Vor gut drei Jahren waren hunderttausende Menschen auf dem Balkan unterwegs nach Mitteleuropa, heute ist diese Flüchtlingsroute kaum noch Thema. Diskutiert wird derzeit viel mehr über Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer und die Probleme der Rettungsorganisationen, mit ihren Schiffen einen Hafen zu finden. Von rechten Politikern werden die Helfer als illegale Schlepper bezeichnet, derweil kritisiert die Uno jene Länder, die keine Schiffe in ihre Häfen einlaufen liessen. Dazu kommt der Konflikt innerhalb der EU, weil sich mehrere osteuropäische Länder weigern, Flüchtlinge aufzunehmen. Gleichzeitig will Europa seine Aussengrenzen stärker schützen, Deutschland die Asylpraxis verschärfen – doch unabhängig davon sei Hilfe auf dem Balkan weiterhin nötig, sagt Stefan Dietrich.

Neue Routen, alte Probleme

Der dreifache Familienvater, SP-Ortspräsident und Lehrer aus Bremgarten fährt Mitte Juli in die Gegend von Bihać und Mostar in Bosnien-Herzegowina. Dort seien zahlreiche Flüchtlinge «hängengeblieben», sagt Dietrich, der schon mehrfach für «Help Now» (siehe Box) auf dem Balkan als Helfer im Einsatz war. «Heute sind dort viel weniger Menschen unterwegs als noch vor drei Jahren und die Routen haben sich geändert», erklärt er.

Weil der Weg nach Norden praktisch versperrt sei, würden Flüchtlinge nun nach Serbien einreisen. Für dieses Land brauchten viele Flüchtling kein Visum, später machten sie sich von dort aus nach Kroatien oder Griechenland auf. «Andere versuchen von Griechenland via Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina nach Kroatien zu gelangen», sagt Dietrich.

Er ist sich durchaus bewusst, dass Flüchtlingshelfer derzeit genau beobachtet und bisweilen scharf kritisiert werden. «Ich versuche den Menschen zu helfen, die auf dem Balkan gestrandet sind», sagt Dietrich und betont, er helfe niemandem, eine Grenze zu überqueren oder in die EU zu gelangen. Es sei nicht einfach, zwischen Kriegsflüchtlingen und Menschen zu unterscheiden, die ihre Heimat wegen fehlender Perspektiven verlassen haben, räumt der Aargauer ein. «Mir geht es aber grundsätzlich um direkte, persönliche Hilfe», betont Dietrich. Tausende von Menschen seien in Serbien, Bosnien oder Mazedonien gestrandet. «Je nach Land helfen Staat und Zivilgesellschaft mehr oder weniger, die Zustände in den Lagern sind besser oder schlechter – aber es fehlt weiterhin an vielem», macht Stefan Dietrich klar.

Schlafsäcke sind gesucht

Die lokale Bevölkerung helfe den Flüchtlingen, obwohl viele Einwohner selber sehr arm seien. «Aber es gibt auch Parteien und Politiker in den Balkanstaaten, die Angst schüren und mit den Flüchtlingen negative Stimmung machen.» Bei früheren Einsätzen hat Stefan Dietrich direkt vor Ort Lebensmittel gekauft und an Flüchtlinge verteilt, inzwischen ist die Versorgungs- situation besser. «Es fehlt aber noch oft an Hygieneartikeln und Schlafsäcken», sagt der Bremgarter. Weil diese vor Ort in grösseren Mengen schwer erhältlich sind, sammelt Dietrich die Schlafsäcke in der Schweiz und nimm sie in einem Kleinbus mit. «Die benötigen Hygieneartikel kaufe ich dann in Bosnien, dort sind die Preise niedriger als hier, somit ist die Hilfe effektiver.»

Kontakt für Schlafsack-Spenden: E-Mail an HelpNowCH@gmail.com