Kantonsspital Aarau

Dieth übernimmt Roths wichtigstes Dossier – KSA-Präsident: «Kann Entscheid gut nachvollziehen»

Finanzdirektor Markus Dieth kümmert sich neu um den Neubau des Kantonsspitals Aarau. (Archiv)

Beim Kantonsspital Aarau stehen wichtige Investitionen an. Deshalb geht das Dossier an das Finanzdepartement. Gesundheitspolitiker begrüssen den Entscheid. Auch der Interims-Präsident des Spitals äussert sich.

Der Regierungsrat lässt das Departement von Franziska Roth nicht nur durch externe Experten durchleuchten. Am Donnerstagmorgen wurden die Mitarbeitenden des Departements Gesundheit und Soziales auch informiert, dass ihre Chefin ab sofort nicht mehr für das Kantonsspital Aarau (KSA) zuständig ist. Roth muss die Federführung des wichtigen Geschäfts an ihren Kollegen, Finanzdirektor Markus Dieth, abtreten.

Das KSA muss in den nächsten Jahren grosse Investitionen stemmen. Auf dem Areal soll ein Neubau für rund 600 Millionen Franken entstehen. Die Experten der Firma PricewaterhouseCoopers (PwC) kamen in ihrem Bericht zwar zum Schluss, dass der Neubau tragbar ist. Allerdings nur, wenn es dem Spital gelingt, den anspruchsvollen Businessplan einzuhalten. Die Investitionen sind auch nicht die einzige Baustelle des Spitals: Die Rentabilität ist seit Jahren ungenügend. Gleichzeitig stellte PwC bei der obersten Führungsstruktur Handlungsbedarf fest. Konrad Widmer, der ehemalige Verwaltungsratspräsident, hat sein Amt inzwischen abgegeben. Momentan läuft die Nachfolgersuche. Um all diese Baustellen kümmert sich nun federführend Markus Dieth statt Franziska Roth.

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Landammann Urs Hofmann betont, der Regierungsrat habe Franziska Roth nichts weggenommen. «Es wurde einvernehmlich beschlossen, dass das Finanzdepartement den gesamten Bereich übernimmt, den die Wahrnehmung der Eigentümerrechte gegenüber der Kantonsspital Aarau AG betrifft.» Es sei heute schon so, dass die Eigentümerrechte von beiden Departementen gemeinsam wahrgenommen würden. «Aber der Regierungsrat hat es vor dem Hintergrund der Bauvorhaben und Finanzierungsfragen, die sich stellen, als sinnvoll erachtet, dass jenes Departement im Lead ist, das Kompetenzen im Immobilien- und Finanzbereich hat», sagt Hofmann. Fachpersonen vom Gesundheitsdepartement und Regierungsrätin Franziska Roth seien aber weiterhin involviert.

«Nachvollziehbarer Entscheid»

Für das KSA bedeute der Entscheid keine grosse Veränderung, sagt der interimistische Verwaltungsratspräsident Felix Schoenle. «Wir haben schon immer eng mit beiden Departementen zusammengearbeitet. Bisher lag die Koordination beim Gesundheitsdepartement, neu liegt sie beim Finanzdepartement.» Ob er den Entscheid begrüsse, sagt Schoenle nicht. «Aber ich kann ihn gut nachvollziehen.» Es gehe beim KSA um Baufragen und finanzielle Fragen. «Daher ist es sachgerechter, wenn das Finanzdepartement die Federführung übernimmt», sagt Schoenle.

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Gleichzeitig werde Regierungsrätin Roth durch die Änderung von einem Geschäft entlastet, das nicht zu den Kernaufgaben ihres Departements gehöre. «Das Gesundheitsdepartement kann sich dadurch auf die Spitalplanung und seine Aufsichtsfunktion konzentrieren.»

Das Know-how ist vorhanden

Gesundheitspolitiker begrüssen den Entscheid der Regierung. «Ich hätte das auch so gemacht», sagt Grossrat Severin Lüscher (Grüne). Ihn erstaunt eher, dass es so lange gedauert hat. «Der Regierungsrat hätte das KSA-Dossier schon vor der Krise ans Finanzdepartement übergeben können», findet er. Dass nun das Finanzdepartement zuständig sei, helfe nämlich, die Mehrfachrolle des Kantons im Gesundheitswesen zu entflechten. «Das Gesundheitsdepartement kann sich so auf die Rolle des Regulators und Leistungsbestellers konzentrieren, das Finanzdepartement auf die Eigentümerrolle.»

Auch FDP-Grossrätin Martina Sigg und CVP-Grossrat Andre Rotzetter finden den Entscheid richtig. Das Finanzdepartement sei schon immer involviert gewesen, sagt Sigg. «Es ist also viel Know-how vorhanden.» Rotzetter ergänzt, es stünden «wegweisende Entscheide» bevor. «Da ist Fingerspitzengefühl und Finanzverständnis gefragt.» Beides bringe sein Parteikollege Markus Dieth mit.

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