangenheit als gute Lösung herausgestellt habe, sagt Julius Fischer. 

Beim Sozial- oder dem Betreibungsamt hat die Gemeinde schon vor einer Weile einen Alarmknopf installiert lassen. Wird dieser gedrückt, weiss die Polizei sofort Bescheid. 

Die letzten drei Drohungen sind zweimal mündlich und einmal schriftlich erfolgt. «Die Äusserungen und Drohungen waren grob», betont Julius Fischer.

Der Gemeindeammann selbst wurde in seinem Amt noch nie bedroht, wie er sagt, laut sei es aber auch in seinem Büro schon geworden. «Es gibt eine Grenze, bei der man nicht mehr sicher ist, wird es nun ernst oder bleibt es bei der Drohung», sagt Fischer. Spätestens dann müsse der Alarmknopf gedrückt werden, was aber immer vorher kommuniziert werde.

Der Psychologe Thomas Spielmann kritisiert auch das heutige System. «An Universitäten und Fachhochschulen werde nicht Einfühlungsvermögen in das Gegenüber gelehrt, nicht Respekt, nicht Geduld und Gelassenheit», sagt er gegenüber Tele M1. Das Problem werde sich zunehmend verschärfen. 

Ammann Julius Fischer hält aber auch fest, dass sich die grosse Mehrheit der Bevölkerung gegenüber dem Gemeindepersonal «freundlich und anständig» verhalte. «So sollte es immer sein.» (ran/pz)

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