Der Ton ist nervig. Dieses Surren, das einem verrät, dass irgendwo eine Drohne durch die Luft schwirrt. Was das Ding mit den Propellern genau tut, ist vom Boden aus nicht zu erkennen. Diese Ungewissheit kann verunsichern. Das beobachtet auch Manfred Tschannen, Chef der Regionalpolizei Bremgarten. Die Leute würden sich weniger am Lärm stören, sagt er. Es plage sie eher ein ungutes Gefühl, wenn sie merken, dass eine Drohne über ihr Grundstück fliege oder sogar stehen bleibe. «Sie wissen nicht, ob die Drohne einfach nur fliegt oder ob gleichzeitig gefilmt wird», sagt Tschannen. Im Moment gebe es bei der Repol Bremgarten zwar kaum Beanstandungen wegen Drohnen. «Aber das wird sich ändern, sobald es wieder wärmer wird», ist der Polizeichef überzeugt. Die Polizei gehe jeweils vor Ort, wenn eine Meldung eingehe, und suche das Gespräch mit dem Piloten oder der Pilotin. Laut Tschannen ist es aber noch nie zu einer Anzeige gekommen. «Sehr oft haben wir die Piloten aber auch gar nicht finden können.»

Polizei kontrolliert Versicherung

Wer eine Drohne startet, muss die Vorschriften im Bundesgesetz über die Luftfahrt und die Regeln in den entsprechenden Verordnungen einhalten. Ab Sommer 2020 sollen Drohnenbetreiber neu sich selbst und ihr Gerät registrieren, wie die «NZZ am Sonntag» gestern schrieb. Ausserdem arbeite die Flugsicherung Skyguide daran, Drohnen in die Überwachung des Flugraums zu integrieren.

Auf der Website des Bundesamts für Zivilluftfahrt erfahren Drohnenfans, was sie aktuell beachten müssen, und finden auch eine interaktive Karte, die zeigt, wo Einschränkungen und Verbote für Drohnen existieren. Für Flüge im Umkreis von fünf Kilometern um einen Flugplatz braucht es beispielsweise eine Bewilligung (siehe Box am Ende). Fünf solche Zonen mit Einschränkungen befinden sich im Einsatzgebiet der Regionalpolizei Zofingen. Meldungen wegen Drohnen gehen auch in Zofingen eher während der Sommermonate ein, sagt Polizeichef Stefan Wettstein. Eine Statistik führe die Polizei nicht. Er schätzt, dass es im Sommer etwa ein bis zwei Meldungen pro Monat sind. Sofern die Besitzer der Drohne ausfindig gemacht werden könnten, werde kontrolliert, ob sie den obligatorischen Versicherungsnachweis dabei haben und ob sich die Drohne in der Fünf-Kilometer-Zone befindet. Falls Letzteres der Fall sei, überprüfe die Polizei, ob eine Bewilligung vom Flugplatz oder Heliport vorhanden sei.

Lärmschutz gilt für Drohnen

Wie in Zofingen stützen sich die Regionalpolizeien bei den Kontrollen auf die nationalen gesetzlichen Bestimmungen. Die meisten Regionalpolizeien teilen mit, dass sich in ihren Polizeireglementen keine zusätzlichen oder speziellen Vorschriften in Bezug auf Drohnen finden. Natürlich sei der Lärmschutz generell geregelt und lasse sich bei störendem Fluglärm auch auf Drohnen anwenden, heisst es beispielsweise aus dem Zurzibiet, dem Oberen Fricktal und aus Zofingen.

Einen Schritt weiter geht die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal in ihrem Reglement: «Wir haben im Ordnungsbussenkatalog die Möglichkeit, nicht bewilligte Drohnenflüge mit 100 Franken zu büssen», sagt Polizeichef Daniel Schreiber. Die Meldungen, die bei der Repol eingehen, beträfen vor allem Flüge über Wohnquartieren, sagt Schreiber. Sie seien jedoch «eher selten». Bussen und Anzeigen hat auch die Repol Rohrdorferberg-Reusstal noch keine ausstellen müssen.

Keine Regulierung auf Vorrat

Die surrenden Flugobjekte waren vor ein paar Jahren auch Thema im Grossen Rat. Die BDP-Fraktion stellte dem Regierungsrat 2015 Fragen zu einer allfälligen Gefährdung durch Drohnen. Damals beruhigte die Regierung. Es seien keine Vorfälle bekannt, bei denen Drohnen zu «deliktischen Zwecken» verwendet wurden. Der Regierungsrat verzichtete denn auch auf eine Regulierung «auf Vorrat», obwohl er die Möglichkeit hätte, kantonale Gesetze zu erlassen und Areale mit sensiblen Gebäuden und Einrichtungen zu Flugverbotszonen zu erklären. An dieser Einschätzung habe sich bis heute nichts geändert, sagt Roland Hofer, Mediensprecher beim Departement Finanzen und Ressourcen. «Der Kanton musste bisher keine weiteren Massnahmen bezüglich Drohnenabwehr ergreifen.» Die Thematik werde weiterhin beobachtet und bei Neu- oder Umbauten von eigenen sensiblen Gebäuden oder technischen Einrichtungen berücksichtigt.

Bereits aufgerüstet wurden sämtliche Gefängnisse im Aargau. Die Spazierhöfe wurden zusätzlich vergittert, damit keine Gegenstände von oben in den Hof geworfen werden können. Das Gefängnis Lenzburg verfügt ausserdem seit Ende 2017 über ein Drohnenabwehr-System. Inzwischen erkennt das System nicht nur Drohnen, sondern auch Objekte von der Grösse eines Tennisballs, die über die Mauern geworfen werden. Bei Gegenständen muss der Wärter jeweils nachschauen, was im Hof landete. Drohnen können die Beamten mit einer Netzpistole abschiessen. Erstfälle gab es bisher kaum, sagte Gefängnisdirektor Marcel Ruf im Januar zum Regionalsender «Tele M1». Das System habe noch nie Alarm geschlagen.

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Komplizen von Gefangenen versuchen, Drogen oder Handys in den Gefängnis-Spazierhof zu schmuggeln – die JVA Lenzburg hat ihr Sicherheitssystem deshalb so aufgerüstet, dass dieses nicht nur Drohnen, sondern auch Wurfgegenstände bis zur Grösse einen Tennisballs erkennen kann.

Die Drohnenkarte des BAZL: