Südabflug
Doris Leuthard will Starts über die Goldküste forcieren

Verkehrsministerin Doris Leuthard bringt für den Flughafen Zürich eine neue Variante ins Spiel. Sie will die Südabflüge über die Goldküste leiten. Damit schockiert sie die Zürcher Regierung und erfreut die IG Nord.

Hans Lüthi
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Abflug ab Zürich vermehrt direkt nach Süden, im Bild eine Maschine der Qatar-Airline.

Abflug ab Zürich vermehrt direkt nach Süden, im Bild eine Maschine der Qatar-Airline.

Alex Spichale

Schon wieder eine neue Variante für den Betrieb des Zürcher Flughafens: Bundesrätin Doris Leuthard will Südstarts geradeaus forcieren und hat mit dieser Idee die Zürcher Regierung ziemlich vor den Kopf gestossen. Denn mit dem Abflug an der Stadt Zürich vorbei und im Raum Küsnacht über den Zürichsee würde neu auch die Goldküste belärmt. In der Auffächerung würden im Osten das Zürcher Glattal und das Zürcher Oberland tangiert, im Süden gingen die Routen an Zug vorbei und im Westen über den Baldeggersee und den Hallwilersee. Die Verkehrsministerin habe den Zürchern unmissverständlich erklärt, «dass auch die Goldküste Lasten des Flughafens mittragen müsse», schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» mit Hinweis auf diverse Quellen.

Im künftigen Sachplan für die Infrastruktur der Luftfahrt sind solche Südstarts oder Straight out 16 nur für Notlagen vorgesehen – wenn es wegen Nebel oder Bise keine andere Möglichkeit gibt. Damit sei die Zürcher Regierung einverstanden, wehre sich aber gegen jede weitere Belastung der Goldküste. Die Regierung habe sofort entsprechenden Widerstand angekündigt. Denn die Zürcher befürchten nicht ohne Grund, der Bund wolle künftig das Heft bei den grossen Flughäfen verstärkt in die eigene Hand nehmen.

Eine sehr sichere Flugvariante

Nach einer Beinahe-Kollision von zwei sich kreuzenden Flugzeugen wollen das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und Skyguide die Sicherheit erhöhen. «Der direkte Südabflug ist eine sehr sichere Variante, aber sie ist politisch auch am stärksten belastet», sagt der Bazl-Sprecher Urs Holderegger.

Im Übrigen bestätigte er lediglich die vertraulichen Gespräche zwischen Bundesrätin Doris Leuthard und der Zürcher Regierung. Eine Karte mit den genauen Fluglinien existiere noch nicht. «Direkte Südstarts könnten die Kapazität erhöhen, weil pro Stunde mehr Flüge möglich sind», sagt Hans-Martin Plüss, Fluglärm-Projektleiter im Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Zudem entfallen die Kreuzungen mit jenen Flugzeugen aus Norden, die bei der Landung plötzlich durchstarten müssten. Während der ganzen Behandlung des Sachplans habe die Zürcher Regierung immer kategorisch Nein gesagt, weil die Zahl der lärmbelasteten Personen massiv ansteigen würde. Schon jetzt wird der Zürcher Fluglärm-Index überschritten, der als Gegenvorschlag zur Plafonierungs-Initiative geschaffen worden ist.

Für gerechten Lastenausgleich

Nördlich des Flughafens Zürich gibt es auch Befürworter zu den Bundesplänen, den Südabflug geradeaus in den Sachplan aufzunehmen. «Die IG Nord begrüsst die Pläne von Bundesrätin Doris Leuthard», schreibt Präsident Hanspeter Lienhart. Weiter: «Dies ist ein wichtiger Schritt zu einem gerechten Lastenausgleich und auch für die Sicherheit und Stabilität des Flugbetriebs sinnvoll.» Von den 38 Gemeinden der IG Nord befindet sich die Mehrheit im Aargau, die Mitglieder reichen von Böttstein und Koblenz via Rheintal und Surbtal bis nach Eglisau, Bülach und Neerach.

Diese Gemeinden seien mit dem Flughafen gross geworden und auch künftig bereit, «einen wesentlichen Teil des Fluglärms zu akzeptieren. Wir sind aber überzeugt, dass ungeachtet des Staatsvertrags und der damit verbundenen Verteilungsfrage jede Region gewisse Lasten übernehmen muss», so Lienhart. Die IG Nord habe diese Betriebsvariante seit Jahren gefordert, damit die am stärksten betroffene Bevölkerung längere fluglärmfreie Zeiten erhalte. Aus der Sicht von Skyguide könnte der Flughafen bei Südstarts und gleichzeitigen Nordanflügen mit optimaler Sicherheit betrieben werden. Auf eine Entlastung hoffen auch die Bewohner im Westen und Osten des Zürcher Flughafens.