Bundesrat

Doris Leuthard zeigt ihre Heimat: Eine fröhliche Tour durch den unterschätzten Kanton

Auf seiner Reise durch den Aargau beschäftigt sich der Bundesrat mit Lehrerbildung und Nanotechnologie, tafelt vornehm auf Schloss Wildegg, entdeckt eine Hutmacherei in Hägglingen und nimmt in Lenzburg ein selfiereiches Bad in der Menge; der Tag endet friedlich am Hallwilersee.

Gut gelaunt und nur mit geringer Verspätung trifft der Gesamtbundesrat um die Mittagszeit auf Schloss Wildegg ein und stellt sich geduldig den Fragen der rund 30 wartenden Journalisten.

Die Bundesratsreise in den Heimatkanton von Bundespräsidentin Doris Leuthard hat frühmorgens in Zofingen begonnen, wo sich die Regierung mit Lehrpersonen der Fachhochschule Nordwestschweiz getroffen hat.

«Der Aargau ist auch ein Bildungskanton», sagt Doris Leuthard, und sie erinnert daran, dass Pestalozzi im Aargau gelebt und gewirkt hat, aber auch, dass das erste nicht-kirchliche Gymnasium 1803 im Aargau entstanden sei. «Uns hat interessiert, wie die Lehrerbildung der Zukunft aussieht, welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt.»

Das Bundesratsreisli von Bundespräsidentin Doris Leuthard im Kanton Aargau führte aufs Schloss Wildegg.

Ankunft

Das Bundesratsreisli von Bundespräsidentin Doris Leuthard im Kanton Aargau führte aufs Schloss Wildegg.

Mittagsrast auf Schloss Wildegg

Von Zofingen führt die Reise weiter ins Hightech Zentrum nach Brugg. Der Bundesrat sei beeindruckt von der «gelebten Innovationsförderung», von der vor allem KMU profitieren können, sagt Leuthard. Und weil in Brugg gerade auch noch Jugendfest ist, nimmt die Landesregierung ein erstes Bad in der Menge und erlebt am Rande mit, wie die Aargauer ihre Feste feiern.

Der Bundesrat auf Aargau-Reisli

Der Bundesrat auf Aargau-Reisli

Lenzburg – 06.07.2017 – Wenn es wieder Selfies mit Ueli Maurer gibt, Autogramme von Didier Burkhalter und Simonetta Sommaruga einen schicken Strohhut trägt, dann sind die mächtigen Sieben der Schweiz auf Bundesratsreise.

«Der Aargau wird häufig vom Rest der Schweiz immer noch unterschätzt», erklärt Leuthard im prächtigen Schlossgarten in Wildegg; die Bundesratsreise nimmt sie auch zum Anlass, ihrer Kollegin und den Kollegen die verborgenen Qualitäten des Aargaus näherzubringen. Wobei: Zumindest Simonetta Sommaruga kennt den Aargau bestens. Denn sie hat die ersten 20 Lebensjahre in Sins verbracht. Noch immer fühlt sie sich mit dem Kanton verbunden, auch wenn hier niemand mehr von ihrer Familie lebt. «Und wenn ich das Freiamt erreiche, dann erzeugt die Landschaft schon ein Gefühl von Heimat», sagt sie.

Von links nach rechts: Bundeskanzler Walter Thurnherr, die Bundesräte Johann Schneider-Ammann, Simonetta Sommaruga, Ueli Maurer, Bundespräsidentin Doris Leuthard, Guy Parmelin, Alain Berset und Didier Burkhalter.

Der Bundesrat auf Schloss Wildegg

Von links nach rechts: Bundeskanzler Walter Thurnherr, die Bundesräte Johann Schneider-Ammann, Simonetta Sommaruga, Ueli Maurer, Bundespräsidentin Doris Leuthard, Guy Parmelin, Alain Berset und Didier Burkhalter. 

Der Berner Johann Schneider-Ammann ist sehr angetan vom Schloss, dem Garten und der weiten Sicht ins Umland. Was ihn zur scherzhaften Bemerkung verleitet: «Eigentlich ist es schade, dass die Berner das alles hergegeben haben.»

Auch Ueli Maurer scheint es im Aargau zu gefallen. Er ist zum zweiten Mal auf Bundesratsreise im Aargau und erinnert sich noch gut an das kreative Malhappening im Kunsthaus vor sieben Jahren. Worauf freut er sich diesmal? «Ich habe keine Ahnung, was uns noch alles erwartet», sagt er heiter. «Denn ich habe das Programm absichtlich nicht gelesen. So ist jeder Programmpunkt wieder eine neue Überraschung für mich.»

Rückt denn auf der Reise für einmal das politische Tagesgeschäft in den Hintergrund? «Ja», sagt die Bundespräsidentin, «wenn auch nicht vollständig.» Aber die Reise biete Gelegenheit, einander anders zu begegnen, sich auszusprechen – und es ganz einfach miteinander lustig zu haben.

Der Zeitplan ist unerbittlich. Das Mediengespräch ist zu Ende. Bleibt noch etwas Zeit für den Fototermin mit dem Gesamtbundesrat auf der Schlossterrasse. Dann ziehen sich die Gäste mit dem Aargauer Regierungsrat zum gemeinsamen Essen in die kühle Eingangshalle des Schlosses zurück. Es gibt Rindsfilet.

Als Einziger im Jackett: Alain Berset im Gespräch.

Als Einziger im Jackett: Alain Berset im Gespräch.

Ein Selfie mit Alain

Nur eine gute Stunde später macht sich der zehn Fahrzeuge umfassende Konvoi auf in Richtung Freiamt, der eigentlichen Heimat der Bundespräsidentin. Das Freiamt war einst das Zentrum der Strohindustrie; in den guten Zeiten wurden einst jedes Jahr Millionen von Strohhüten in die ganze Welt geliefert; heute gibt es noch eine einzige kleine Fabrik, die noch Hüte herstellt. Sie befindet sich in Hägglingen – und genau dorthin fährt der bundesrätliche Konvoi.

In der Fabrik sieht der Bundesrat, wie die Nachfolger der klassischen Strohhüte in Handarbeit gefertigt werden. Dann wird ein gut gehütetes Geheimnis endlich gelüftet: Jedes Mitglied der Landesregierung erhält ein persönliches Exemplar eines echten Freiämter Strohhutes.

Im Bild: Bundespräsidentin Doris Leuthard mit Stadtammann Daniel Mosimann.

Der Bundesrat in Lenzburg

Im Bild: Bundespräsidentin Doris Leuthard mit Stadtammann Daniel Mosimann. 

Frisch behutet geht es dann weiter von Hägglingen nach Lenzburg. Am späteren Nachmittag mischt sich da der Bundesrat unter das Volk. Auf dem Metzgplatz ist ein Apéro angesagt. Und die Lenzburger strömen von allen Seiten auf den Platz; Tambouren, Chlauschlöpfer und das Freischaren-Corps empfangen die Gäste aus Bern, die Lenzburger klatschen zur Begrüssung, die Landfrauen kümmern sich um die Bewirtung. Die Bundespräsidentin hält aus dem Stegreif eine launiger kurze Ansprache und erntet grossen Applaus. Die Bundesräte verteilen sich unter den Lenzburgern, schütteln Hände, beantworten Fragen und stellen sich tapfer für Selfies zur Verfügung. So weiss eine rüstige Dame ganz genau, was sie will: «Du kannst mir sagen, was du willst, – aber der Berset ist mit Abstand der Attraktivste.» Dann geht sie und macht ein Selfie mit Alain.

Der Abend gehört dann ganz dem Bundesrat. Man möchte ganz ungestört «en famille» sein. Deshalb bleibt geheim, wo die Bundesräte übernachten. Es ist lediglich bekannt, dass das irgendwo am Hallwilersee geschehen ist. Ein lösbares Rätsel also.

Am Freitag wird die Landesregierung auf Wunsch der Bundespräsidentin in den Kanton Obwalden weiterreisen. Geplant ist auch wieder eine Begegnung mit der Bevölkerung, diesmal auf dem Dorfplatz von Sarnen. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Durch ihren Ehemann Roland Hausin ist Doris Leuthard Doppelbürgerin von Merenschwand und Sarnen.

Lesen Sie die Bundesratsreise in unserem Liveticker nach:

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