«Unsere Fachtagung steht unter dem Motto ‹Über Grenzen blicken›», erklärte Rainer Klöti, Präsident von Jagd Aargau. Der Blick am traditionellen Anlass ging denn auch über die Landesgrenze hinaus. Anita Weimann, Fachreferentin im Bayerischen Jagdverband, sprach über die Rehkitzrettung und Drohnen zur Wildtierrettung bei der Grünlandmahd und Maximilian Peter Graf von Montgelas, ebenfalls Fachreferent im Bayerischen Jagdverband, stellte das Schwarzwild-Monitoring und Reviermanagement-System vor, das auf der digitalen Geoinformation (GIS) aufbaut. «Es geht darum, Wege zum Einsatz neuer Technologien zu öffnen», sagte der Aargauer Jägerpräsident Klöti. «Die Zeit dafür ist angebrochen.»

Drohnengestützte Kitzrettung

Seit Jahren setzt sich die Stiftung Wildtiere Aargau für die Rettung von Rehkitzen vor dem Mähtod ein. Dabei stellen heute die Jäger am Abend vor dem Mähen Stangen mit auffälligen, weissen Säcken oder ähnlichen Markierungen auf dem Feld auf. Das signalisiert der Geiss, dass etwas nicht in Ordnung ist und sie holt das Kitz wieder aus der Wiese. Gelegentlich werden die Felder vor dem Mähen auch aufwändig zu Fuss nach Kitzen abgesucht.

«Drohnen können die bisher üblichen Methoden zur Rehkitzrettung nicht ersetzen», stellte Anita Weimann aufgrund ihrer Erfahrungen fest. Ein neues Drohnensystem soll es allerdings ermöglichen, in drei Minuten eine Fläche von einer halben Hektare abzusuchen und die Suchergebnisse auf einen Radius von einem bis 2,5 Meter genau aufzuzeigen. «Es stellt sich allerdings die Frage, wer das 15'000 bis 20'000 Euro teure System nutzen soll», so Weimann. «Ziel ist es, das System als Dienstleistung anzubieten. Die Kosten pro Hektare belaufen sich auf 9 Euro. Bis 2020 soll ein Anreiz- und Vergütungssystem geschaffen werden, damit die Landwirtschaft von diesem Angebot auch Gebrauch macht.»

Gymnasiast rettet Rehkitze mit Drohne

<p>Oberbalm BE – 25.5.17 – Bis zu 2000 Rehkitze werden jährlich traurige Opfer von Mähmaschinen. Dies weil die Tiere in den ersten Wochen ihres Lebens noch keinen Fluchtreflex haben, im Gegenteil. Bei Gefahr drücken Sie sich dicht an den Boden. Um diese Todesfälle zu verhindern, hat der 18-jährige Pascal Zimmermann eine Drohne entwickelt und gebaut, mit der er vor dem Mähen die Wiesen nach den Jungtieren absucht.</p>

In diesem Jahr lief im Kanton Solothurn schon ein Pilotversuch mit Drohnenortung von Rehkitzen, dasselbe plant die Stiftung Wildtiere für das kommende Jahr auch im Aargau.

GIS, GPS und die Schwarzkittel

Vor einem Monat filmte eine Überwachungskamera der Stadtpolizei Aarau eine Wildschweinrotte in der Altstadt. Dass es zu dieser Aufnahme kam, war Zufall, doch Wildschweine und die Schäden, die sie verursachen, sind im Aargau immer wieder Thema. «Das digitale Schwarzwild-Monitoring kann nicht alle Probleme lösen», räumte Maximilian Peter Graf von Montgelas ein. «Das System unseres Jagdverbandes ermöglicht jedoch via Internet und App einen ständigen Informationsaustausch zwischen Jagd, Land- und Forstwirtschaft. In ganz Bayern können Sichtungen, Erlegungen und Schäden von Schwarzwild erfasst, verwaltet und geteilt werden.» Die entsprechenden Daten werden ortsgenau im digitalen Kartensystem erfasst.

Die Wildsau-Rotte in Aarau.

Jagd-Aargau-Präsident Rainer Klöti wies an der Fachtagung auch auf die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit hin. «In einer Zeit, in der wir Jägerinnen und Jäger längst nicht mehr allein im Wald sind, ist der Auftritt der Jagd von grosser Bedeutung. Vielleicht der wichtigste Punkt dabei ist, dass wir lernen müssen, nach aussen zu vertreten, was wir machen.»