Das Potenzial für den Einsatz von digitalen Lehrmitteln im Unterricht ist gross. Dennoch sind komplett digitale Fassungen von Lehrmitteln in der Schweiz noch nicht sehr verbreitet. In der Antwort auf eine Interpellation der beiden Grossräte David Burgherr (SP) und Thomas Leitch (SP) erklärt der Regierungsrat, dass die hohen Entwicklungskosten ein Grund dafür seien. Hinzu komme, dass viele Schulhäuser noch nicht über eine entsprechende Infrastruktur verfügen, um die neuen Lehrmittel adäquat einsetzen zu können. Schliesslich werde der digitale Zugang durch oft komplizierte Anmeldesysteme auf verschiedenen Lernplattformen erschwert. Digitale Lehrmittel könnten einen grossen Mehrwert beim schulischen Lernen bieten, erklärt die Regierung. Doch nicht in allen Fachbereichen sei eine digitale Fassung sinnvoll. Digitale Erstleselehrgänge brächten wenig, digitale Fremdsprachenlehrmittel hingegen seien sehr nützlich.

Rund 6 Millionen pro Jahr

Grundsätzlich brauche es noch konzeptionelle Entwicklungsarbeit, um die Möglichkeiten für digitales Lernen optimal umsetzen zu können, heisst es in der Antwort der Regierung weiter. Bis die notwendige Infrastruktur an den Schulen bereit ist und die didaktisch passenden rein digitalen Lehrmittel vorhanden sind, können digitale Lehrmittel nur als Ergänzung zu gedruckten Lehrmitteln verwendet werden. Im Zusammenhang mit der Einführung des Schulfachs «Medien und Informatik» im neuen Aargauer Lehrplan für die Volksschule wird eine Umsetzungshilfe für Lehrpersonen erarbeitet.

Die Auswahl und die Zulassung der Lehrmittel ist die Aufgabe der Kantone. Grundsätzlich hat der Regierungsrat aber keinen Einfluss auf die Lehrmittelentwicklung, er kann also den Verlagen keine «Digitalisierung» der Produkte vorschreiben. Aber als Miteigentümer der «Schulverlag plus AG» kann der Kanton die Strategie des Verlags mitsteuern. So wurde denn auch explizit die digitale Nutzung von Lehrmitteln als Zielsetzung formuliert.

Lehrmittel sind teuer. Pro Jahr kosten sie im Aargau knapp 6 Millionen Franken. Gemäss Schulgesetz müssen die Gemeinden für die Lehrmittel aufkommen. Der Regierungsrat geht davon aus, dass die Entwicklungskosten für digitale Lehrmitteln anfänglich höher sein werden als für die gedruckten Lernmedien. Dazu kommen Wartungskosten. Unklar ist bisher, wie die Vergabe der Lizenzen für die digitalen Lehrmittel geregelt werden soll.