Knapp 20 Jahre, nachdem Doris Leuthard ins Parlament gewählt wurde, bittet Marianne Binder sie aufs Sofa. Damals schon habe sie die Merenschwanderin auf einem Sofa interviewt, sagt die CVP-Präsidentin, heute will sie Erinnerungen wecken.

«Ich bin aus dem idyllischen Freiamt in die Welt rausgekommen, dies brachte viele Erlebnisse, viele Begegnungen und viel Verantwortung mit sich», sagt Leuthard. Ihre Körpersprache ist so wie sie selber an diesem Abend: entspannt. Solch gemächliche Abende erlebe sie selten: «Normalerweise ist es so, dass ich alle 30 Minuten eine neue Sitzung habe.» Was sich in den 20 Jahren verändert habe, will Binder wissen. «Wir sehen alle 20 Jahre älter aus», spasst die Magistratin.

Bei den Erinnerungen an den Tag, als sie vor zwölf Jahren Bundesrätin wurde, wird ihr Ton nachdenklicher: «Man weiss in diesem Moment, das Leben wird ziemlich anders. Ich hatte ein paar Wochen Zeit, um das Anwaltsbüro aufzulösen, das Leben zu ändern. Mein Mann musste kochen lernen.» Sie sei bis dahin zu Hause eine klassische Ehegattin gewesen. «Die Familie muss einverstanden sein, dass das Privatleben auf wenige Stunden reduziert wird.» Deshalb sei ihr Mann jetzt ihre Nummer eins.

Doris Leuthard besucht die Aargauer CVP

Doris Leuthard besucht die Aargauer CVP

Es war der letzte Besuch der Bundesrätin bei ihren Aargauer Parteikollegen. Dabei redete sie in Mägenwil aus dem Nähkästchen.

Mitbringsel für den Hund

Sie habe als Bundesrätin viele sogenannt wichtige Menschen getroffen und eine Strategie entwickelt, um auf Staatsbesuchen zu punkten. Ihr Botschafter habe vor einem USA-Besuch herausgefunden, dass Bo, der Hund der damaligen Präsidentenfamilie Obama, ein Halsband aus dem Appenzell trug. Als sie dem Präsidenten ein weiteres Halsband aus der Schweiz mitbringen wollte, nahm ihr das die Security von Obama jedoch ab. «Das habe ich ihm erzählt, und wir kamen sofort ins Gespräch über Hunde und über die Schweiz.» Von da an nahm sie immer Geschenke mit.

Leuthard spricht auch über die Freiheit, sich als Bundesrätin allein bewegen zu können. Es sei ein labileres Gut geworden: «Früher war die Bedrohungslage weniger gross. Wir brauchen in den letzten Jahren mehr Personenschutz, aber das ist in der Regel so, dass man es nicht merkt.» Sie sei der Kantonspolizei Aargau dankbar, dass diese die Aufgabe übernommen habe, wenn sie am Wochenende zu Hause sei. Mit positivem Nebeneffekt für die Gemeinde: «Das war gut für Merenschwand, wir hatten weniger Einbrüche», sagt sie und lächelt.