Ermittlungsprobleme

DNA-Profil eines vorbestraften Asylbewerbers: Wo ist das Phantom aus Nordafrika?

DNA-Proben werden meist von der Wangenschleimhaut entnommen.

DNA-Proben werden meist von der Wangenschleimhaut entnommen.

Der Aargauer Regierungsrat hat eine Interpellation von SVP-Grossrat und Polizist Roland Vogt beantwortet, in der es um einen straffälligen Asylbewerber geht. Der Fall zeigt, mit welchen Problemen die Behörden in den Ermittlungen zu kämpfen haben.

Wenn es um die Aufklärung von Verbrechen geht, sind DNA-Profile heute aus der Arbeit der Ermittler nicht mehr wegzudenken.

Spuren von Erbgut an Tatorten führen zur Aufklärung von Fällen – bei Driss Bandada, einem jungen Nordafrikaner, gab es wegen eines DNA-Profils aber viele Unklarheiten.

Nun hat der Regierungsrat eine Interpellation von SVP-Grossrat und Polizist Roland Vogt beantwortet.

Ganz am Anfang des Falles stand eine Publikation im Amtsblatt vom 4. März. Dort wurde die Anordnung der kantonalen Jugendanwaltschaft zur Erstellung eines DNA-Profils bei «Bandada Driss, geboren am 29. Juni 1997, von Marokko, Wohnort unbekannt, alias Bandada Driss, geboren am 29. Dezember 1999» veröffentlicht.

Eine Nachfrage ergab, dass der junge Mann am 26. Januar am Bahnhof Brugg aufgegriffen worden war. Weil er sich illegal in der Schweiz aufhielt, verhaftete ihn die Polizei vorläufig, zeigte ihn an und nahm ihm per Wangenschleimhautabstrich eine DNA-Probe ab.

Algerier oder Marokkaner?

Wie der Antwort des Regierungsrats auf den Vorstoss von Roland Vogt zu entnehmen ist, gab sich der Mann als Algerier aus.

In der Publikation im Amtsblatt ist aber von einem Marokkaner die Rede – was stimmt nun?

Fiona Strebel, Sprecherin der Jugendanwaltschaft, erklärt auf Anfrage: «Abklärungen der Polizei und ein angeforderter deutscher Strafregisterauszug haben die Nationalität Marokko bestätigt.»

Der Strafregisterauszug zeigte auch, dass Driss Bandada in Deutschland bereits zweimal «wegen Vermögens- und Gewaltdelikten» verurteilt worden war, wie es in der Antwort der Regierung heisst.

Dennoch wurde der junge Nordafrikaner am Tag nach der Verhaftung wieder freigelassen. Driss Bandada hatte bei der Befragung gesagt, er wolle einen Asylantrag stellen.

«In der Folge wurde die Kantonspolizei vom Amt für Migration und Integration Kanton Aargau angewiesen, ihm einen Passierschein für das Asyl-Empfangszentrum in Basel auszuhändigen», erläutert der Regierungsrat.

Dort traf der Marokkaner nie ein, offensichtlich tauchte er unter. «Er wurde seither von der Polizei nicht wieder aufgegriffen», sagt Strebel. Doch hätte sich dieses Untertauchen nicht verhindern lassen?

Strebel hatte im März gesagt, die polizeilichen Ermittlungen gegen Bandada seien am Tag nach der Festnahme abgeschlossen worden. «Dabei ergaben sich keinerlei Hinweise auf weitere strafbare Handlungen.»

Hätte ein Abgleich des DNA-Profils von Driss Bandada mit entsprechenden Datenbanken weitere Delikte ans Tageslicht bringen können? Dies ist durchaus denkbar, hält der Regierungsrat in seiner Antwort doch fest: «Bei D. B. war aufgrund seiner aktenkundigen Vorstrafen von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass er an weiteren Straftaten von gewisser Schwere beteiligt gewesen ist oder künftig sein könnte.»

Anordnung erst einen Monat später

Allerdings ordnete die Jugendanwaltschaft erst am 25. Februar, knapp einen Monat, nachdem Driss Bandada aufgegriffen wurde, die Erstellung des DNA-Profils an.

Dies lässt darauf schliessen, dass der deutsche Strafregisterauszug erst im Aargau eintraf, als der Nordafrikaner wieder auf freiem Fuss war. Doch warum haben die Behörden ihn nicht länger in Gewahrsam behalten?

Der Regierungsrat hält fest: «Verfahrenspraktische Gründe, wie die Aufrechterhaltung der vorläufigen Festnahme bis zum Zeitpunkt, in dem das DNA-Profil vorliegt und mit Datenbanken abgeglichen ist, genügen für die Fortsetzung einer vorläufigen Festnahme nicht und sind unzulässig.»

Allerdings wäre es möglich gewesen, das Profil innerhalb der 48 Stunden zu erstellen und auszuwerten, für die ein Verdächtiger vorläufig inhaftiert werden kann.

Man hätte Bandada ja einfach fragen können, ob er damit einverstanden sei, findet Grossrat Vogt.

Hätte man nicht, antwortet die Regierung, eine solche Massnahme müsse von der Jugendanwaltschaft angeordnet werden, das Einverständnis des Betroffenen reiche nicht.

Fazit: Die Behörden haben sich im Fall Driss Bandada an alle Vorschriften gehalten, verfügen nun über ein DNA-Profil, das auch in einem Gerichtsverfahren als Beweis zugelassen würde – doch vom jungen Nordafrikaner fehlt jede Spur.

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