Doch nicht à fonds perdu
Aargauer Wirte müssen Härtefallgelder zurückzahlen, manche denken deshalb daran, zu schliessen: Gastropräsident kritisiert Regelung scharf

Wer im laufenden Jahr in seinem Lokal einen Gewinn macht, muss dem Kanton die bezogenen Corona-Hilfsgelder zurückzahlen. Diese Regelung stösst Wirtepräsident Bruno Lustenberger sauer auf: Er befürchtet Konkurse und erzählt von Kollegen, die sich überlegen, ihre Restaurants zu schliessen oder den Betrieb herunterzufahren.

Fabian Hägler
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Gastro-Aargau-Präsident Bruno Lustenberger ist enttäuscht von der Regelung im Aargau, dass alle Unternehmen, die einen Gewinn erzielen, dem Kanton die Härtefallhilfen zurückzahlen müssen.

Gastro-Aargau-Präsident Bruno Lustenberger ist enttäuscht von der Regelung im Aargau, dass alle Unternehmen, die einen Gewinn erzielen, dem Kanton die Härtefallhilfen zurückzahlen müssen.

Britta Gut

Immer mehr Aargauer Unternehmen sagen ihre Weihnachtsessen ab – den Wirten im Kanton fehlt damit im Dezember ein wichtiger Umsatzfaktor. Und nun kommt noch ein Problem dazu, wie Tele M1 berichtet: Gastronomen, die mit ihrem Lokal im laufenden Jahr einen Gewinn erzielen, müssen dem Kanton die bezogenen Härtefallgelder zurückzahlen. Dies gilt grundsätzlich für alle Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen Franken, die entsprechende Regelung ist auf Bundesebene festgelegt.

Der Kanton hat diese Grenze in einer eigenen Verordnung aufgehoben, wie Sandra Olar, die Sprecherin des Volkswirtschaftsdepartements, gegenüber dem Regionalsender sagt. So werde dafür gesorgt, dass auch Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 5 Millionen gleich behandelt würden.

Bruno Lustenberger, Präsident des Branchenverbandes Gastro Aargau, reagiert mit Unverständnis: «Es kann nicht sein, dass wir jetzt diese Gelder zurückzahlen müssen. Wir sind sehr enttäuscht, denn uns wurde versprochen, dass die Beträge à fonds perdu gewährt werden.»

Gastropräsident befürchtet Konkurse bei Lokalen im Aargau

Zwar könnten Wirte den Verlust des Jahres 2020 im laufenden Jahr abziehen, dennoch treffe die Aargauer Regelung die Betreiber kleiner Lokale härter als grosse Konzerne, sagt Lustenberger. «Die Wirte haben in den letzten anderthalb Jahren gespart und nur das Nötigste ausgegeben», gibt der Gastropräsident zu bedenken. Die meisten Aargauer Gastronomen hätten keine Investitionen getätigt, «sondern einfach geschaut, dass sie über die Runden kommen», hält Lustenberger fest.

Mit der Rückzahlung der Härtefallgelder dürfte es für einige seiner Kollegen sehr schwierig werden, prognostiziert der Wirtepräsident. «Wir wissen nicht, wohin das führt», sagt Bruno Lustenberger und ergänzt, er befürchte eine Häufung von Konkursen, auch wenn der Kanton kulant sein dürfte bei den Rückzahlungsforderungen.

Wirte überlegen sich, ihr Lokal zu schliessen oder den Betrieb zu reduzieren

In der Aargauer Gastroszene gebe es Wirte, die sich bereits jetzt überlegten, ihre Lokale zu schliessen, oder den Betrieb herunterzufahren, damit die Zahlen für das Jahr 2021 weniger gut ausfielen. «Das ist eine Katastrophe, das kann nicht die Lösung sein», sagt Lustenberger. Wirte wollten arbeiten und Gäste bedienen, aber wenn es keine andere Möglichkeit gebe, dann habe er Verständnis für seine Kollegen.

Insgesamt sind im Aargau rund 3400 Gesuche für Härtefallhilfen eingegangen, rund ein Drittel davon stammt aus der Gastronomie. Wie viele Wirte nun Rückzahlungen an den Kanton leisten müssen, ist gemäss dem Beitrag von Tele M1 derzeit noch nicht klar.

Der Video-Beitrag von Tele M1:

Tele M1

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