Strassenverkehr
Drogenkonsumenten dürfen früher wieder fahren als Alkoholsüchtige

Wer wegen Suchtproblemen von einem Gutachter als «nicht fahrgeeignet» eingestuft wird, darf lange nicht ans Steuer. Alkoholsüchtige erhalten den Fahrausweis in der Regel nach einem Jahr, Drogensüchtige nach sechs Monaten Abstinenz zurück.

Fabian Hägler
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Wer wegen Alkoholsucht zum Psychiater muss und als nicht fahrgeeignet eingestuft wird, gibt den Ausweis für ein Jahr ab.

Wer wegen Alkoholsucht zum Psychiater muss und als nicht fahrgeeignet eingestuft wird, gibt den Ausweis für ein Jahr ab.

Keystone

Im letzten Jahr wurden 1168 Aargauer wegen Verdachts auf Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch zu einem Gutachten beim Verkehrspsychiater aufgeboten. Während die Schwellenwerte bei Alkohol klar sind (bisher 2,5 Promille, ab dem 1. Juli dann 1,6 Promille), gibt es bei Drogen und Medikamenten keine exakten Schwellenwerte.

Eine Nachfrage beim Strassenverkehrsamt zeigt: Es wird unterschieden, ob jemand unter Drogen gefahren ist (FUD) oder diese ausserhalb des Strassenverkehrs konsumiert hat. Auch bei FUD wird allerdings nicht in jedem Fall eine verkehrspsychiatrische Abklärung verordnet. «Liegt lediglich ein Konsum vor, wird bei Cannabis und Khat auf ein Gutachten verzichtet», sagt Sandra Olar, Sprecherin des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Bei allen anderen Drogenarten wird aber eine Abklärung angeordnet.

Bei Medikamentenmissbrauch, der laut Olar eher selten rapportiert wird, komme je nach Einzelfall eine vertrauensärztliche Kontrolluntersuchung oder auch eine psychiatrische Untersuchung infrage.

Abstinenz unter Beweis stellen

Dabei sind drei Begutachtungsresultate möglich. Wird eine Person als «nicht süchtig» eingestuft, darf sie umgehend wieder fahren. Kommt der Gutachter zum Schluss, «darf fahren, aber unter Abstinenzauflage», so erhält die Person den Führerausweis zurück, muss sich aber an Auflagen halten. «Die betroffene Person muss während der verfügten Dauer mittels Haaranalysen, Blut- oder Urinproben ihre Abstinenz beweisen», sagt Olar.

Die Preise für die Abstinenzkontrollen werden von beauftragten Labors festgelegt und den beweispflichtigen betroffenen Personen direkt in Rechnung gestellt. Ergibt ein Gutachten, dass jemand nicht fahrgeeignet ist, so muss auch diese Person für eine gewisse Zeit ihre Abstinenz belegen. Bevor sie wieder zum Strassenverkehr zugelassen wird, wird in einem zweiten Gutachten geprüft, «ob die Sucht überwunden ist und somit der Fahreignungsmangel entfällt».

Der untersuchende Gutachter gibt eine Empfehlung ab zur Dauer der Abstinenzvorgaben. «Ist das Gutachten nachvollziehbar, schlüssig und vollständig, wird es vom Strassenverkehrsamt übernommen», sagt Olar. In der Regel sei bei Personen, die als nicht fahrgeeignet eingestuft werden, bei Alkoholsucht von einem Jahr, bei Drogensucht von sechs Monaten Abstinenz auszugehen.