Meine Session
Drei Wochen in Bern – «Man könnte meinen, es drehe sich alles nur ums Essen»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri reist mit einem dichten Terminkalender in die Bundesstadt. Im Rahmen der Serie «Meine Session» schaute die Aargauer Zeitung Feri während einer Woche über die Schulter.

Lorenz Honegger
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Ihre Termine trägt Feri nicht in einer Papieragenda, sondern auf ihrem iPad ein. Paco Carrascosa

Ihre Termine trägt Feri nicht in einer Papieragenda, sondern auf ihrem iPad ein. Paco Carrascosa

Montag: Die erste Woche der Herbstsession beginnt für SP-Nationalrätin Yvonne Feri wenig glamourös mit einer Französischstunde.

Die 47-jährige Wettingerin will ihre Defizite in der Landessprache Nummer zwei aufarbeiten. Denn wer im Bundeshaus kein Französisch versteht, hat nichts zu lachen: Bei Parlamentsdebatten wechseln sich deutsch- und französischsprechende Redner fast im Minutentakt ab.

Am Nachmittag fährt sie nach Bern, wo Nationalratspräsidentin Maya Graf um 14.30 Uhr den Ratsbetrieb eröffnet. Auf der Traktandenliste stehen Steuer- und Bankengeschäfte. Zwischen den Abstimmungen muss sie ihren defekten Laptop beim Informatikdienst vorbeibringen.

Abends geht es zur Sitzung des SP-Fraktionsvorstandes in ein italienisches Restaurant in der Berner Altstadt. Zurück nach Wettingen muss sie heute nicht. Wie viele andere Parlamentarier hat Feri in der Bundesstadt ein Zimmer gemietet.

Frauenkafi als Pflichttermin

Dienstag: Um halb acht Uhr morgens trifft sich Yvonne Feri mit ihren Fraktionskolleginnen zum SP-Frauenkafi im Café Fédéral gegenüber dem Bundeshaus, für die Präsidentin der SP Frauen ein absoluter Pflichttermin. Die Parlamentarierinnen wollen sich über aktuelle Frauenthemen austauschen. «Es kann gut sein, dass dabei eine Idee für einen Vorstoss entsteht», sagt sie.

Danach geht die Session weiter. Auf der Tagesordnung des Nationalrates sind parlamentarische Initiativen traktandiert – darunter eine von Feri. Geschäftsnummer: 13.410.

Mit dem Vorstoss verlangt sie, dass die Sessionen kürzer werden, dafür regelmässiger stattfinden. Ob er wirklich behandelt wird, ist wegen des dichten Zeitplans noch offen.

Gut möglich, dass sie ihr Votum erst in einer späteren Sessionswoche halten kann.

Den Mittag verbringt Feri im Bundeshaus, wo sie mit Kollegen von der SP das weitere Vorgehen im Fall «Insieme» diskutiert, ein missratenes IT-Projekt der Eidgenössischen Steuerverwaltung, bei dem Dutzende Millionen Franken verloren gegangen sind. Dann muss sie zur Fraktionssitzung.

Gegen Abend fährt sie nach Wettingen, wo sie hofft, etwasfür ihren Wahlkampf um ihre Wiederwahl in den Gemeinderat tun zu können.

Briefing für die Arena

Mittwoch: Heute bespricht Feri mit Vertretern des Gewerkschaftsbundes ihren Auftritt in der «Arena» des Schweizer Fernsehens. Thema der Sendung ist die Abstimmung über das Arbeitsgesetz vom 22. September.

Die Aufzeichnung findet nicht wie üblich am Freitag, sondern schon am Donnerstag statt. Grund: FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am Freitag keine Zeit.

Für das Mittagessen wird Feri beim Schweizerischen Fischereiverband erwartet.

Mit Angelruten hat sie zwar wenig am Hut, aber sie hat dem Verbandspräsidenten nach ihrer Wahl in den Nationalrat eine ihrer Zutrittskarten für das Parlamentsgebäude gegeben; seither macht sie sich in Bundesbern für die Interessen der Fischer stark.

Auch für das Nachtessen ist bereits gesorgt: Feri ist zu einem Apéro Riche bei der Entwicklungsorganisation Swissaid eingeladen. «Man könnte meinen, während der Sessionen drehe sich alles nur ums Essen», sagt sie lachend. Mehr als 100 solcher Einladungen von Interessengruppen erhält sie pro Session, nur einen Bruchteil davon nimmt sie an.

Donnerstag: Neben der «Arena»-Aufzeichnung um halb sechs in Zürich stehen heute keine wichtigen Termine an.

Freitag: Der letzte Tag der Woche ist sessionsfrei. Dennoch muss Feri für die Sitzung der Geschäftsprüfungskommission nach Bern. Sie gibt zu: So eine Session sei ganz schön intensiv. «Man hat ständig Leute und Lärm um sich. Doch es ist immer gut, die Kollegen wiederzusehen.»

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