Warum wollen Sie in die Aargauer Regierung, Frau Aebi?

Ich bin schon immer ein politisch denkender und handelnder Mensch und habe die Politik aus verschiedenen Aspekten kennen gelernt. In der Parlamentsarbeit, in Kommissionen und Aufsichtsgremien öffentlicher Institutionen. Daneben habe ich eine Wirtschaftskarriere gemacht und bin jetzt mit 54-jährig an einem Punkt, an dem ich mir sehr gut vorstellen kann, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Genau zu diesem Zeitpunkt ist die GLP des Kantons Aargau auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich meine Erfahrung als Regierungsrätin in meinem Wohnkanton einbringen würde.

Und Sie haben zugesagt.

Ja, nach einer kurzen Bedenkzeit und der Beratung mit meiner Familie habe ich mit vollem Elan zugesagt. Ich bin überzeugt, dass ich für den Kanton Aargau einen Mehrwert leisten kann. Aufgrund meiner grossen Erfahrungen mit komplexen Organisationen und Strukturen bin ich in der Lage, stabile Lösungen für wichtige Themen der Aargauer Bevölkerung zu finden.



Aber warum treten Sie jetzt für die GLP an, und nicht mehr für die SP?

In jungen Jahren habe ich in der SP politisiert und bin seit 20 Jahren parteiunabhängig. Mit der GLP habe ich seit ihrer Gründung sympathisiert und ihr jeweils meine Stimme gegeben. Die GLP des Kantons Aargau ist vor einigen Wochen auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich meine Erfahrung als Regierungsrätin in meinem Wohnkanton einbringen würde.

Sie waren vor 20 Jahren politisch sehr aktiv, im Aargau aber nicht mehr. Droht Ihnen da nicht das Etikett einer Quereinsteigerin?

Vorsicht. Erstens bringe ich als ehemalige Grossrätin über zwei Legislaturen politische Erfahrung mit. Zweitens bin ich seit jeher eine politisch denkende und handelnde Frau. Politisch aktiv sein kann man auch ausserhalb eines konkreten politischen Amtes. So habe ich mich in den letzten zwei Jahrzehnten politisch engagiert.

Wo?

Als Mitglied des Hochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz, als Verfasserin zahlreicher Kolumnen oder als  Wirtschaftsfrau, die mit dem eigenen Unternehmen auch Verbände und Institutionen öffentlichen Hand in der Findung von Top-Personal für Spitzenpositionen berät. Die Politik spielt auch hier eine zentrale Rolle und so bin ich sowohl in der Wirtschaft, als auch in der regionalen und nationalen Politik eng vernetzt.

Viele Menschen im Aargau kennen Sie noch nicht. Kann man dieses Manko in so kurzer Zeit wettmachen?

Ich erlebe die Aargauerinnen und Aargauer als offene und interessierte Menschen. Ich freue mich sehr darauf, wenn sie mich und meine politischen Positionen besser kennenlernen wollen. Ich werde natürlich alles dafür tun, die Wählerinnen und Wähler von meiner Kandidatur zu überzeugen. Ich freue mich auf diesen Wahlkampf!

Sie hatten bisher keinen Schwerpunkt in Gesundheits- und Sozialpolitik. Trauen sie sich zu, sich sehr rasch einzuarbeiten? Das wäre nötig, weil der Aargau im DGS eben gerade über zwei Jahre Zeit verloren hat.

Wenn Sie damit meinen, dass ich ein Patentrezept für die grossen Fragen im DGS habe, dann muss ich Ihnen sagen, dass es dieses Patentrezept nicht gibt. Aber Sie haben recht: gerade im DGS sind viele Baustellen offen, die dringend angepackt werden müssen. Mit meiner langjährigen Erfahrung in der Wirtschaft verstehe ich viel von komplexen Organisationen und Strukturen und kann mich schnell einarbeiten. Das ist im Übrigen in meiner Beratungstätigkeit bei jedem Auftraggeber der Fall, dass ich mich sehr schnell und sehr tief mit komplexen Themen befassen muss. Durch meine politische Tätigkeit bringe ich auch das notwendige Sensorium mit, das es braucht, um Mehrheiten zu bilden. Kurzum: Ich habe grossen Respekt vor dieser Aufgabe, durch meine Erfahrung und mein Know how fühle ich mich ihr aber gewachsen und bin überzeugt, dem Aargau als Regierungsrätin einen Mehrwert leisten zu können.

Hoffen Sie im Wahlkampf auf Unterstützung anderer Mitteparteien, die selbst nicht antreten (CVP, BDP, EVP)?

Nach der bereits durchgesickerten Möglichkeit meiner Kandidatur habe ich sehr viel Zuspruch von Mitgliedern der Mitteparteien erhalten und konkret Unterstützungsangebote bekommen, übrigens auch aus freisinnigen und sozialdemokratischen Kreisen. Als Mitglied der glp verstehe ich mich natürlich als Kandidatin der Mitte und hoffe, dass mit meiner liberalen Haltung die Schnittmenge gross genug ist, um CVP, BDP und EVP von meiner Kandidatur zu überzeugen.