Der «Beobachter» hat die Nominationen für den Prix Courage 2017 bekannt gegeben. Unter den Anwärtern sind auch drei Aargauer bzw. Aargauerinnen: Mustafa Karasahin, der ein Mädchen vor dem heranrasenden Zug rettete, Philippe Viau, der einen ertrinkenden Mann aus dem reissenden Fluss zog, sowie Natalie Burlet, die sich für Kinder in Burkina Faso einsetzt.

Natalie Burlet aus Dättwil hält ihr Wort. Im Alter von 24 Jahren versprach sie einem unterernährten, in ihren Armen sterbenden Mädchen, sich dafür einzusetzen, dass künftig kein Kind aus Burkina Faso mehr ein solches Schicksal erleiden muss. Zurück in der Schweiz, gründet die heute 36-jährige Radiologie-Fachfrau zusammen mit einer Freundin den Verein «Sourire aux Hommes».

Im Januar 2007 eröffnen die beiden Frauen das erste Waisenhaus in der Kleinstadt Ouahigouya im Norden von Burkina Faso, drei Jahre später dann das zweite. Mittlerweile wohnen dort 52 Kinder und Jugendliche, 23 werden zusätzlich extern betreut. Finanziert wird das Projekt vollumfänglich über private Spenden.

Zwei Lebensretter nominiert

Mustafa Karasahin aus Unterkulm ist auf dem Weg zur Arbeit, als er auf einmal das schrille Hupen eines heranrasenden Zuges hört. Dann erblickt er das Mädchen auf Gleis 1. Der 36-Jährige überlegt nicht erst: Er springt hinunter auf das Gleis und gibt der Teenagerin einen kräftigen Stoss weg von den Schienen. Wenige Meter vor ihnen kommt der Zug zum Stillstand. Auf Gleis 2 nähert sich aber schon der nächste Zug. Das Mädchen versucht, sich loszureissen. In letzter Sekunde schafft es Karasahin, das lebensmüde Mädchen am Rucksack zu packen und ein Drama zu verhindern.

Philippe Viau aus Staffelbach hat eben seine Mittagspause beendet und schlendert der Aare entlang zurück in die Werkstatt, als er im Strudel einer gefährlichen Wasserwalze eine orange Schwimmweste auf- und abwirbeln sieht. Der Polymechaniker zieht Shirt und Schuhe aus und springt unerschrocken ins Wasser.

Erst als er ganz nah an der Wasserwalze ist, bemerkt er den regungslosen Körper. Mit einer Hand versucht er, den Kopf des Ertrinkenden über Wasser zu halten, mit der anderen schwimmt er mit aller Kraft ans Ufer. Drei Männer eilen herbei und leisten Erste Hilfe – der Verunglückte überlebt.

Lifetime Award für Ernst Sieber

Neben den drei Aargauern sind fünf weitere Personen für den Prix Courage nominiert. Die Wahl des Preisträgers oder der Preisträgerin erfolgt sowohl durch das Publikum via Telefon- und SMS-Voting als auch durch die Jury unter der Leitung der Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer. Der «Prix Courage» ist mit 15 000 Franken dotiert. Der Sieger wird am 17. November in feierlichem Rahmen in Zürich geehrt.

Zum ersten Mal wird überdies ein mit 10 000 Franken dotierter Lifetime Award verliehen. Der Preisträger steht hier bereits fest: Pfarrer Ernst Sieber aus Zürich wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Sieber sei mit seinem Durchhaltewillen und Einsatz für die Schwächeren in der Gesellschaft ein Vorbild in Sachen Zivilcourage, heisst es in einer Mitteilung.

Der 90-Jährige war bereits sein ganzes Leben vom Wunsch getrieben, für andere da zu sein. «Taten statt Worte» heisst sein Lieblingsmotto. Heute betreut die Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber knapp 5000 Menschen in Not: Obdachlose, Randständige, Drogensüchtige. (az)