Aargauer Wirtschaftstag

Doris Leuthard hält fulminantes Plädoyer für die Energiewende

Doris Leuthard spricht am Aargauer Wirtschaftstag

Doris Leuthard spricht am Aargauer Wirtschaftstag

Energieministerin Doris Leuthard wirbt vor 630 Gästen für die Energiewende als Chance. Doch die Energieministerin, ist sich bewusst, dass dieses Thema auch Ängste auslöst. Besondere Aufmerksamkeit galt der Stromproduktion im Kanton.

Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV), durfte gestern am Aargauer Wirtschaftstag in Wettingen noch vor der Verleihung des Unternehmenspreises Energieministerin Doris Leuthard als Hauptrednerin ankünden.

Mit Blick auf die neue Rekordzahl von 630 Gästen meinte er: «Wir wissen, das hat mit unserer ausgezeichneten Bundesrätin Doris Leuthard zu tun.» Blumen gab es auch für die Aargauische Kantonalbank (AKB), die den Unternehmenspreis gestiftet hat. Schmid: «Die Aargauer Wirtschaft braucht die AKB. Eine erfolgreiche AKB ist auch für uns Unternehmer wichtig und von Vorteil.»

Die Bundesrätin weiss, dass das Thema nicht nur Freude, sondern auch Ängste auslöst. Die Energiewende, zu der die Vorlage bald ans Parlament geschickt wird, werde vieles verändern, sagte sie.

Doch irgendwo muss man anfangen. Mit Erich Kästner meinte Doris Leuthard: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Im Aargau sei schon einiges gegangen.

So haben eben Unternehmer den Verein Neue Energie Aargau gegründet. Sie setzen sich für gute Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz ein.

Energiemix ändert sich ständig

Heute gebe die Schweiz 32 Milliarden Franken für Energie aus – doppelt so viel wie vor 20 Jahren, rief Leuthard in Erinnerung. Wenn kritisiert wird, die Energiewende koste so viel, stimme dies mit Blick auf diese Zahlen nicht. Wichtig sei das Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Der Anteil dieser Kosten am Bruttosozialprodukt sei mit 5,5 Prozent ziemlich stabil geblieben.

Auch habe sich der Energiemix schon bisher verändert. Es gelte, den Anteil an Erdöl und Treibstoff weiter zurückzudämmen. Grosses Potenzial sieht sie in den Gebäuden und im Verkehr. Mit Alternativen zu fossiler Energie reduziere man auch den CO2-Ausstoss.

Ein Land wie die Schweiz, das Wasserkraft, aber weder Öl noch Gasvorkommen hat, müsse auch angesichts des weltweit wachsenden Energiehungers folgende Ziele anpeilen: mehr Effizienz, weniger Verbrauch, mehr einheimische Energie, weniger Import fossiler Energie, Geld vermehrt in der Schweiz einsetzen.

Ein besonderes Teilthema ist im KKW- und Energiekanton Aargau natürlich die Stromzukunft, zumal die KKW fast 40 Prozent des Strombedarfs abdecken. Drei der fünf KKW dürften in den nächsten 10 bis 20 Jahren ans Lebensende kommen.

Leuthard: «Und wir wissen, dass neue KKW in der Schweizer Bevölkerung nicht denkbar sind.» Es gelte, diese Produktion stufenweise durch erneuerbare Energiequellen zu ersetzen.

Viele zu nutzende Chancen

Im Folgenden zeigte Leuthard Chancen auf, die zu nutzen seien – gerade bei Gebäuden. Leider beträgt die Renovationsquote älterer Gebäude nur rund 0,8 Prozent pro Jahr, bedauerte die Energieministerin.

Diese bergen aber eins der grössten Potenziale. Mit Gebäudeprogrammen will der Bund die Quote erhöhen: Zusammen mit den Steueranreizen, die der Aargau bietet, «glauben wir an den Erfolg bei Gebäudesanierungen».

Vorwärts machen müsse man auch im Bildungssystem. Mit Freude hat Leuthard vernommen, dass das Berufsbildungszentrum Frick Solarteure ausbildet. Damit schliesse es eine Lücke in der Weiterbildung.

Bei den Energietechnologien sei der Aargau dank FHNW, PSI, Swissfel und sehr gut positionierten Unternehmen hervorragend positioniert, lobte Leuthard. Er bleibe ein Energiekanton, «wenn Sie die Chance nutzen».

Der Bund sucht beispielsweise Interessenten, die an Autobahnen Panels montieren und Energie produzieren wollen. Im Aargau gebe es noch kein solches Projekt, in anderen Kantonen schon. Freuen würde sie sich auch, wenn sich im Aargau eine Energieregion bilden würde, wie es gesamtschweizerisch schon 11 gibt.

Letztlich muss die Energiewende aber bei jedem Einzelnen stattfinden. Leuthard mahnend: «Wenn wir hier nicht den Anschluss verpassen wollen, müssen wir uns auf den Weg machen.»

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