Lupfig
Diskrete Mieter neben dem Datenbunker – Green hüllt sich in Schweigen

Der Internetprovider green.ch zügelt nach Lupfig in den Innovation Tower, der auch andere Mieter anlockt.

Peter Brühwiler
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Der neue green.ch-Hauptsitz neben dem Datacenter in Lupfig. zvg

Der neue green.ch-Hauptsitz neben dem Datacenter in Lupfig. zvg

PHILIPP SCHMIDLI | Fotografie

Der Aargauer Internetprovider und Rechenzentrumsbetreiber green.ch hat in Lupfig in den vergangenen Jahren zwei Datacenter-Module für je 50 Millionen Franken gebaut. Nun folgt der dritte Wurf: Nach der Fertigstellung des bereits im Jahr 2009 angekündigten Innovation Tower zügeln die 110 Green-Angestellten in diesen Tagen von Brugg ins Lupfiger Industriegebiet West.

Das sechsstöckige Bürogebäude, in dem ein Fitnesscenter auf eineinhalb Etagen bereits den Betrieb aufgenommen hat, wird der neue Hauptsitz des fünftgrössten Schweizer Internetproviders – und lockt auch andere Unternehmen an. Bei der Fertigstellung waren laut Green bereits 95 Prozent der Flächen vermietet. Einer der renommiertesten Mieter ist die amerikanische E-Mail-Dienstleisterin AppRiver, die ihren Europasitz in Lupfig aufbaut.

Erdbebensichere Arbeitsplätze

Wie viele Arbeitsplätze das Unternehmen aus Florida hier schaffen wird, ist nicht in Erfahrung zu bringen. «Entsprechend der Nachfrage werden wir wachsen. Hier sind unsere Mitarbeitenden und unsere Daten bestens untergebracht, diese Kombination hat uns überzeugt», sagt JD Rumpler von AppRiver lediglich. Das ist diskret.

Andere Mieter sind allerdings noch weit diskreter. Sie mieten in Lupfig nur sogenannte Notfallarbeitsplätze, die sich im Innovation Tower über ein halbes Stockwerk erstrecken.

Das Gebäude wurde in der Bauwerksklasse 3 errichtet und garantiert damit dieselbe Erdbebensicherheit, wie sie von Bauten mit lebenswichtigen Infrastrukturfunktionen verlangt wird. Es stehen Datennetze von mehr als zwanzig Carriern zur Wahl und im Notfall können die Arbeitsplätze mit Notstrom aus dem Rechenzentrum versorgt werden. Das sind ideale Bedingungen für Firmen, die Lupfig als Back-up-Rechenzentrum nutzen und im Krisenfall – falls zum Beispiel das Hauptrechenzentrum und die dort angesiedelten Büroräume wegen eines Brandes nicht mehr benutzbar sein sollten – ihre IT-Spezialisten hierhin beordern und dadurch den Betrieb aufrechterhalten könnten.

Namen solcher Mieter gibt Green nicht bekannt. Laut der Green-Pressesprecherin Susanne Felice nutzen das Angebot aber hauptsächlich grosse Firmen, für die die IT sehr bedeutend ist. Für KMU sei es weniger interessant.

3. Modul in der Warteschleife

Im Datacenter neben dem Innovation Tower will Green hingegen künftig vermehrt auch kleine und mittlere Unternehmen als Kunden gewinnen. Grosse kommerzielle Rechenzentren mit entsprechenden Sicherheitsstandards seien bislang Konzernen mit mehreren Dutzend Quadratmetern Stellfläche vorbehalten gewesen, teilte das Unternehmen kürzlich mit.

Doch gerade bei Start-up-Unternehmen und Firmen mit geringerer IT-Infrastruktur sehe man Potenzial: «Die Investitionen in Serverräume, die den heutigen Standards entsprechen, sind hoch. Deshalb hält der Trend zur Auslagerung in kommerzielle Datacenter an», so Green-CEO Frank Boller.

Das Geschäft läuft also, trotzdem werden bei green.ch in Lupfig in der nächsten Zeit keine Bagger mehr auffahren. Mit einem weiteren grossen Rechenzentrum, das im Mai von der Zurich-Versicherung übernommen wurde, verfügt das Unternehmen derzeit über genügend freie Kapazitäten für Unternehmensdaten. Wann das dritte, bereits angedachte Datacenter in Lupfig gebaut wird, ist noch offen. «Sobald grosse Anfragen für Datacenter-Flächen eintreffen, können wir loslegen», sagt Verwaltungsratspräsident Franz Grüter. Mit grossen Konzernen sei man bereits im Gespräch.

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