Grosse Hagelkörner können zu massiven Verwüstungen führen. Innert weniger Sekunden. Um künftig vor Schäden zu schützen, lanciert die Basler Versicherung ein Pilotprojekt mit einem eigens ausgerüsteten Kleinflugzeug. Stationiert ist die Maschine des Typs Cessna auf dem Flugplatz Birrfeld.

Der neue Hagelflieger der Baloise sorge dafür, dass Hagelniederschläge in der Schweiz minimiert werden oder bestenfalls gar nicht erst entstehen, führt das Unternehmen in einer Medienmitteilung aus, denn: «Hagelniederschläge kosten die Schweizer Volkswirtschaft jährlich Millionenbeträge, zerstören Ernten und verursachen Schäden, die mit Zeitaufwand und Ärger für die Betroffenen verbunden sind.»

Gewitterbomber sollen in der Schweiz Hagel stoppen

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Das Video zeigt, wie der Hagelflieger funktioniert.

Das mit einer speziellen Sprühvorrichtung bestückte Kleinflugzeug fliegt unter die Hagelwolke «und setzt im Zentrum der Aufwinde ökologisch unbedenkliches Silberjodid frei», fährt das Unternehmen fort. Mit diesem Vorgehen könne die Hagelwahrscheinlichkeit um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Es gibt zusätzliche Eiskerne

Das Silberjodid fungiere als Eiskeim, hält die Baloise fest. «Es verhindert durch diese Eigenschaft, dass sich grosse und schwere Hagelkörner bilden, die Schaden anrichten könnten. Stattdessen entstehen viele kleine Hagelkörner, die auf dem Weg zur Erde zu Schneematsch beziehungsweise im besten Fall zu Regen werden.»

Zur Idee der Hagelbekämpfung kam es an einer Tagung, blickt Mediensprecherin Nicole Hess zurück. Für die Baloise sei schnell klar gewesen, dass damit ein grosser Schritt vorwärts in Richtung Prävention gemacht werden könne – umso mehr, da in der Schweiz die Hagelabwehr noch nicht zur Standard-Prozedur gehöre, wie das etwa in Deutschland, Österreich oder den USA der Fall sei. Dort werden laut Baloise seit Jahrzehnten erfolgreich Hagelflieger zur Schadenprävention eingesetzt.

«Wir erhoffen uns, damit eine sinnvolle Prävention betreiben zu können für die von Unwetter betroffene Bevölkerung, die Landwirtschaft, den Weinbau etc.», sagt denn auch Mathias Zingg, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter Schaden der Basler Versicherung, gegenüber Radio SRF.

Die Experten sind skeptisch

Über die Wirksamkeit sind sich die Experten allerdings uneins. Im Labor funktioniere die Methode zwar. Wie effizient sie in der Praxis sei und ob sie bei realen Verhältnissen tatsächlich funktioniere, lasse sich aber nur schwer überprüfen, stellt Peter Pöschl von SRF Meteo fest.

Für die Baloise rechnet sich das auf drei Jahre angelegte Projekt offenbar so oder so. Die Versicherung gibt jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag für Hagelschäden aus. Das Hagelflugzeug koste mit 200'000 Franken lediglich einen Bruchteil, sagt Zingg. Könne nun eine positive Beeinflussung von 5 bis 10 Prozent erreicht werden, habe sich der Einsatz schon mehr als gelohnt.

Der Hagelflieger der Baloise wird vom Birrfeld aus zunächst die Deutschschweiz abdecken. Der zentrale Flugplatz sei strategisch am besten gelegen, um die Einsatzgebiete rasch zu erreichen, sagt Mediensprecherin Nicole Hess. Eine Erweiterung der Flotte in die Romandie und die italienische Schweiz wird gegenwärtig geprüft.