«Unsere Frauen- und Männerbilder sind geprägt von der über 200 Jahre alten Vorstellung der Frau als Hausfrau und Mutter und dem Mann als Oberhaupt und Ernährer der Familie», sagt Doris Stump.

Die Alt-Nationalrätin aus Wettingen wehrt sich seit je gegen solche Stereotype: «Gerade die Medien wiederholen und zementieren diese veralteten Rollenbilder.» Sie weist darauf hin, dass auch der Widerstand gegen diese Rollenbilder sehr alt ist, jedoch nie zur Mehrheitsmeinung wurde.

Um die Darstellung von Frauen in den Medien geht es auch in ihrem Vortrag «Frauen in der Öffentlichkeit – einst und jetzt». Doris Stump wird über patriarchale Rollenbilder und den alltäglichen Sexismus referieren. Eingeladen wurde die Vollblutpolitikerin vom Aargauischen Katholischen Frauenbund (AKF).

Stump betont, dass das Frauenbild heute vielfältiger geworden sei. Frauen können alle Schulen besuchen und alle Berufe erlernen. Trotzdem finden sich fast keine Männer unter den Kleinkinderzieherinnen und den Pflegefachpersonen, und nur wenig Frauen unter den Mechanikern.

Subtiler Sexismus

«Der alltägliche Sexismus ist subtiler geworden», sagt Stump. Ironisch fügt sie an, dass die Frau nicht mehr nur Ehefrau und Mutter sein müsse, sondern auch Geliebte und Objekt der Begierde des Mannes. Die Sexualisierung von Frauenbildern in den Medien sei gross.

«Es ist also kein Wunder, dass so viele Mädchen ‹Top Model› werden möchten, sie werden schon als Kinder, auch in Kindersendungen am Fernsehen, mit solchen Rollenbildern konfrontiert.»

Auch Sportlerinnen werden über ihren Körper und über ihre Leistung wahrgenommen und vermarktet. «Dass Frauen erst dann attraktiv werden, wenn sie sich ausziehen, ist sehr problematisch», sagt die Wettingerin. «Hinter diesem Verhalten stecken patriarchale Zwänge und Strukturen.»

Die Medien könnten, laut Stump, mehr dazu beitragen, dass sich die Rollenklischees auflösen. Immerhin gibt es heute erfolgreiche Kommissarinnen und skrupellose Täterinnen in den Krimis. Trotzdem stehe bei der Berichterstattung über Politikerinnen und erfolgreiche Managerinnen das Frausein im Vordergrund, Kleidung und Frisur werden kommentiert.

«Wenn sie Kinder haben, werden sie gefragt, wer denn die Kinder betreut, wenn sie ihren Beruf ausüben. Männern wird diese Frage nie gestellt», bemängelt Stump.

Klischees durchbrechen

«Die Medien müssten diese Klischees durchbrechen, wenn sie ernsthaft daran interessiert sind, die Gleichstellung der Geschlechter – wie sie in unserer Verfassung verankert ist – umzusetzen», sagt Stump.

Generell beobachte die 63-Jährige, dass die Medien wieder nachlässiger geworden seien und nicht mehr versuchen, eine paritätische Vertretung der Geschlechter zu erreichen, zum Beispiel in Diskussionsrunden.

Stump selber ist in einer Zeit aufgewachsen, als Frauen noch kein Stimmrecht hatten, als unverheiratete Frauen als Fräulein angesprochen wurden und Frauen bei der Heirat ihren Namen aufgeben mussten.

«Ich nahm für mich immer in Anspruch, gleich viel wert zu sein, wie ein Mann und ökonomisch unabhängig.» Stump hatte den Weg in die Berufswelt und in die Politik eingeschlagen. Sie weiss, dass Gesetze Voraussetzung sind für die Gleichstellung der Geschlechter, dass Gesetze jedoch nicht genügen.

Deshalb setzt sie sich als Verlegerin des eFeF-Verlags weiterhin für die Veröffentlichung von Ergebnissen der Geschlechterforschung ein. «Ich bin dabei, ein Buch über Sexismus im öffentlichen Raum zu publizieren.» Dabei geht es um Sexismus in den Medien, Fernsehen, Zeitungen, Werbung und über den Einfluss auf das Selbstverständnis der Frauen.

Vortrag: «Frauen in der Öffentlichkeit– einst und jetzt»: Mit Doris Stump. Di, 9. April, 19.30 Uhr; Pfarreizentrum St. Anton in Wettingen.