Eine grosse Plastikkiste voller Akten hatte Staatsanwalt Lorenz Kilchenmann vor dem Bezirksgericht Zofingen dabei. Und es gibt noch mehr. «Der Fall ist äusserst komplex, wir haben über 300 Strafanzeigen, pro Anzeige hat es teilweise mehrere Mitbeteiligte», sagt Kilchenmann gegenüber dem Regionalsender Tele M1.

Dreiste Betrüger haben die Migros Bank mit gefälschten Kreditanträgen um rund 1,5 Millionen Franken erleichtert. Die Masche, für die sich der Serbe F.D. als einer der Beschuldigten vor Gericht verantworten muss, war immer die gleiche.

Die Täter suchten Dritte, meist Bekannte, die sich in einer finanziellen Notlage befanden. Für diese Bekannten fälschten sie Lohnausweise und Betreibungsregister und füllten Onlineanträge für Privatkredite aus. So beantragten sie Kredite von insgesamt 3,5 Millionen Franken, die Bank zahlte 1,5 Millionen Franken. Für das erhaltene Geld erhielten die Täter jeweils eine Provision.

Mit dem Einreichen von gefälschten Kreditanträgen will F.D. nichts zu tun haben. «Mein Mandant macht geltend, dass er selber nie Kreditanträge eingereicht hat, aus dem ergibt sich, dass er keine täuschenden Handlungen selber vorgenommen hat und dementsprechend kein Betrug vorliegt», erklärt sein Verteidiger André Kuhn. F.D. hat zwar Dokumente gefälscht, eingereicht wurden sie aber von anderen.

Das erschwindelte Geld wurde nie mehr gefunden. Die Migros Bank hat reagiert und in den vergangenen Jahren ihre Kontrollen weiter verfeinert. Seither wurden gemäss einer Mitteilung der Bank keine derartigen Betrugsfälle mehr verzeichnet.

Das Strafmass für F.D. ist noch nicht bekannt, Ende Monat muss noch ein anderer Beschuldigter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Gefängnisstrafe von vier Jahren. (jgl)