In Oberkulm wird letzte Woche eine Werbeverträgerin attackiert – angeblich, weil sie trotz eines «Keine Werbung»-Klebers Kataloge in den Briefkasten geworfen haben soll.

So rabiat wie der Beschuldigte gehen aber nur die wenigsten vor. Doch unerwünschte Werbung bleibt ein ewiges Ärgernis und bringt auch az-Leser zur Weissglut: «Tatsache ist doch, dass die Werbeverträger Stopp-Kleber routinemässig ignorieren», schreibt etwa Lisa Marti.

Werbeverträgerin in Oberkulm attackiert.

Angriff aufs Portemonnaie

Erstaunlich: Die Werbeverträger tun dies legal. «Obwohl es viele glauben: Der Stopp-Kleber schützt nicht komplett vor unerwünschter Werbung», sagt Janine Jakob von der Stiftung Konsumentenschutz.

Im April 2012 verabschiedete der Nationalrat zwar ein Gesetz, das unerbetene Werbe-Anrufe verbietet – doch er wollte es nicht auf die Briefkästen ausdehnen. «Darum gibt es keine rechtliche Grundlage, um gegen unliebsame Werbung vorzugehen.»

Sie empfiehlt erzürnten Bürgern: Statt den Briefträger zu verprügeln, soll man die Werbung unfrankiert an den Absender zurückschicken.

«Dieser muss dann das Porto übernehmen. Wenn das viele tun, kann das schnell aufs Portemonnaie schlagen.»

Landbevölkerung will die Werbung

Dieses Risiko will Thomas Wächter nicht eingehen. Er ist Geschäftsführer der Mailconsult GmbH in Meisterschwanden, die mitunter unadressierte Post verteilt. «Wir respektieren die Stopp-Kleber, alles andere führt nur zu Problemen», sagt er. Ausgenommen davon sei politische Werbung – laut Postregalgesetz darf diese überall verteilt werden.

Wächter stellt zudem einen Unterschied zwischen Stadt und Land fest: «In Aarau gibt es 9250 Briefkästen; wir dürfen nur bei 3100 davon Werbung einwerfen.» Rund 66 Prozent haben also einen Stopp-Kleber.

Blickt man auf die Nachbargemeinden, sieht es komplett anders aus: Hier verbannen nur 25 Prozent aller Briefkästen die Werbekataloge. «Es ist augenfällig: Die Leute auf dem Land wollen die Werbung.» Wächter zufolge gibt es sogar einen Trend, dass es immer weniger Stopp-Kleber gebe.

Jeder Zweite hat den Kleber

Die Schweizerische Post verfolgt die gleiche Politik wie Wächter: Sie stellt ebenfalls unadressierte Sendungen zu, unterscheidet jedoch zwischen offiziellen und kommerziellen Sendungen. Wer einen Stopp-Kleber hat, wird von letzterer verschont.

Gemäss der Post haben 48,9 Prozent aller Briefkästen und Postfächer einen solchen Aufkleber. «Dieser Anteil an kommerzieller Werbung kann nicht ausgetragen werden – das schlägt aufs Geschäft», bestätigt Mediensprecherin Nathalie Dérobert Fellay.

Dies hat jedoch den Vorteil, dass die Post kaum je Beschwerden erhält. «Durch die konsequente Berücksichtigung der Stopp-Kleber gibt es nur vereinzelt Reklamationen.»