In den vergangenen Jahrzehnten war die Schweiz bei der Stromversorgung verwöhnt. Die Atomkraftwerke lieferten (und liefern noch einige Zeit lang ) Bandenergie in grosser Menge. Mehrheitlich bestreitet aber die Wasserkraft die Stromversorgung. Und zwar ebenfalls mit Band- und mit kostbarer Spitzenenergie. Die Zeit der AKW ist allerdings begrenzt. Sie müssen nach und nach vorab durch neue erneuerbare Energien abgelöst werden. Da stellt sich aber ein Problem: Solarstrom gibts im Sommer, wenn der Strombedarf gering ist, besonders viel. Im Winter, wenn der Bedarf hoch ist, fällt in unseren Breitengraden wenig Solarstrom an.

Mit dem zunehmenden Ausbau der Solar- und Windanlagen wird also die Integration des unregelmässig erzeugten Stroms in das bestehende Energiesystem zu einer grossen Herausforderung. Denn Strom kann man – ausser im übertragenen Sinn hinter Talsperren und mit teuren Batterien – im Unterschied zu Öl, Gas oder Kohle nicht einfach lagern. Mit einer neuen Besucherstation will das Paul Scherrer Institut PSI dieses komplexe Problem und eine mögliche Lösung auch für Laien verständlich machen.

«Ensiville»: Einblick in die Zukunftsstadt am PSI

«Esiville»: Einblick in die Zukunftsstadt am PSI

Strom in Methan umwandeln?

Entstanden ist in einem Container mitten im PSI eine kleine Schweizer Stadt in den Dimensionen einer grösseren Eisenbahnanlage. Diese Stadt soll von herkömmlicher Energieversorgung auf eine solche mit neuen erneuerbaren Energien umsteigen. Die Verantwortlichen luden gestern die Medien ein, um ihnen diese Anlage vorzuführen. Damit sei ein Meilenstein in der Kommunikation erreicht, meinte Professor Alexander Wokaun, der Bereichsleiter Energie und Umwelt im PSI, bei deren Präsentation.

Doch warum erstellt das PSI eine solche Besucheranlage? Hintergrund ist die Energiestrategie 2050 des Bundes. Diese sieht nebst Sparen und Effizienzsteigerung einen Ausbau neuer erneuerbarer Energien aus Sonne, Wind und Biomasse vor. Doch weil Solar- und Windkraftanlagen Strom je nach Wetterlage produzieren, kann wertvoller Strom verloren gehen, wenn das Netz ihn nicht aufnehmen kann. Im PSI und weltweit sucht man jetzt nach einer guten Lösung, um überschüssigen Strom in energiereiche Gase wie Wasserstoff oder Methan umzuwandeln. Diese lassen sich gut speichern und bei Bedarf verwenden bzw. wieder in Strom zurückwandeln. Diese «Power-to-Gas»-Technologie steht im Mittelpunkt der Ende 2016 in Betrieb genommenen ESI-Plattform (ESI steht für «Energy System Integration»).

Umstieg inklusive Blackout

Diese Plattform ist im Paul Scherrer Institut als Containerdorf aufgebaut. Auf ihr können Partner aus Forschung und Industrie verschiedene Varianten der Power-to-Gas-Technologie im Pilotmassstab auf ihre technische Machbarkeit hin untersuchen. Die darauf aufbauende interaktive Besucherstation nennt sich Esiville. Mit ihr soll dieser mögliche künftige Beitrag zur Energieversorgung einem breiten Publikum verständlich gemacht werden. Um noch besser an die Menschen heranzukommen, wird in Esiville die Entwicklung dieser Stadt in den Fernsehnachrichten aufgezeigt – inklusive simuliertem Blackout beim Umstieg in die erneuerbare Zukunft. Damit soll nicht gesagt werden, dass es nach dem Abstellen der AKW dereinst zu einem Blackout kommt, aber, dass man rechtzeitig Vorkehren treffen muss, damit dies nicht geschehen kann.

Besucherinnen und Besuchern wird dann gezeigt, wie man diese Stadt wieder mit ausreichend Strom versorgen kann. Die Besucher können eine ESI-Plattform in Miniatur-Format aufbauen und dabei sehen, wie die diversen Varianten der Power-to-Gas-Technologie zu einer gelungenen Energiewende beitragen können. Wenn das gelingt, hat die Stadt wieder Strom – inklusive Rummelplatz. Die neue Besucherstation kann in kostenlosen geführten Besichtigungen erkundet werden. Eine vorherige Anmeldung mit Terminvereinbarung ist aber erforderlich.